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Wissen Wissenschaft
11/20/2020

Tag der Kinderrechte: Was junge Menschen derzeit bewegt

Neun junge Menschen aus fünf Bundesländern erzählen aus ihrem Alltag und was sie sich von der Politik wünschen.

von Ute Brühl

Am 20. November ist Tag der Kinderrechte. Dabei gehört die Achtung vor der Meinung von Kindern und Jugendlichen zu einem Prinzip der Kinderrechtskonvention der UNO. Grund genug, junge Menschen in Österreich selbst reden zu lassen: Neun Kinder und Jugendliche aus fünf Bundesländern meldeten sich bei einer Videokonferenz zu Wort, organisiert vom Netzwerk Kinderrechte.  Auf der Homepage kann man das Video nachschauen.

„Fragt uns und nehmt uns ernst! Wir wollen gesehen und gehört werden!“ so lautete unisono der Wunsch. Und das Netzwerk Kinderrechte appeliert an Eltern und Erwachsene: „Reden Sie mit Kindern! Viel öfter und gleich jetzt! Fragen Sie Kinder und Jugendliche konkret nach ihren Wünschen und Vorstellungen! Hören Sie zu! Finden Sie gemeinsame Lösungen!"

Am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes (KRK). Alle Kinder auf der Welt erhielten damit verbriefte Rechte - auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung. Am 16. Februar 2011 trat in Österreich das Bundesverfassungsgesetz Kinderrechte in Kraft.

Die Kinderrechte beruhen auf vier Prinzipien

  • Das Recht auf Gleichbehandlung: Kein Kind darf benachteiligt werden - sei es wegen seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Staatsbürgerschaft, seiner Sprache, Religion oder Hautfarbe, einer Behinderung oder wegen seiner politischen Ansichten.
  • Das Wohl des Kindes hat Vorrang: Wann immer Entscheidungen getroffen werden, die sich auf Kinder auswirken können, muss das Wohl des Kindes vorrangig berücksichtigt werden.
  • Das Recht auf Leben und Entwicklung: Jedes Land verpflichtet sich, in größtmöglichem Umfang die Entwicklung der Kinder zu sichern.
  • Achtung vor der Meinung des Kindes: Alle Kinder sollen als Personen ernst genommen, respektiert und in Entscheidungen einbezogen werden.

Eine der Jugendlichen ist Carmen, 16, aus Vorarlberg: Das Distance Learning bezeichnet sie zwar als anstrengend - auch, weil sie trotz mehr Aufwands weniger lernt als in der Schule. Sie kann aber der Krise durchaus auch etwas Positives abgewinnen, weil sie plötzlich mehr Zeit hat für andere Dinge wie etwa Zeichnen hat. Ihr Wunsch an die Politik: Es sollte mehr informiert werden, wie es nachher in der Schule weitergeht.

Der 10-jährige Gustav aus Wien beschreibt seinen Alltag so: "Mein Leben ist jeden Tag gleich: Aufstehen, Aufgaben machen und sich selbst beschäftigen." Was ihm gefällt: "Die Lehrer für Musik und Sport haben uns lustige Videos zum Mitmachen geschickt." Und er hat eine originelle Idee: "Ich wünsche mir einen Briefkasten, in dem Schreiben an junge Politiker gesammelt werden. Wir Kinder deponieren dort zuvor unsere Vorschläge, Ängste und Sorgen."

Große Sehnsucht nach der Schule hat auch die Tirolerin Pauline, 9, die zu Hause zwar drei ältere Brüder hat. Auch wenn die mit ihr spielen, wünscht sie sich dennoch auch, mit anderen in der Schule zu sein.

Zumindest zeitweise darf Raffael, 10, aus dem Burgenland in der kommenden Woche in die Klasse: "Diese Woche lernen wir nur zu Hause, nächste Woche werden wir in Kleingruppen in der Schule unterrichtet." Besonders vermisst er den Tennisplatz: "Normalerweise spiele ich dreimal in der Woche in Oberpullendorf", erzählt er.

Viel zu meistern hat Katharina, 17, aus der Steiermark: Sie macht derzeit eine Lehre mit Matura. "Ich sitze den ganzen Tag im Büro vor dem Bildschirm und habe abends noch drei Stunden distance-learning." Das ist dann doch oft anstrengend. Was sie stört ist, wie aggressiv viele Menschen geworden sind: "Die schauen dir ins Einkaufswagerl, um zu kontrollieren, wie viel Klopapier du kaufst, schauen dir aber nicht mehr ins Gesicht." Eine Herausforderung werde auch die Matura: "Im März haben wir schon die Deutsch-Matura. Die Textsorten nehmen wir jetzt zum Teil im Distance Learning durch. Das ist nicht immer einfach."

Auch der neunjährige Maxi aus Wien erzählt, dass es ihm derzeit nicht so gut geht: "Mir fehlen meine Freunde." Er geht zwar viel mit seinen Geschwistern und Verwandten in den Wald spazieren. Doch das ist nicht das Gleiche wie wenn man seine Freunde treffen kann. Obwohl der Schüler noch so jung ist, beschäftigt er sich mit Politik. Und da hat er einen Wunsch: "Die FPÖ sollte weniger rassistisch sein."

Auch die zehnjährige Finni kommt aus Wien. Sie macht sich derzeit vor allem um ihren Papa Sorgen, weil er zur Risikogruppe gehört. Auch sie hat einen Wunsch an die Politik: "Laptops für alle Schüler ab der 5. Schulstufe."

Des Öfteren ein schlechtes Gewissen plagt Julia, 16, aus Vorarlberg: "Immer wenn ich mal eine längere Pause mache, habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich etwas lernen müsste." Was ihr fehlt, ist ein Rückzugsort: "Aus Platzgründen muss ich im Wohnzimmer lernen. Zudem ist wegen des Lockdowns immer jemand zu Hause." Aber sie kann der derzeitigen Situation auch etwas Positives abgewinnen: "Wir alle müssen lernen, mit der Technik umzugehen - ich hoffe, das bleibt auch nach Corona."

Für Johanna, 16, aus Wien legt die Krise offen, wo die Probleme im Schulsystem liegen. "Man merkt, wie viel Schülerinnen und Schüler Kontakt zur Schule verloren haben." Sie wünscht sich zudem Verständnis für die Situation von jungen Menschen:  "Das Ganze wird wohl ein Jahr oder länger dauern. Für uns ist das ein viel längerer Zeitraum als für ältere Menschen, die gerade im Beruf stehen. Zudem sollten wir ja für unsere Zukunft planen, was natürlich derzeit nicht so einfach ist." Zudem bemängelt sie, dass junge Menschen in der Krise viel zu wenig einbezogen wurden.

Großen Respekt zollt der 13-jährige Joel aus Wien den Lehrerinnen und Lehrern:  "Die haben jetzt noch mehr zu arbeiten. Das sollte mehr honoriert werden."

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