Reichste Menschen der Geschichte: Wer reicher als Musk war

Mehr als 400 neue Milliardäre binnen eines Jahres – und Elon Musk, der das Reichen-Ranking weiterhin anführt. Das vermeldet das Wirtschaftsmagazin „Forbes“. Im historischen Vergleich waren andere aber reicher.
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Als Mansa Musa 1324 zur Pilgerfahrt nach Mekka  aufbricht, zieht eine Karawane durch die Sahara, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Chronisten berichten von Tausenden Dienern, Konkubinen und Kamelen, beladen mit Säcken voller Goldstaub. In Kairo, schreibt der arabische Gelehrte Al-Umari später, habe Musa „so viel Gold ausgegeben, dass sein Wert in Ägypten fiel“. Die Folgen bekommt Musa selbst zu spüren: Auf seiner Heimreise muss er bei örtlichen Kaufleuten Kredite aufnehmen. Auch die ägyptische Wirtschaft leidet: Der Goldpreis braucht ganze zwölf Jahre, um sich von der Inflation zu erholen.

Zeitgenössische Beobachter wie Ibn Battuta sprechen davon, dass Musas Reichtum „atemberaubend“ und „unbezifferbar“ gewesen sei. Kern aller Berichte: „Man stelle sich alles Gold vor, das ein Mensch besitzen kann, und verdopple es dann.“ Dennoch ist König Musas Vermögen nur schwer quantifizierbar. Der Wirtschaftshistoriker Wolfgang Meixner von der Universität Innsbruck spricht von „400 Milliarden Dollar“. Daher fällt Musas Name immer wieder, wenn vom reichsten Menschen der Geschichte die Rede ist. Und nein, das ist nicht Elon Musk, der die aktuelle Krösus-Liste anführt, die das Wirtschaftsmagazin Forbes dieser Tage veröffentlichte. Musks Vermögen beläuft sich auf geschätzt 839 Milliarden Dollar – ein historischer Höchstwert dieser Rangliste.

Doch wer war nun der reichste Mensch der Geschichte?

Und wie misst man Reichtum über Jahrhunderte hinweg, schließlich sind Musas 400 Milliarden eindeutig weniger als Musks 839 Milliarden? Oder? Historiker geraten bei der Frage nach dem „reichsten Menschen aller Zeiten“ regelmäßig ins Schleudern und greifen daher zu einem Trick: Sie setzen Vermögen in Relation zur gesamten Wirtschaftsleistung einer Epoche. Nicht die absolute Summe zählt, sondern der Anteil am wirtschaftlichen Gesamtvolumen der Zeit.

Staatsvermögen = privat

Der Blick zurück zeigt, dass jede Epoche ihre eigenen Mechanismen zum Vermögensaufbau hatte. In Antike und Mittelalter war Reichtum politisch. Wer herrschte, besaß. Kaiser, Kalifen und Könige kontrollierten Land, Steuern, Handelswege. In dieser Zeit kann kaum zwischen Staats und persönlichem Vermögen eines Herrschers wie Mansa Musa unterschieden werden.

Die frühe Neuzeit verschob das Zentrum des Reichtums langsam von der Krone zur Kasse. Bankiers errangen die ökonomische Macht. Kaufleute wie die Fugger oder später die Rothschilds wurden reich, indem sie Kapital bewegten.

Jakob Fugger steht mit seinem Vermögen von 500 Millionen Euro auf Rang elf in der Ewigenliste.

von Wolfgang Meixner

Wirtschaftshistoriker, Universität Wien

„Jakob Fugger steht mit seinem Vermögen von 500 Millionen Euro auf Rang elf in der Ewigenliste“, rechnet Meixner vor. Das sei auf den ersten Blick „ein eher geringes Vermögen, entsprach aber zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Heiligen Römischen Reiches“. Damit finanzierten die Fugger Kaiser, Armeen und Staatsanleihen. Kredite, Schuldscheine und Handelsrechte bildeten ihre neue Form von Reichtum: abstrakter, beweglicher, international.

Rockefeller & Carnegie

Dann, im 19. Jahrhundert, trat im Kielwasser der industriellen Revolution eine weitere Figur auf: der Industrielle. Männer wie Rockefeller oder Carnegie kontrollierten Fabriken, Eisenbahnen und Ölquellen. Ihr Vermögen wuchs erstmals in einer Größenordnung, die mit kleinen Staaten konkurrierte.

Aktuell wird Reichtum zunehmend immateriell: Software, Plattformen, Netzwerkeffekte – in der Welt von Silicon Valley kann eine Idee Milliarden wert sein, noch ehe sie Gewinn abwirft. Der Boom um Künstliche Intelligenz hat die Zahl der Milliardäre weltweit auf einen neuen Höchststand getrieben.

Forbes vermeldet: „Der Planet hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als einen Milliardär pro Tag hinzugewonnen, da der durch KI angetriebene Börsenboom Vermögen auf zuvor unvorstellbare Höhen getrieben hat.“

„Bleibt nur die Frage“, so Wirtschaftshistoriker Meixner, „ob diese Werte auf Dauer beständig sein werden.“

Infografik zeigt ausgewählte historische Persönlichkeiten wie Augustus, Wu Zetian, Mansa Musa, Jakob Fugger und Elon Musk im Vergleich ihres Vermögensanteils an der Weltwirtschaft ihrer Zeit.

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