Wissen und Gesundheit
08.01.2018

Wie ein Anti-Jagd-Training bei Hunden klappt

Pauli will jetzt gemeinsam jagen. © Bild: KURIER/Franz Gruber

Nach sechs Monaten "Anti-Jagd-Training" bei Martin Rütter Dogs gibt es Erfolge und Rückschläge.

Aus dem Leben des Kleinen Münsterländers Pauli, mittlerweile fast zwei Jahre alt. Vor ein paar Wochen gingen wir über Weinviertler Felder. Pauli ist bei solchen Spaziergängen mit Brustgeschirr, Schleppleine und GPS-Tracker ausgestattet. Phasenweise lasse ich ihn frei laufen, dann, wenn die Luft rein ist. Die lange Leine schleppt er nach wie einen Anker – der Hund weiß, das Frauchen "hängt dran", zum anderen würde sich die Leine im Gebüsch schnell verfangen, ein etwaiger Jagdausflug wäre schnell gestoppt. Pauli läuft ein paar Meter vor, als plötzlich eine Rehherde losläuft. Pauli will losstarten, ich brülle "Stopp" – und der Hund setzt sich in der Sekunde hin. Er zittert vor Aufregung. Was für ein Erfolg! Er hat die Königsdisziplin bestanden, stoppt vor Rehen.Andere Szene, just zu Weihnachten. Durch viele unglückliche Zufälle passiert es, dass im feierlichen Tohuwabohu das Kaninchen meines Bruders frei durchs Haus läuft. Hund Pauli hinterher, er wollte es packen, hätten wir nicht sofort eingegriffen.

Instinkt

Was beweist: Die jagdliche Grundausstattung von Pauli ist immer da und man wird sie nie beseitigen können. Soll man auch nicht, sagt Conny Sporrer von Martin Rütter Dogs Wien. "Unterdrückt man diese Anlage, würde sie sich auf andere Weise kanalisieren." Pauli ist ein Jagdhund, seit Jahrhunderten darauf trainiert. Das muss man wissen und darf man auch nicht unterschätzen, wenn man sich für eine solche Rasse entscheidet. Im Speziellen ist der Kleine Münsterländer ein Gemeinschaftsjäger. Er ist zur Kooperation mit dem Menschen gemacht, diese Anlage macht man sich beim Training zunutze.

Anfangs zu selbstständig

Als wir im Mai mit dem "Anti-Jagd-Training" bei Conny Sporrer begonnen haben, war Pauli knapp über ein Jahr alt. Er ist herzensgut, sehr gelehrig, ein Energiebündel. Sein Jagdfieber ist aber ein Problem, weil damit jede Art des Freilaufs unmöglich ist.

Hundetraining mit Conny Sporrer (Trainerin) von der Martin Rütter Hundeschule. Wien am 14.12..2017 © Bild: KURIER/Franz Gruber

Im Training haben wir anfangs an der Beziehung zwischen Hund und Frauchen gearbeitet. "Pauli war zu rüpelig und zu selbstständig", erzählt Sporrer. Nach und nach haben wir Spiele aufgebaut, die der Anlage des Hundes entsprechen. Suchen, Apportieren – Aufgaben, die er gern mit Menschen macht. Auch die Impulskontrolle ist eine wichtige Übung. Der Hund muss aushalten, wenn Bälle fliegen oder Rehe laufen, ohne nachzurennen. Das wichtigste Kommando ist aber "Stopp". Wird es gerufen, muss sich der Hund auf der Stelle hinsetzen. Wir üben es seit Monaten und es funktioniert immer besser. Mittlerweile gehen wir spazieren, Pauli ist freilaufend und rückrufbar. Für sechs Monate Training "ein toller Erfolg", meint auch Conny Sporrer. Fertig ist das Training damit noch lange nicht: "Hundeerziehung findet bis zum Ableben des Hundes statt."

Langzeitarbeitslos

Resümee: Pauli ist ein Hund, der immer Arbeit sein wird. Immer viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung braucht. Er wurde dazu gezüchtet, jagdliche Aufgaben zu erfüllen. "Heute sind das Langzeitarbeitslose", erklärt Sporrer. Wir sind es diesen Hunden schuldig, ihnen alternative Jobs anzubieten, sie adäquat zu beschäftigen.

Beim Anti-Jagd-Training die Anlage sinnvoll umlenken

KURIER: Einen Hund vom Jagen abzuhalten ist kein einfaches Kunststück.
Conny Sporrer: Stimmt. Es war auch nicht unser Ziel, die jagdliche Motivation wegzutrainieren. Das ist auch nicht möglich, und die Anlage würde sich womöglich anders kanalisieren. Uns ging es um ein sinnvolles Umlenken. Konkret: Der Hund soll mit seinem Menschen Dinge tun, die ihn vom Jagen ablenken.

Beziehung und Bindung sind hier zentral.
Und auch der Respekt vor dem Menschen. Wenn der Hund zu selbstständig ist, entscheidet er erst recht, dass er jetzt einfach Jagen geht.

Beim Training hat man gesehen, wie viel Freude es dem Hund macht.
Ein Teil der Arbeit ist das Intensivieren der Beziehung zwischen Hund und Mensch. Das Thema Impulskontrolle war entscheidend. Pauli ist heute viel gelassener Reizen gegenüber. Der andere Teil sind Aufgaben, die seinem Typ entsprechen. Der Kleine Münsterländer ist ein Gemeinschaftsjäger und für die Zusammenarbeit mit dem Menschen gemacht. Die Übungen waren also Suchspiele, Apportieren und Kommandos, die er auch auf Distanz umsetzt, etwa „Stopp“.

Wo stehen wir nach sechs Monaten Training?
Er hat viel gelernt, aber die Arbeit geht weiter. Hundeerziehung findet bis zum Ableben des Hundes statt, sie ist ein kontinuierlicher Prozess.

Conny Sporrer über Hundeerziehung. © Bild: Sandra Schmid