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Wissen Wissenschaft
01/04/2022

Auch milde Covid-Verläufe häufig Grund für neurologische Schäden

Noch Monate nach einer Erkrankung können Erschöpfungssymptome oder Gedächtnisstörungen auftreten, warnt ein Schweizer Neurowissenschafter.

von Elisabeth Kröpfl

Auch nach der Genesung leiden viele Covid-19-Erkrankte noch monatelang an Langzeitfolgen, besser bekannt als Long-Covid. Dass lang anhaltende Beschwerden nicht nur nach Hospitalisierungen, sondern auch nach milden Krankheitsverläufen auftreten können, erklärt der Neurowissenschafter Dominique de Quervain von der Universität Basel nun in einer umfassenden Analyse auf Twitter.

In Summe seien über zehn Prozent aller Patientinnen und Patienten mit mildem Verlauf davon betroffen. "Covid-19 führt auch nach mildem Verlauf häufig (10 % plus) zu anhaltenden neurologischen Störungen wie Gedächtnisproblemen, Fatigue oder Geruchsstörungen", schreibt der Experte auf dem Kurznachrichtendienst.

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Die Liste möglicher neurologischer Long-Covid-Beschwerden ist lang. In einer Studie aus dem Fachblatt Nature werden etwa Fatigue (Gefühl von Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit), Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie verminderter Geruchssinn als die häufigsten Symptome, die sechs Monate nach einer Covid-Infektion bei jungen Erwachsenen auftraten, genannt.

Eine in der Medizin-Fachzeitschrift The Lancet erschienene Untersuchung zeigt unterdessen, dass "11,5 % der nicht hospitalisierten Covid-19 Patienten 6 Monate nach der Erkrankung erstmalig eine psychiatrische oder neurologische Diagnose hatten", fasst de Quervain zusammen.

Auch sieben Monate nach der Infektion besteht bei kognitiven Problemen kaum eine Tendenz zur Besserung. Viele Long-Covid-Patienten können der Lancet-Studie zufolge noch nicht an ihr früheres Arbeitsniveau anknüpfen.

Schlechtere Leistung als Nicht-Infizierte

Eine weitere Studie der Fachzeitschrift erlaubt einen direkten Vergleich mit Personen ohne vorangegangener Infektion es handelt sich um sogenannte seronegative Personen, die keine Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet haben. Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen und Kurzzeitgedächtnisprobleme traten bei der Covid-19-Gruppe beispielsweise deutlich häufiger auf, als bei der Kontrollgruppe bestehend aus seronegativem Gesundheitspersonal.

Ursachen ungeklärt

Was die Ursachen für die anhaltenden neurologischen Symptome sein könnten, ist laut de Quervain noch nicht geklärt. Je nach Symptomart könnten diese außerdem variieren. "Diskutiert werden u. a. eine Virus-Invasion des Gehirns, aber auch zentrale und periphere immunologische Phänomene", so Quervain auf Twitter.

Mögliche Gründe für neurologische Symptome nach einer Covid-19-Erkrankung könnte der Angriff von SARS-CoV-2 auf die Nebennieren sein, was "zu einer Störung der Cortisol-Produktion und Stressregulation führen könnte", resümiert de Quervain.

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