Wissen und Gesundheit
11.10.2017

Warum so viele Menschen unter Schmerzen leiden

Rund 40 Prozent der Bevölkerung leiden zumindest einmal im Jahr unter starken Schmerzen, an die 400.000 Österreicher an chronischen Schmerzen, die sie stark beeinträchtigen. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

39 Prozent aller Österreicher leiden innerhalb eines Jahres mindestens einmal unter starken Schmerzen in zumindest einer Körperregion: Zwei Drittel von dieser Gruppe sogar unter chronischen Beeinträchtigungen. Das geht aus einer wissenschaftlichen Untersuchung hervor, für die 15.474 Österreicher über 14 Jahre interviewt wurden. Die Untersuchung wurde von Forschern aus dem Orthopädischen Spital Speising und der Medizinischen Universität Wien durchgeführt und in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlicht.

Die jüngste Gesundheitsbefragung der Statistik Austria zeigte, dass in Österreich mindestens 1,5 Millionen Menschen an diversen Formen von chronischen Schmerzen leiden: Allen voran Kreuz- und andere Rückenschmerzen, chronische Nackenschmerzen oder Arthrosen.

Bei der Studie von Orthopädischem Spital Speising und der MedUni Wien lagen auch die Schmerzen im Rückenbereich an erster Stelle, gefolgt von Schmerzen der großen Gelenke, Nackenschmerzen und Kopfschmerzen. Zumindest in dieser Untersuchung waren letztere bei Männern häufiger als bei Frauen - ein Ergebnis, das sich aber so nicht mit anderen Studien deckt.

Sehen Sie hier ein Video des Orthopädischen Spitals Speising zu der Studie:

„Rund 350.000 bis 400.000 Patientinnen und Patienten leiden an chronischen Schmerzen mit assoziierten körperlichen, seelischen und sozialen Beeinträchtigungen, die sich im Sinne einer eigenständigen Schmerzkrankheit ‚verselbständigt‘ haben“, erklärte bereits Anfang dieses Jahres der Schmerzmediziner Wolfgang Jaksch von der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

Frauen häufiger betroffen

Julia Hahne, eine der Autorinnen der Studie von Orthopädischem Spital Speising und MedUni Wien: "Während Schmerzzustände in der Bevölkerung generell weit verbreitet sind, geben Frauen eine deutlich höhere Schmerzhäufigkeit an: 41, 5 Prozent der weiblichen Bevölkerung berichten über starke Schmerzen, das sind sechs Prozent mehr als der männliche Bevölkerungsteil."

Auch ein geringerer Bildungsgrad sowie Arbeitslosigkeit gehen mit höheren Schmerz-Raten einher.

Angst und Depressionen

Neben dem Geschlecht spielen auch soziale Faktoren eine Rolle, sagt Florian Wepner, Oberarzt am Orthopädischen Spital Speising: "Über mehr Schmerzepisoden berichten beispielsweise ältere Personen. Aber auch psychologische Faktoren wie Angstzustände und Depressionen erhöhen das Risiko, dass Schmerzen chronisch werden.

Und auch bei Menschen aus östlichen EU-Ländern oder der Türkei ist generell das Risiko erhöht, dass Schmerzen chronisch werden. Wepner: "Dieser Umstand wird zusammen mit den psychologischen Faktoren in der Gesundheitsversorgung sicher noch zu wenig berücksichtigt."

Vor kurzem warnten Schmerzmediziner auch, dass Schmerzen nach Operationen oft nicht ausreichend behandelt werden.

Nähere Informationen über Studien am Orthopädischen Spital Speising finden Sie hier.