Die E-Zigarette ist gefragt wie nie. Die gesundheitlichen Risiken sind ungewiss

© dpa/Marcus Brandt

Keine Alternative
09/10/2014

"Die E-Zigarette ist genauso ein Schmäh wie früher die Light-Zigaretten"

Die WHO empfiehlt ein Verbot von E-Zigaretten und stemmt sich trotz Kritik gegen die Industrie.

von Laila Daneshmandi

Es stimmt, die E-Zigarette enthält weniger Schadstoffe als eine normale Zigarette. Deshalb wird sie gerne als gesunde Alternative zur normalen Zigarette angepriesen. Seit weltweit Rauchverbote strenger umgesetzt werden, erlebt die elektronische Zigarette, mit der man Nikotin über Dampf inhaliert, einen Boom. Doch das Wohlfühlimage bekommt immer mehr Flecken.

Seit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vergangene Woche einen kritischen Bericht veröffentlicht und ein E-Zigaretten-Verbot für Jugendliche und an öffentlichen Plätzen empfohlen hat, ist ein Streit um Nutzen und Risiko der E-Zigarette ausgebrochen. Der Tenor: Sie sind keine gesunde Alternative.

Für Univ.-Prof. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene an der MedUni Wien ist die E-Zigarette vielmehr der neueste "Knüller" der Tabakindustrie: "Rauch- und Werbeverbote, die für normale Zigaretten gelten, können unterwandert werden und Rauchen wird wieder als etwas Schickes, Hippes präsentiert, das man überall machen darf. Die E-Zigarette ist genauso ein Schmäh wie früher die Light-Zigaretten."

Auch diese wurden anfangs noch als großer Hit mit weniger Schadstoffen gefeiert – bis man erkannte, dass die Light-Raucher sich damit genauso schaden. "Die Fehler von früher wiederholen sich."

Entwöhnung

Kritiker der WHO-Empfehlung behaupten, die E-Zigarette könnte jährlich 6000 Leben retten. Tabakraucher, die auf Dampf umsteigen, könnten so gerettet werden, heißt es etwa im British Journal of General Practice: "Bedenkt man, dass Raucher in erster Linie wegen des Nikotins rauchen, aber vorwiegend wegen des Teers sterben, sollten E-Zigaretten als willkommene Prävention von Todesfällen durch Zigaretten gesehen werden."

Das sieht die WHO dennoch anders, die E-Zigaretten vielmehr als "Tor zur Nikotinsucht" befürchtet. Erst kürzlich hat eine US-Untersuchung an der Harvard School of Public Health gezeigt, dass jeder fünfte Raucher schon eine E-Zigarette getestet hat.

Vor allem Jugendliche probieren sie gerne als vermeintlich harmlose Alternative, die zudem in vielen Geschmacksrichtungen und Farben angepriesen wird. Neuberger: "Mit der E-Zigarette werden die Nikotinsüchtigen von morgen herangezogen."

Rauchverhalten

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, ist laut Neuberger mit der E-Zigarette ohnehin am falschen Dampfer. 85 Prozent würden es ohne Nikotinersatz schaffen. "Jene, die darauf angewiesen sind, sollten ihr Nikotinbedürfnis etwa mit einem Pflaster stillen, aber nicht ihr Rauchverhalten aufrechterhalten." Das Ritual des Rauchens sollte vom Nikotinbedürfnis getrennt werden – die E-Zigarette ist da allerdings kontraproduktiv.

Rauchstopp: Wer aufhören möchte

Untersuchungen haben gezeigt, dass professionelle Hilfe – etwa in Form einer kurzen Therapie – wirksamer ist als Medikamente ohne Beratung. Letztere sollten nur aus der Apotheke bezogen werden. Hier ist sichergestellt, dass die Produkte geprüft sind.
Beratung gibt es hier sowie beim Nikotininstitut bzw. unter: 0800 810 013.

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