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Religion
12/26/2016

Stefanitag: Wer war der heilige Stephanus?

Direkt nach Weihnachten, der Geburt Christi, gedenkt die katholische Kirche des heiligen Stephanus. Doch warum eigentlich?

von Ernst Mauritz, Julia Pfligl

Wie besonders Stephanus fĂŒr die katholische Kirche ist, zeigt sein Platz im Heiligenkalender: Nur einen Tag nach Weihnachten findet das Fest des heiligen Stephanus statt – besser bekannt als Stefani- oder zweiter Weihnachtsfeiertag. Denn Stephanus war der erste MĂ€rtyrer nach der Geburt Jesu Christi, der Erste, der bereit war, fĂŒr seinen Glauben zu sterben. "Der Stefanitag erinnert uns, dass Weihnachten nicht nur ein Fest der frommen Besinnung ist, sondern auch der Bereitschaft, bis zum Schluss am Glauben festzuhalten", erklĂ€rt Toni Faber, Dompfarrer von St. Stephan.

Denn ja, auch der Stephansdom ist, wie viele GotteshĂ€user entlang der Donau, dem heiligen Stephanus geweiht. Das Bild am Hochaltar, gemalt von Tobias Pock im Jahr 1647, zeigt die Steinigung des MĂ€rtyrers, etwa 40 n. Chr. "Er sinkt in die Knie und wĂ€hrend er gesteinigt wird, hat er die GrĂ¶ĂŸe, fĂŒr seine Verfolger zu beten. Er sieht den Himmel offen, sieht das Antlitz Jesu und das Antlitz Gottes strahlend ĂŒber ihm und sagt, ‚Herr nimm meinen Geist auf‘", schildert der Dompfarrer. In der Bibel heißt es: "Stephanus aber betete: ‚Herr, rechne ihnen diese SĂŒnde nicht an‘. Nach diesen Worten starb er."

Über die jungen Jahre Stephanus’ – es wird angenommen, dass er ein Jahr nach Jesus geboren wurde – ist wenig bekannt. Seine Biografie wird da interessant, wo er in seiner Urgemeinde in Jersualem aktiv wurde: Als erster von sieben Diakonen sollte Stephanus Streitereien zwischen Hellenisten und HebrĂ€ern schlichten. Durch eine seiner Predigten geriet er mit den hellenistischen Juden in Konflikt – sie beschuldigten ihn der GotteslĂ€sterung und brachten ihn vor den Hohen Rat. In einer flammenden Verteidigungsrede, die lĂ€ngste der Apostelgeschichte, bekannte er sich zum christlichen Glauben. Dies echauffierte seine AnklĂ€ger so sehr, dass sie ihn vor die Tore der Stadt trieben und zu Tode steinigten, ehe er seine Rede zu Ende bringen konnte.

"Stephanus hatte ein modernes Glaubens- und Gottesbild", sagt die Ethnologin Helga-Maria Wolf. "Er wurde gesteinigt und die anderen hellenistisch gebildeten Christen wurden aus Jerusalem vertrieben. Anders als die ĂŒbrige Urgemeinde sah er nicht den Tempel als Mittelpunkt des Glaubens, sondern war ĂŒberzeugt, dass Gott in jedem Menschen wohnt. " Das Besondere sei auch, dass "seine Biografie – als Teil der Apostelgeschichte – biblisch ĂŒberliefert und keine Legende ist". Denn gerade bei vielen frĂŒhen christlichen MĂ€rtyrern seien die genauen Ursachen und UmstĂ€nde ihres Todes nicht bekannt: "Hier handelt es sich oft um konstruierte, idealisierte ErzĂ€hlungen. Das Schicksal des Stephanus hingegen ist authentisch."

Was lehrt uns seine Geschichte? "Dass wir auch mit Gefahren und Unsicherheiten im Leben gut bei Gott aufgehoben sind", sagt Faber. "Im letzten Sinn wird alles gut – Gott macht aus jedem Minus des Lebens in Form eines Kreuzes ein Plus."

Weil Stephanus Diakon war, ist der 26. Dezember auch der Festtag aller MÀnner, die sich zum Diakon weihen lassen. "Unser Kardinal lÀdt am Stefanitag alle 200 Diakone ein, mit ihm den Gottesdienst zu feiern", erzÀhlt Dompfarrer Faber. Er trÀgt dabei ein besonders festliches Messgewand aus dem 17. Jahrhundert.

