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Wissen Wissenschaft
12/25/2021

Wer die Feiertage erfunden hat – und warum

Früher war das Leben ein Fest: Archaische Kulturen unterschieden nicht zwischen All- und Feiertag. Erst die Hochkulturen erfanden Festtage.

von Susanne Mauthner-Weber, Christa Schimper

In Kambodscha müsste man leben. Bis 2019 genossen die Untertanen von König Norodom Sihamoni und Premierminister Hun Sen 28 Feiertage. Das ist der Geschichte des Landes geschuldet und seiner Mischung aus Sozialismus, Buddhismus und Königstreue. So ist der Geburtstag des Königs arbeitsfrei, ebenso der seiner Mutter, der Todestag seines Vaters und auch der Tag seiner Krönung. Darüber hinaus feiert man die Unabhängigkeit von Frankreich und das Ende des Roten-Khmer-Regimes. Frauentag, Kindertag und der Tag der Menschenrechte? Richtig! Allesamt arbeitsfrei.

Weihnachtsfeiertage

Egal ob Kambodscha, Österreich oder der Rest der Welt: Feiertage waren immer ein Politikum. Vieles hat sich aus Älterem entwickelt, einiges wurde umgedeutet, manches neu erfunden, um ein Zeichen zu setzen. „Welchen Tag nehmen wir, um die Ankunft unseres Gottes zu feiern?“, fragten sich etwa die frühen Christen. „In einer Zeit, in der es kein künstliches Licht gab, war die Nacht ein überwältigendes Phänomen“, weiß Florian Wegscheider vom Institut für Historische Theologie der Uni Wien. „Daher sagten sich die Menschen: ‚Unser neuer Gott ist wie eine Sonne und kommt in dem Moment, in dem die Nacht am längsten ist.‘ Im 4. Jahrhundert (vor der Kalenderreform) war das der 25. Dezember. Darum wurde Weihnachten zu dieser Zeit angesiedelt.“

Feiertage sind immer ein Identitätsmerkmal. Der Religionswissenschafter weiter: „Zuerst – in archaischen Kulturen – haben die Menschen nicht zwischen Alltag und Fest unterschieden. Alles war eins. Später – in den Hochkulturen – wurde Zeit bewusst aus dem Alltag heraus genommen, um sich der eigenen Kultur bewusst zu werden.“ Feste sollten den Glauben versinnbildlichen – „also schmackhaft und spürbar machen“. Identität sei immer auch ein Abgrenzen von anderen.

Urlaub der kleinen Leute

Mit den Jahrhunderten wuchs die Zahl der christlichen Feste, bis der ganze Kalender damit ausgefüllt war. Feiertage waren der Urlaub der kleinen Leute. Das führte dazu, dass die Jahresarbeitszeit bis ins 18. Jahrhundert kaum höher war als heute – und das ganz ohne Urlaubsregelung.

In Österreich gewann zum Beispiel die Marienverehrung im 17. Jahrhundert enorm an Bedeutung – auch als Spitze gegen die Protestanten. Gleichzeitig begann die Verehrung des heiligen Josef. Derartige Heiligenverehrung war in protestantischen Gebieten verpönt – folglich wurden die entsprechenden Feiertage gestrichen. Geht also mit der Reformation ein Rückgang an Feiertagen einher, bewirkt die Gegenreformation einen neuen Schub.

Weltliche Feiertage

Auch das 20. Jahrhundert brachte mit der Demokratie, dem Ständestaat und dem NS-Regime ein Hin und Her an Feiertagsregelungen. Wegscheider: „Mit den Nationalstaaten kamen auch die weltlichen Feiertage auf.“ Die junge Republik etablierte den 1. Mai und den 12. November.

Wobei: „Weltliche Feiertage gab es schon bei den Römern – Kaisergeburtstage oder Gedenktage für gewonnene Schlachten“, sagt Wegscheider. „Allerdings wurden weltliche Feiertage immer religiös verbunden. Man dankte Gott für die Unterstützung.“

Feiertagsweltmeister

Letztlich bestimmt heute aber wohl der Markt – selbst über Feiertage: In Kambodscha wurden zuletzt aus drei freien Tagen rund ums Neujahrsfest praktisch zwei Wochen, in denen kaum noch etwas ging. Investoren beschwerten sich über die vielen arbeitsfreien Tage, Politiker fürchteten um die Wettbewerbsfähigkeit. Kurzerhand schrumpfte man 2020 die weltrekordverdächtigen Jubeltage von 28 auf 22.

Und Österreich? Liegt mit seinen 13 Feiertagen im Spitzenfeld. Nur die Slowakei (16), Malta und Spanien (je 14) haben mehr.

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