Katzenaids wird in der Praxis durch Bisse übertragen.

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Wissen Wissenschaft
11/30/2020

Tiercoach: Keine Heilung für Katzen mit Immunschwäche FIV

Friedliche Aids-Patienten im Mehrkatzenhaushalt müssen nicht eingeschläfert werden, ins Freie dürfen sie nicht.

von Hedwig Derka

Appetitlosigkeit, Durchfall, Entzündungen, Fieber, geschwollene Lymphknoten, Tumore, neurologische Ausfälle: Das Feline Immundefizienz-Virus verursacht die unterschiedlichsten Symptome. Seine Abkürzung FIV hat sich als Synonym für die Krankheit etabliert. Sie ist auch als Katzenaids bekannt.

„FIV ist unter Hauskatzen nicht sehr häufig. Bei Freigängern tritt die Krankheit öfter auf“, sagt Katharina Reitl. Weltweit tragen zirka elf Prozent der Katzen das Virus in sich. Der KURIER-Tiercoach erklärt anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember, wie es zur Übertragung des letztlich tödlichen Erregers kommt und wie die Vierbeiner am ehesten geschützt werden können.

Virus

In der Humanmedizin wurden die speziellen Retroviren erstmals 1983 beschrieben, 1986 wurde Typ 2 entdeckt. Im selben Jahr kamen Forscher dem katzenspezifischen Krankheitserreger auf die Spur. Die Viren verringern die weißen Blutkörperchen und schwächen damit das Immunsystem. „Der Körper ist nicht mehr gegen andere Viren, Bakterien und Pilze gewappnet“, sagt Zoodoc Reitl. Es liegen oft Jahre zwischen Ansteckung und klinischen Auswirkungen.

Besonders gefährlich für Jungtiere

„Je jünger die Katze, desto schwerwiegender ist die Infektion“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Bei Jungtieren ist das Immunsystem noch nicht genug ausgebildet, um die Viren in Schach zu halten bzw. verhindern diese die Weiterentwicklung der Abwehrkräfte. Bei Senioren konnten vereinzelt sogar rückläufige Entwicklungen nachgewiesen werden.

Kastration zur Vorsorge

„Es gibt Medikamente, die laut Studien auch von Katzen gut vertragen werden. Leider sind sie extrem teuer und werden daher nur in Ausnahmefällen eingesetzt“, weiß der Zoodoc. Schutzimpfung gibt es keine. Als vorbeugende Maßnahme bleibt die Kastration. Gerade bei Freigängern lässt sich die Ansteckungsgefahr damit deutlich eindämmen.

Übertragung durch Bisse

„Theoretisch ist eine Übertragung über die Schleimhäute möglich. In der Praxis erfolgt sie jedoch durch einen Biss“, sagt Reitl. Bei der Verteidigung des Reviers kommen schnell die Zähne zum Einsatz; auch im Kampf mit Rivalen dienen sie als Waffe. Kastrierte Tiere sind weniger aggressiv. Auch der Deckakt mit dem Liebesbiss in den Nacken fällt weg.

FIV-Patienten dürfen nicht ins Freie

„Die Diagnose FIV ist nicht immer einfach zu stellen. Andere Viren haben ähnlich unspezifische Symptome“, sagt der KURIER-Tiercoach. Prinzipiell ist ein positiver Befund kein Grund zum Einschläfern. Selbst im harmonischen Mehr-Katzenhaushalt muss dieser Schritt nicht notwendig sein. Viel mehr ist ein gutes Management in Absprache mit dem Tierarzt gefragt. Ins Freie sollten infizierten Tiere freilich nicht mehr. Für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.

Probleme mit der Katze, Sorgen um den Hund, Fragen  zu Sittich, Schildkröte & Co? Schreiben Sie an: tiercoach@kurier.at

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