Wissen und Gesundheit
04.03.2013

Vitamin-D-Präparate: Nutzen noch nicht bewiesen

Expertin rät bei Apothekertagung vor unreflektierter Einnahme ab. Eindeutige Vorteile allerdings bei älteren Menschen.

Bei Menschen über 60, die körperlich wenig aktiv sind, ist der Nutzen einer Einnahme von Vitamin-D-Präparaten einwandfrei zu belegen: „Hier zeigt sich eindeutig ein Rückgang der Stürze und Knochenbrüche“, sagte Priv. Doz. Karin Amrein von der Uni-Klinik für Innere Medizin (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel) der MedUni Graz bei der Apothekertagung in Saalfelden. Doch als Schutz vor Herzerkrankungen gebe es bisher keinen eindeutigen Effekt. „Deshalb kann man derzeit auch keine allgemeine Empfehlung für eine Vitamin-D-Einnahme geben.“
„Ein Vitamin-D-Mangel ist sehr häufig, dies vermutlich in erster Linie lebensstilbedingt durch immer weniger Aktivitäten im Freien sowie vermehrte, teils vielleicht sogar übertriebenen Sonnenschutz“, so Amrein. Bei Kindern konnte eine deutsche Forschungsgruppe zeigen, dass nach dem ersten Lebensjahr - in diesem erhalten alle Kinder Vitamin-D-Tropfen – mehr als die Hälfte einen Vitamin-D-Mangel hatte.

„Aus eigenen Daten wissen wir, dass weniger als 40 Prozent der gesunden Blutspender in Graz einen normalen Vitamin-D-Spiegel haben. Bei chronisch Kranken haben 60 bis 100 Prozent einen Vitamin-D-Mangel.“ In einer Altersheimstudie hat sich gezeigt, dass der durchschnittliche Wert bei acht bis neun Nanogramm pro Milliliter Blut lag– alles unter 20 Nanogramm fällt unter Vitamin-D-Mangel.
Amrein: „Ein bis zwei Tropfen Vitamin D pro Tag für die Über-60-Jährigen ist sicher kein Fehler.“ Und manche Kinderärzte treten bereits dafür ein, die Ein-Jahres-Frist für die Gabe der Vitamin-D-Tropfen zu verlängern.

Zwar gibt es auch Hinweise, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und daraus folgende Todesfälle erhöhen könnte – doch die Aussagekraft dieser Daten ist noch zu gering, um Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung zu empfehlen. Zumal es auch Daten gibt, wonach nicht nur ein schwerer Vitamin-D-Mangel, sondern auch ein hoher Vitamin-D-Spiegel das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen könnte. Amrein: „Das ist ein Warnzeichen, um nicht allen Menschen jetzt unreflektiert Vitamin D zu geben.“ Mehr Aufschluss könnten große Studien geben, deren Ergebnisse für 2015 bis 2017 erwartet werden.