Der KURIER-Tiercoach erklärt, wie Vier- und Zweibeiner ohne Druck lernen und welche Hilfsmittel Halter dafür brauchen.

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Wissen Wissenschaft
04/14/2020

Tiercoach: Gewünschtes Verhalten ohne Druck einstudieren

Beim Clickertraining wird Lernen durch ein akustisches Signal und Belohnung bestätigt

von Hedwig Derka

Beschäftigung. Mehr freie Zeit daheim? Wie wäre es damit, dem tierischen Mitbewohner ein bestimmtes Verhalten anzutrainieren bzw. gemeinsam ein paar Tricks einzustudieren?

Clickertraining funktioniert im Grunde bei allen Tieren“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, wie Vier- und Zweibeiner ohne Druck lernen und welche Hilfsmittel Halter dafür brauchen. Oberstes Gebot: Die Übung muss allen Spaß machen.

Ob beim Leguan im Zoo, beim Vogel in der Voliere oder beim Nager zu Hause: „Die Methode basiert immer auf der operanten Konditionierung“, sagt Reitl: Das Tier wird zuerst auf den Clicker als Belohnungsmarker konditioniert. Es sollte von sich aus aktiv werden und Verhaltensmuster anbieten. Der Trainer wartet geduldig darauf und bestätigt das gewünschte Verhalten umgehend mit einem Klick – und einem Leckerli, Spielzeug oder einer Streicheleinheit.

Das Signal wird z.B. mit einem Knackfrosch erzeugt. Dieses Blechspielzeug gibt es auch als kleines elektronisches Gerät. Zusätzlich kann ein „Targetstick“ als Zeigestab bzw. verlängerter Arm verwendet werden. Das Tier lernt, dem Hilfsmittel mit Nase oder Pfote zu folgen. Die menschliche Stimme eignet sich weniger, sie ist oft von Emotionen gefärbt.

„Das Tier muss sofort erkennen, dass der Klick und die Belohnung zusammenhängen“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Timing ist alles. Die Übung wird wiederholt, bis sich das bestimmte Verhalten jederzeit abrufen lässt. Im Laufe der Zeit kann das Klickgeräusch durch ein gesprochenes Wort ersetzt werden.

Clickertraining baut auf Spontanität auf und ist völlig gewaltfrei“, betont der Zoodoc. Bis eine Katze freiwillig in die Schachtel steigt oder mit dem Bällchen dribbelt, kann es dauern. Bis der Hund mit der Schnauze den Lichtschalter betätigt, können mehrere Wochen vergehen. „Die Trainingseinheit darf nicht zu lange dauern. Einerseits sinken Konzentration und Motivation, andererseits steigt die Frustration“, gibt der Zoodoc zu bedenken.

Idealerweise beginnt Clickertraining in frühen Jahren. Jungtiere probieren gerne aus, sind gelehrig und unbedarft. Freilich gibt es begabtere Schüler und weniger talentierte. Sollen mehrere Tiere gleichzeitig trainiert werden, kann z.B. eine am Targetstick angebrachte Farbmarkierung anzeigen, welcher Schüler an der Reihe ist. Der KURIER-Tiercoach schließt: „Man sollte sich mit kleinen Schritten zufriedengeben.“ Natürlich ist Erfolg erfreulich, das Training soll aber auch Spaß machen. Schließlich stärkt jede intensive Beschäftigung die Mensch-Tier-Beziehung. Hedwig Derka