Die Beobachtung von Tieren bringt Erinnerungen hervor.

© APA/DPA/FELIX KÄSTLE

Wissen
10/24/2020

Vogelbeobachtung beflügelt pflegebedürftige Senioren

Ein deutsches Präventions-Projekt zeigt, wie Heimbewohner von Naturerlebnissen körperlich und geistig profitieren.

Regelmäßige Vogelbeobachtung steigert das Wohlbefinden und die Lebensqualität von älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen. Das zeigt das Präventionsprojekt "Alle Vögel sind schon da", das der deutsche Landesbund für Vogelschutz LBV Bayern seit 2017 betreut; die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat es wissenschaftlich begleitet.

Geistige und körperliche Mobilisierung

„Unsere Daten zeigen, dass durch die Vogelbeobachtung besonders die kognitiven Ressourcen, die Mobilität und das soziale Wohlbefinden der Seniorinnen und Senioren gefördert werden“, wissen Elisabeth Kals und Susanne Freund. Bayernweit waren 76 Pflegeeinrichtungen mit mehreren tausend Bewohnern beteiligt. Es wurden mehr als 1.500 Bewohner befragt. Das Durchschnittsalter lag bei 83, knapp drei Viertel der Befragten waren weiblich. Es konnten Personen aller Pflegegrade erfasst werden. Zudem wurden die Meinungen von 300 Mitarbeiter der Einrichtungen eingeholt.

Abwechslung und Erinnerungen

„Die Beobachtung von Vögeln bringt Abwechslung und Freude in den Alltag. Gelegenheit zu Beobachtung, Artenbestimmung und Fütterung von Vögeln bereichern die persönliche Aktivitäten. Letztlich als aktive Begegnung mit der lebendigen Natur, die schöne Erinnerungen hervorrufen kann, die manch eine und manch einer vielleicht schon verloren glaubte“, betont auch die zuständige Ministerin: "In einer Gruppe aktiv zu sein, fördert soziale Kontakte – das ist ein besonders wichtiger Einflussfaktor für die Gesundheit. Um den individuellen Wünschen pflegebedürftiger Mitmenschen gerecht zu werden."

„Die wissenschaftliche Begleitstudie bestätigt nicht nur die Wirksamkeit für Senioren, sondern auch die Akzeptanz der Maßnahme bei den Betreuenden“, erklärt Patricia Zieris, die die Studie durchgeführt hat. Nur durch das Engagement der Pflegekräfte ist Erfolg möglich.

Demenzkranke blühten auf

Neben der Beobachtung der Vögel beziehen die Betreuer die Heimbewohner auch beim Befüllen der Futterstationen mit ein und führen Gespräche über das gemeinsame Naturerlebnis. Viele ältere Mitmenschen verknüpfen mit den Vögeln frühere Erinnerungen. So können kognitive Ressourcen zum Beispiel bei an Demenz erkrankten Menschen wieder aktiviert werden. Svetlana Karnaukh, Assistenz der Heimleitung im Altenheim Marienstift in München, berichtet: „Einer unser Bewohner verbringt ganze Nachmittage in der Nähe der Futterstation im Garten und beobachtet die Vögel. Er blüht sichtlich auf, wenn sie in seine Nähe kommen. Wenn ein Vogel gesichtet wird, gibt es immer viel Lachen und Freude.“

Projekt verlängert

Die Corona-Pandemie stellte besonders Pflegeeinrichtungen vor Herausforderungen. Dennoch wird das Projekt nach der dreijährigen Pilotphase nun bis Ende Dezember 2021 verlängert. Der Erfolg macht sicher.

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