Fledermäuse macht das Coronavirus nicht krank.

© APA/AFP/MENAHEM KAHANA

Wissen Wissenschaft
12/28/2020

Was Fledermaus, Pangolin und Nerz mit Covid-19 zu tun haben

Die drei Tierarten sorgten heuer für fette Schlagzeilen. Fix ist, dass die Hufeisennase Reservoir für das Coronavirus war.

von Hedwig Derka

Die Giftnattern waren schnell vom Tisch. Als sich Anfang des Jahres ein neuartiges Virus in Windeseile über den Globus verbreitete, wurden zunächst Schlangen als Zwischenwirte ausgemacht. Doch auf dem Großmarkt in der chinesischen Provinzhauptstadt Wuhan kamen bald verschiedenste Wildtiere als Überträger des SARS-CoV-2 auf den Menschen infrage. Allen voran geriet das Pangolin unter Verdacht. Mittlerweile ist zumindest unbestritten, dass eine asiatische Fledermausart die Pandemie verursachte. Ein Rückblick.

Hufeisennase als Ursprung

„Das Virus stammt ganz fix von der Chinesischen Hufeisennase. Über welche Zwischenstufen und in welchem Zeitrahmen es zum Menschen gelangte, ist aber nach wie vor offen“, sagt Chris Walzer. Der Professor für Wildtierkunde der Vetmeduni Wien und Abteilungsleiter Gesundheit bei der Wildlife Conservation Society in New York befasst sich seit Jänner mit der aktuellen Zoonose. Seit Jahren warnt er davor, dass Naturschutz nicht ernst genug genommen wird. Umwelt hin, Übel her.

Zoonosen durch viele Kontakte

„Drei Viertel aller neuen Infektionskrankheiten sind Zoonosen. Das liegt nicht daran, dass Wildtiere so viele Viren haben, sondern weil wir so viele Kontakte schaffen“, sagt Walzer. Erreger springen laufend über, die wenigsten lösen Krankheiten aus; noch seltener werden diese weltweit zum Problem. Denn dafür braucht es mehrere Zutaten: einen ungeplanten Kopierfehler bei der Vermehrung des Virus, den richtigen Rezeptor für das Andocken an einer anderen Spezies, die rasante Ansteckung von Wirt zu Wirt.

Fledermäuse im Brennpunkt

Das Vordringen des Menschen in natürliche Lebensräume freilich begünstigt den Austausch an mutierten Viren und Bakterien. „Bei Covid-19 bleiben Fledermäuse im Brennpunkt. Es gibt nicht nur sehr viele Arten mit sehr vielen pathogenen Viren, sondern die Tiere können auch fliegen“, sagt Walzer. Die Säuger der Lüfte gelten nicht zuletzt als Reservoir für Ebola und SARS. Ihrem Turbo-Immunsystem können die Erreger, die Menschen sterben lassen, nichts anhaben.

Doch nicht nur unnatürliche Berührungspunkte zwischen Mensch und Tier sind eine Gefahr für das Entstehen von Krankheiten über Arten hinweg. „Wo Wildtiere auf engstem Raum gehalten werden, können sich Viren vermischen“, nennt der Tierarzt den „künstlichen Kontakt“ als weiteren Grund. Obwohl der Markt in Wuhan nach dem gehäuften Auftreten von Atemwegserkrankungen sofort geräumt wurde, lassen doch Umweltproben Schlüsse auf das Leben dort zu. Tiere aller Art setzten auf dem 50.000 m² großen Areal Kot, Urin und Speichel ab; erst recht unter den stressigen Bedingungen. Zudem mischte sich Blut vom Schlachten unter die Körperflüssigkeiten. Schließlich bestätigt eine Preisliste, was auf dem „Huanan Seafood Wholesale Market“ zum Verkauf stand; sie reicht von Biberratte über Pfau und Krokodil bis zu Skorpion.

Pangoline als Zwischenwirte

Umschlagplätze dieser Art sind idealer Nährboden für die Verbreitung und Rekombination pathogener Erreger. Vermutlich blühte auch der illegale Handel. „Pangoline sind Luxusgüter. Alle Arten sind vom Aussterben bedroht. Bei Covid-19 spielen sie aber eher keine Rolle“, streicht Walzer das Schuppentier von der Liste der Hauptverdächtigen. Studien über diese Exoten als Glied in einer Kette von Zwischenwirten laufen jedoch auf Hochtouren.

Andere Säugetiere dagegen, die zu Zehntausenden gehalten werden, weisen ein weit größeres Potenzial als Überträger auf. Vor allem Marderhund, Schleichkatze und Stachelschwein, die in Asien als Fleisch- und Felllieferanten dienen, drängen sich als Schnittstelle zwischen Tier und Mensch auf. Im Moment gilt der Marderhund, ein waschbärenähnliches Raubtier, als ein Favorit.

Nerz als bekanntes Risiko

„Auch beim Nerz kreierte man eine Nutzung von Wildtieren“, bringt der Experte eine Spezies ins Spiel, bei der das neuartige Coronavirus ein weiteres Mal für Menschen gefährlich mutierte. Die genetische Armut der Zuchttiere reduzierte auch ihre körpereigene Abwehr. „Man wusste, dass Nerze ein Risiko sind. Aber es überraschte, dass die Situation überall problematisch wurde“, sagt der Österreicher in New York. In ganz Europa wie in den USA mussten Farmen geschlossen, alle Pelztiere gekeult werden.

Prävention

Tierärzte und Virologen sind überzeugt, dass der Ausbruch weiterer Pandemien durch Zoonosen nur eine Frage der Zeit ist. Aber: „Die Übertragungswege können minimiert werden“, betont Walzer. Prävention gelingt am ehesten, wenn Menschen Wildtiere in der Wildnis und der Natur ihren Raum lassen.

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