Stiegensteigen bereitet Patienten Qualen.

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Wissen Wissenschaft
09/28/2020

Tiercoach: Wenn Nervenwurzeln unter Druck stehen

Das Cauda-equina-Syndrom entwickelt sich bei Hunden über Jahre. Es ist sehr schmerzhaft.

von Hedwig Derka

Die Nervenwurzeln am Ende des Rückenmarks sind stark strapaziert. Beim Laufen und Springen ist der Übergang zwischen Lendenwirbel und Kreuzbein ständig belastet. Abnützungen in diesem Bereich können zunächst zu Schmerzen, später zu Lähmungen führen. Veterinärmediziner nennen das Syndrom Cauda-equina.

Rückenmark nimmt Schaden

„Cauda-equina heißt übersetzt Pferdeschwanz. Der Name beschreibt die Aufspaltung des Rückenmarkstranges in einzelne Nervenfasern wie bei einem Schweif“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des neurologischen Problems. Es trifft vor allem ältere Hunde größerer Rassen; Katzen erkranken extrem selten daran.

Abgeschliffene Zehennägel zeigen Lähmung an

Das Cauda-equina-Syndrom, auch Lumbosakralstenose genannt, entsteht, wenn sich der Wirbelkanal verengt und Nerven gequetscht werden. Anfänglich verursacht vor allem die Streckung der Wirbelsäule Pein. „Der Hund geht eher langsamer, er will nicht mehr spielen, springen und Stufen steigen. Er wird insgesamt ruhiger“, zählt Reitl erste Anzeichen auf. Im weiteren Verlauf treten Lähmungserscheinungen auf; bis die Zehen schleifen. Abgeschliffene Nägeln an den Pfoten machen das Problem sichtbar. Mitunter können Hunde auch nicht mehr mit dem Schwanz wedeln.

Spezialist ist gefragt

„Das Cauda-equina-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Ein Bandscheibenvorfall, bei dem der Puffer zwischen den Wirbeln auf Nerven drückt, sowie die degenerative Myelopathie, bei der das Rückenmark zerstört wird, müssen ausgeschlossen werden. Der Spezialist – ob Neurologe oder Orthopäde – ist gefragt. Manche Patienten sind von zwei Krankheiten gleichzeitig betroffen.

Infiltration, Physiotherapie, Operation

„Bei Cauda-equina bringt eine Operation gute Erfolge, sie ist aber nicht immer angezeigt“, sagt die Expertin. Zunächst bestätigen bildgebende Verfahren wie Röntgen und CT den Verdacht. Aufnahmen in der Überstreckung schaffen Klarheit. Als Sofortmaßnahme hilft ein gutes Schmerzmanagement. Infiltrationen lindern das Leid. Physiotherapie kann längerfristig Erleichterung bringen. Bei einem chirurgischen Eingriff wiederum werden Rückenmarksnerven freigelegt. Der Druck fällt weg und damit der massive Schmerz.

Starke Schmerzen kommen schleichend

„Das Cauda-equina-Syndrom entwickelt sich über Jahre“, sagt Reitl. Werden Hunde mit dem Alter gemütlicher, ist das kein Grund zur Sorge. Empfindet der Senior allerdings Schmerzen, muss er veterinärmedizinisch untersucht werden. Menschen mit Lumbosakralstenose sprechen von Höllenqualen.

Probleme mit der Katze, Sorgen um den Hund, Fragen  zu Sittich, Schildkröte & Co? Schreiben Sie an: tiercoach@kurier.at

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