Wissen und Gesundheit
24.05.2017

Wechseljahre: In vielen Ländern gibt es kaum Probleme damit

Gesundheitstalk: Wo die soziale Stellung der Frauen mit dem Alter steigt, gibt es weniger Beschwerden.

"Mich wundert, dass das Thema Wechsel im 21. Jahrhundert immer noch so ein Tabu ist", war eine der Anmerkungen aus dem Publikum beim Gesundheitstalk " Wechseljahre – reine Frauensache" von MedUni Wien, KURIER und Novartis. Und eine andere: "Wäre es nicht eine Vision, den Wechsel ganz abzuschaffen?"

"Da bin ich mir gar nicht sicher, ob das so sinnvoll wäre", sagte der Gynäkologe Univ.-Prof. Christian Egarter, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der MedUni Wien: "Bei den Orcas gibt es Gruppen weiblicher Tiere, die aufgrund ihres Alters nicht mehr fruchtbar sind. Solche Großmüttergruppen scheinen evolutionäre Vorteile zu haben – die Enkelkinder entwickeln sich besser."

Sehen Sie hier das Video der Veranstaltung und lesen Sie bitte unterhalb weiter:

"Bei der Entstehung von Wechselbeschwerden ist auch die Kultur ein starker Faktor", erklärte Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer, Stoffwechselspezialistin und Professorin für Gendermedizin (geschlechterspezifische Medizin) an der MedUni Wien. Dass etwa in Asien viel weniger Frauen von Wechselbeschwerden betroffen seien, hänge mit dem Lebensstil und der Ernährung – etwa dem höheren Sojakonsum – zusammen. "In Kulturen in Afrika, Asien oder Indien, wo weniger Frauen an Wechselbeschwerden leiden, wird die soziale Stellung der Frau mit dem Alter höher."

Jedenfalls sei die Situation der Frauen nicht mit jener der Männer vergleichbar: "Bei der Frau bedeutet der Wechsel eine Zäsur. Aber ein älterer Mann kann einen Testosteronspiegel haben, der mit dem eines jungen Mannes vergleichbar ist." Nur zirka fünf Prozent der Senioren hätten einen sehr niedrigen Testosteronspiegel – dann könne es zu ähnlichen Symptomen wie bei den Frauen kommen, aber meist nicht so stark. Und: Potenzprobleme beim Mann seien oft entkoppelt von seinem Testosteronspiegel.

Anti-Aging-Effekt

"Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, Frauen zu helfen", betonte Kautzky: "Bei starken Beschwerden ist auch Hormonersatztherapie eine Möglichkeit. Sie hat aber keinen Anti-Aging-Effekt." – Egarter: "Der beste Anti-Aging-Tipp ist wohldosierte körperliche Belastung, Nordic Walking etwa." Gegen Hitzewallungen gebe es positive Effekte durch Soja, Klee oder Traubensilberkerze – eine tägliche Einnahme von bis zu 150 mg Isoflavonen sei auch langfristig sicher.

"Wir leben in einer Selbstoptimierungsgesellschaft", so Hilde Fehr, Paarcoach und Kabarettistin. Alles müsse perfekt sein – diese Einstellung passe aber nicht mit dem Wechsel zusammen: "Daher das Tabu." Manche hätten ihr vorgeworfen, sie könne das Thema nur deshalb mit Humor nehmen, weil ihre Beschwerden nicht so arg seien: "Ich sage ja nicht, dass es jeder mit Humor nehmen muss. Aber mir hilft es."

Die nächsten zwei Veranstaltungen

Die nächsten Veranstaltungen Die nächsten beiden Gesundheitstalks von MedUni Wien, KURIER und Novartis: 18.10., 18.30 Uhr zum Thema Rheuma sowie am 22.11., 18.30 Uhr, Thema Brustkrebs. Die genaue Teilnehmerliste wird noch bekannt gegeben.

Veranstaltungsort: Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien, Van-Swieten-Gasse 1a (Ecke Währinger Str.), 1090 Wien.