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© APA/AFP/JENS SCHLUETER / JENS SCHLUETER

Wissen Wissenschaft
01/20/2021

Corona und die Folgen für Schulen und Schüler

Pädagogen sorgen sich um Wissens- und Bildungslücken der jungen Menschen: Die  Ideen gehen von 10. Schulstufe bis „Mittlerer Reife“.

von Ute Brühl, Daniela Davidovits

Die Zeit vor den Semesterferien ist in den Schulen die Zeit der Entscheidung: Eltern gehen mit ihrem Kindergartenkind zur Schuleinschreibung, für Ältere steht oft ein Wechsel an – in die Mittelschule, die AHS oder eine Oberstufenschule.

Dafür braucht es natürlich eine Semesternachricht. Doch wie wird heuer benotet? Das ist eine der Fragen, die Schulen derzeit beschäftigt, wie in einer Sitzung des KURIER-Bildungsbeirats deutlich wurde. Bildungsminister Heinz Faßmann hatte ja betont, dass man heuer „Milde statt Härte walten lassen sollte.“ Doch was heißt das?

AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins interpretiert das so, „dass man im Zweifelsfall die bessere Note geben soll“. Sie warnt aber gleichzeitig davor, Noten zu verschenken: „Es braucht ehrliche Rückmeldungen, gerade auch für Schülerinnen und Schüler mit großen Lücken, die mit der ganzen Situation schwer umgehen können. Denen die sich trotz Förderung überfordert fühlen und womöglich alles hinwerfen wollen, würde ich ein freiwilliges Wiederholungsjahr raten, vor allem in der Oberstufe.“

Die Frage ist: Auf welcher Basis werden Noten vergeben? Da verlassen sich viele Lehrer auf schriftliche Tests, wie Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek weiß: „Einige Schüler fürchten, dass sie einen Fünfer aufgrund einer einzigen Schularbeit bekommen.“ Dabei kann und soll eine Lehrkraft auch andere Leistungen miteinbeziehen. Andere Schüler berichten, dass sie Schularbeiten haben, obwohl sie in dem Fach seit Oktober keine einzige Stunde hatten, auch nicht online. Gibt es hier grundsätzliche Probleme, rät Michael Sörös von der Bildungsdirektion Wien, sich zuerst an die Lehrperson, dann den Klassenvorstand, die Direktion und – wenn das nichts bringt – an die Schulbehörde zu wenden. „Nur wenn wir von einem Problem wissen, können wir handeln.“

Eine Möglichkeit, Lerndefizite aufzuholen, sind Ferienkurse, für die freiwillige Lehrer und Studierende gesucht werden.

Mit ganz anderen Problemen müssen sich die Schülerinnen und Schüler von Gerda Reissner, die an der NMS Schopenhauergasse unterrichtet, auseinandersetzen: „Besonders schwierig wird es für die Schüler in den 4. Klassen. Es wird heuer sicher nicht einfach, eine Lehrstelle zu finden, weshalbwohl mehr Jugendliche in die höheren Schulen drängen. Je mehr dort hinwollen, desto schwieriger wird es auch, einen Platz zu bekommen.“

Was wäre also die Lösung? Doris Pfingstner (Mittelschule Eibengasse) fände längerfristig aus vielen Gründen eine zehnte Schulstufe sinnvoll: "unter anderem deshalb, weil immer mehr Stoff wie digitales Lernen dazu kommt“.

Zumindest als Zwischenlösung, die man sehr schnell umsetzen könnte, schlägt Heidi Schrodt, ehemalige AHS-Direktorin, eine Art Mittlere Reife vor, die feststellt, wo ein Schüler steht: „Dort, wo junge Menschen an der Schwelle zur Oberstufe oder zur Lehre stehen, sollten sie im kommenden Jahr die Grundkompetenzen erwerben, die für die nächste Stufe stehen.“ Aus diesem Konzept könnte man für die Zukunft viel lernen.

Was die Krise gezeigt hat: Noch nie waren die Direktoren so gefragt: Sie sind es, die auf die täglich ändernden Herausforderungen reagieren müssen: „Noch nie hatten die Schulen so viel Autonomie wie derzeit“, stellt etwa Rainer Graf fest, der bis vor Kurzem das Schulzentrum Ybbs leitete. Eine Aufgabe, die nicht jede Schulleitung gleichermaßen gut meistert. 

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