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Vitastik
09/05/2016

Das Geschäft mit der Vitamin-Zigarette

Das deutsche Unternehmen Vapomins bewirbt den Vaporizer Vitastik als gesunde Alternative zum Rauchen. Das Produkt wirft Fragen auf.

von Marlene Patsalidis

Wer auf Instagram aktiv ist, der kennt die Vitastik vielleicht bereits. Auf dem Fotobloggingdienst wird der Vaporizer der Marke Vapomins seit geraumer Zeit in Szene gesetzt. Dabei muten die bunten Stäbchen nicht wie herkömmliche Suchtentwöhnungsgeräte, sondern wie Lifestyle-Produkte an. Prominenter Markenbotschafter des Produkts ist Jimi Blue Ochsenknecht. Bilder, die den Schauspieler auf Social Media beim Dampfen zeigen, finden vor allem bei jungen Menschen großen Anklang. Ein geschickter Marketingtrick, der Jugendliche zu potenziellen Kunden macht. Beworben wird auch der vitaminhaltige Dampf, den das Gerät absondern soll. All das stößt Experten sauer auf. So klassifizierte beispielsweise Dac Sprengel, Vorsitzender des Verbands des eZigarettenhandels (VdeH), die Vitastik bereits Anfang des Jahres als "unseriös", da sie einen gesundheitlich positiven Effekt der E-Zigarette auch für Nichtraucher suggeriert.

"Innovativer, nikotin- und tabakfreier Vitamin Vaporizer"

Bei dem Vaporizer handelt es sich um ein nikotin- und tabakfreies Verdampfungsprodukt. Dem Dampf, der durch das Erwärmen des Vaporizer-Liquids entsteht, sollen Vitamine zugesetzt sein. Das Unternehmen räumt zwar ein, dass nur geringe Mengen an Vitaminen enthalten sind und der Konsum keine gesunde Ernährung ersetzt, die Vitastik sei unterm Strich dennoch ein "innovativer, nikotin- und tabakfreier Vitamin-Vaporizer". Laut Pressesprecherin Catharina Rohde eignet sich die Vitastik daher nicht nur zur Raucherentwöhnung, sie "gibt Gelegenheitsrauchern auch die Chance, sich eine schleichende Abhängigkeit zu ersparen."

Verführung durch Vermarktung

Die insgesamt sehr spielerisch wirkende Vermarktung des Produkts kann vor allem für junge Menschen problematisch sein. "Was hier cool daherkommt, ist in Wirklichkeit der Einstieg für die echten Drogen, nämlich nikotinhaltige Vaporizer und schließlich krebserregende Zigaretten", betont Dr. Horst Olschewski, Leiter der Klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten an der Medizinischen Universität Graz. Nikotinfreie E-Zigaretten oder Vaporizer hätten zwar glücklicherweise wenig gesundheitsschädigendes Potential, leider habe sich aber herausgestellt, dass sie "die neue Einstiegsdroge für Zigaretten sind". Zwar gäbe es Olschewski zufolge Studien, die zeigen, dass manche süchtige Raucher weniger oder gar keine Zigaretten rauchen, wenn sie nikotinhaltige E-Zigaretten dampfen, diese Effekte seien jedoch leider klein und oft nicht nachhaltig.

Neben der Vitastik gibt es derzeit auch eine Reihe anderer Produkte, beispielsweise Vitacig oder Vitaminvape, am Markt, die Käufer mit dem Vitamin-Image locken. Den beworbenen Vitamingehalt im Dampf sieht der Mediziner als Anlass zur Skepsis. "Noch nie konnte gezeigt werden, dass Vitamintabletten positive Effekte auf die Gesundheit von Rauchern haben, wenn man von echten Vitaminmangelkrankheiten absieht." Dass die Inhalation von vitaminhaltigem Dampf zu günstigen Effekten führe, hält der Experte daher für ausgeschlossen.

Auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) empfiehlt, E-Zigaretten, egal ob nikotinhaltig oder nicht, kritisch zu sehen. "Grundsätzlich sind E-Zigaretten, egal ob niktionhaltig oder nikotinfrei, keine harmlosen Produkte und daher gesundheitlich nicht unbedenklich", so Sabine Leidinger, Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums. Zwar können E-Zigaretten für Raucher eine weniger schädliche Alternative zum Rauchen sein, für Jugendliche und Nichtraucher seien sie jedoch aus mehreren Gründen vollkommen ungeeignet. "Kinder und Jugendliche üben mit vermeintlich harmlosen, schmackhaften E-Zigaretten das Rauchritual ein. Dadurch wird der Wechsel zu nikotinhaltigen Produkten und zur Tabakzigarette vereinfacht."

Vom Vorwurf der Verführung Jugendlicher distanziert sich das Unternehmen Vapomins jedoch klar. Vitastiks seien laut Sprecherin Rohde mit einer Altersbeschränkung belegt und dürften erst ab 18 Jahren gekauft werden. Als Grund dafür nennt Rohde ethische Gedanken und Prävention. "Die Altersbeschränkung wurde aus ethischen Überlegungen seitens des Unternehmens und Präventionsgründen eingeführt. Jugendliche sollen nicht zum Kauf angeregt werden und der Jugendschutz muss gegeben und bewahrt werden", so Rohde. Man richte sich mit dem Produkt an eine Zielgruppe im Alter von 20 bis 35 Jahren. "Insgesamt verkörpern wir einen Lifestyle, zu dem herkömmliche Zigaretten nicht passen und vielmehr 'uncool' sind. Darauf richten wir auch unsere Kommunikation aus und möchten uns bewusst von Zigaretten abgrenzen. Wer Nichtraucher ist, soll das jedoch auch bleiben", so Rohde.

Rauchfrei dank E-Zigarette?

Grundsätzlich können Olschewski zufolge E-Zigaretten mit Nikotin für süchtige Raucher einen Vorteil darstellen. "Daher sollten sie prinzipiell zur Verfügung stehen", betont der Experte. Es sei aber nicht einzusehen, warum andere Medikamente gegen Nikotinsucht verschreibungspflichtig und E-Zigaretten frei verkäuflich sind. Inwiefern E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung geeignet sind, ist laut BMG hingegen strittig. "Hier ist die Datenlage noch weitgehend unzureichend. Klinische Studien, die eine Eignung von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung belegen, fehlen grundsätzlich", so Leidinger.

E-Zigarette, E-Shisha oder doch Vaporizer?

Dass es sich bei der Vitastik um einen Vaporizer handelt, macht einen entscheidenden rechtlichen Unterschied. Die aktuelle EU-Tabakrichtlinie, die ein Werbeverbot für E-Zigaretten und Liquids vorschreibt und auch den Onlinehandel damit verbietet, gilt für das Produkt daher nicht.

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Rauchfrei Telefon - 0800 810 013