Der Wolf ist in Österreich wieder heimisch geworden.

© APA/AFP/PHILIPPE HUGUEN

Wissen Wissenschaft
01/23/2020

Immer mehr Wölfe: Was den Wolf von der Herde fern hält

Zäune, Nachtpferchen, Schäfer und Hütehunde könnten Nutztiere vor dem Räuber schützen. Sogar Lamas wehren Angreifer ab.

Abschüsse von Wölfen sind eine wenig effektive Maßnahme, um Risse zu verhindern, zeigt eine Studie der University of Wisconsin, die in den USA und in Europa durchgeführt wurde. In mehr als 70 Prozent der untersuchten Fälle brachten Tötungen keine Verbesserung oder führten sogar zu mehr Schäden an Nutztieren. Im Gegenzug konnten Herdenschutzmaßnahmen in 80 Prozent der Fälle erfolgreich vor Übergriffen schützen.

Der Wolf ist zurück in Österreich und die Population der Raubtiere wird in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen. "Wir werden lernen müssen, wieder mit dem Wolf zu leben", sagte Christian Pichler vom WWF: "Leider hat die Politik das Thema lange Zeit verschlafen", betonte Pichler.

Laut Studie würden sich Landwirte nach Abschüssen in falscher Sicherheit wiegen und keine weiteren Schutzmaßnahmen ergreifen, erklärt Studienautor Adrian Treves: "Nachziehende Wölfe finden mit ungeschützten Herden einen gedeckten Tisch vor."

Waise Wölfe suchen leichte Beute

Die Tötung von Wölfen bringe zudem das soziale Gefüge in den Rudeln durcheinander. Der Abschuss eines Elterntieres könne beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern und wegen der fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen.

WWF fordert Politik zur Unterstüztung auf

Der WWF fordert darum für Herdenschutz mehr finanzielle und praktische Unterstützung durch die Politik. Neben Elektrozäunen, Nachtpferchen oder dem Einsatz von Schäfern, standen besonders Schutzhunde im Fokus einer dreitägigen Tagung in Salzburg.

Hunde als Helfer

"Herdenschutzhunde sind eines der besten Werkzeuge zum Schutz der Schafe. Aber es ist viel an Wissen verloren gegangen, weil die Raubtiere vielerorts lange verschwunden waren", sagt der französische Wolfsforscher Jean-Marc Landry. Da die Ausbildung der Tiere ein bis zwei Jahre dauere, müsse man schnellstmöglich damit beginnen, forderte auch WWF-Wolfsexperte Pichler. Zudem müssten rechtliche Rahmenbedingungen geändert werden. "Laut Tierschutzgesetz brauchen Hunde eine Hundehütte oder einen Unterstand - die Herdenschutzhunde leben und schlafen aber mit der Herde."

Lamas als Hüter

Neben Hunden könnten in Zukunft übrigens auch verstärkt Lamas beim Schutz von Schafsherden zum Einsatz kommen. Diese zeichnen sich durch eine natürliche Abneigung gegen Hundeartige und Kleinraubtiere aus. In den USA und Australien schützen sie etwa Schafherden vor Kojoten, Dingos oder streunenden Hunden. Lamas können zu einer Herde eine soziale Bindung aufbauen und verteidigen die Schafe dann mit Bissen, Ausschlagen, Spucken und Wegdrücken gegen Angreifer. Erfahrungen im Umgang mit Wölfen sind derzeit aber noch selten - Beobachtungen aus der Schweiz legen aber nahe, dass gewisse Lamas Herden besonders gegen Einzelwölfe schützen können.

 

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