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Auch "umweltfreundliche" Sonnencremes schaden Meereslebewesen

UV-Blocker und Metall-Nanopartikel haben negativen Einfluss auf wichtige Einzeller, warnen Wiener Forscher.

02/18/2022, 09:47 AM

Sonnenschutzmittel schĂ€digen wichtige Einzeller im Meer. Es handelt sich dabei um Foraminiferen - winzige, schalentragende Lebewesen, die einen wesentlichen Beitrag zum globalen marinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf leisten. Speziell Wirkstoffe in als "umweltfreundlich" vermarkteten Sonnencremes greifen Kieselalgen an, die in Symbiose mit den Foraminiferen leben und fĂŒr deren Stoffwechsel essenziell sind, berichten Wiener Forscher im Fachjournal Scientific Reports.

Foraminiferen gibt es schon seit Hunderten Millionen Jahren, sie sind aufgrund ihrer langlebigen Schalen wichtige Leitfossilien fĂŒr vergangene Erdzeitalter. Anhand ihrer GehĂ€use kann man etwa auf das Klima in der Vergangenheit rĂŒckschließen.

Der ĂŒberwiegende Teil der Foraminiferen-Arten lebt im Meer und ernĂ€hrt sich von pflanzlichem Plankton (Phytoplankton), also etwa von Algen. Viele Foraminiferen-Arten nutzen Algen aber auch auf andere Weise als Energielieferant: Weil die Algen Photosynthese betreiben können, leben die Foraminiferen mit ihnen in Symbiose und sind von der FĂ€higkeit der Algen abhĂ€ngig, mittels Sonnenlicht Kohlenhydrate herzustellen.

Negativer Einfluss

"Aufgrund der großen Menge an Foraminiferen in den tiefen wie auch flachen GewĂ€ssern und deren Aufnahme von Phytoplankton kann davon ausgegangen werden, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum globalen marinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf leisten", erklĂ€rt Petra Heinz vom Institut fĂŒr PalĂ€ontologie der UniversitĂ€t Wien in einer Aussendung. Diese Funktion könnte allerdings vor allem in kĂŒstennahen Gebieten durch die Verschmutzung mit RĂŒckstĂ€nden von Sonnencremes beeintrĂ€chtigt werden.

Die Forscher des Instituts um Michael Lintner haben in ihrer Studie die Großforaminiferenart "Heterostegina depressa" untersucht, die mit Kieselalgen in Symbiose lebt. Sie konnten zeigen, dass die photosynthetische Leistung der Kieselalgen durch Sonnenschutzmittel geschĂ€digt wird.

FĂŒr die Studie wĂ€hlten die Wissenschafter vier Sonnenschutzmittel aus, zwei davon werden als "umweltfreundlich" vermarktet. Zudem testeten sie die Wirkung von reinem Ensulizol, das hĂ€ufig als UV-Blocker in Sonnenschutzmitteln eingesetzt wird.

Sie zeigten, dass insbesondere Ensulizol einen starken negativen Einfluss auf die Kieselalgen hatte. Zudem beeintrĂ€chtigten vermeintlich "umweltfreundliche" Sonnenschutzmittel die Gesundheit von Foraminiferen stĂ€rker als konventionelle. "Wir gehen davon aus, dass insbesondere Metall-Nanopartikel wie Titandioxid oder Zinkoxid von 'umweltfreundlichen' Sonnenschutzmitteln diese Wirkung verursachen", so Lintner. Diese Stoffe seien bereits frĂŒher als toxisch fĂŒr mehrere Mikroorganismen eingestuft worden.

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