Stephanus gilt heute auch als Patron der Pferde: "Es gibt an dem Tag Pferdesegnungen und Stefaniritte, auch Wasser, Brot, Salz und Hafer werden gesegnet – die Lebensmittel der Pferde", sagt Wolf. Der Ursprung der Stefaniritte war eine gesundheitsfördernde Maßnahme: "Die Pferde sollten im Winter nicht die ganze Zeit im Stall stehen, um Stoffwechselleiden zu vermeiden."

Rund 20 Pferde werden morgen, Montag, zum Stefaniritt in St. Stefan im Lavanttal erwartet: Im Schritt, Trab und Galopp werden sie die Kirche umkreisen und gesegnetes Brot mit Salz bekommen. FĂŒr Pfarrer Eugen LĂ€nger ist diese Tradition genauso wichtig wie ein aktueller Bezug zum Leben des Heiligen Stephanus: "Damals wie heute werden in vielen LĂ€ndern Christen verfolgt."

Übrigens: Lange Zeit gab es am Stephanitag Rotweinsegnungen – als Analogie an das Blut des MĂ€rtyrers. Im Mittelalter gab es den Brauch der Stephansminne – ein am Stephanstag gesegneter Rotwein, von dem man sich "wunderbare Zauberwirkungen versprach", weiß Helga-Maria Wolf. Aus der Buckligen Welt ist eine andere Tradition ĂŒberliefert: Der Stefansbock – ein Trinkgelage im Wirtshaus: "Und oft endete das dann im Stefansrausch."

Buchtipp: "Verschwundene BrĂ€uche. Das Buch der untergegangenen Rituale" von Helga-Maria Wolf, erschienen 2015 im BrandstĂ€tter-Verlag, 224 Seiten, 34,90 €.

Vom "Geschenkschachtel-Tag" bis zum Freudentag fĂŒr Fußballfans

Auch wenn schon am 24.12. gefeiert wird und vielerorts die "Mette" bereits vor Mitternacht beginnt: "In der jĂŒdischen Tradition – auf der die christliche beruht – gehört der Vorabend zum nĂ€chsten Tag, und deshalb fĂ€llt das Weihnachtsfest auf den 25.12. – liturgisch gesehen das ,Hochfest der Geburt des Herrn‘", sagt die Ethnologin Helga-Maria Wolf. Und auch ohne religiösen Bezug hĂ€ngen 24. und 25.12. zusammen: In dieser Nacht bringt Santa Claus, unterstĂŒtzt von Reindeer Rudolph, durch den Kamin die Geschenke.

Der zweite Weihnachtsfeiertag wird in der Liturgie vieler Kirchen als Gedenktag des Matyriums des heiligen Stephanus gefeiert. In 26 europÀischen LÀndern ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag. Ein Teil der Reliquien von Stephanus befindet sich in Aachen. "Daher ist sein Kult im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet."

In den Commonwealth-Staaten ist der 26.12. der "Boxing Day", der "Geschenkschachtel-Tag" – an diesem Tag erhielten frĂŒher viele Bedienstete von ihren Arbeitgebern Geschenke. Heute machen an diesem Tag etwa in Großbritannien besser Situierte Geschenke fĂŒr bedĂŒrftige Menschen. Und es locken an diesem Tag in vielen LĂ€ndern die GeschĂ€fte mit gĂŒnstigen Angeboten – es kommt zu einer wahren Rabattschlacht. FĂŒr manche HĂ€ndler ist es der umsatzstĂ€rkste Tag geworden. Hunderttausende stĂŒrmen etwa in Großbritannien die GeschĂ€fte – in London bildeten sich im Vorjahr vor den KaufhĂ€usern Harrods und Selfridges Schlangen. In Liverpool sichteten Reporter bereits um 4.30 Uhr in der FrĂŒh die ersten EinkĂ€ufer, die die besten Rabatte ergattern wollten. Und wiederum im Commonwealth of Nations ist der 26.12. ein wichtiger Tag fĂŒr Sportfans: Lokalderbys im Fußball und Rugby gibt es ebenso wie Pferderennen und natĂŒrlich einen Spieltag fĂŒr die englische Fußball-Premier-League. Marko Arnautovic etwa war am 26.12. des Vorjahres fĂŒr seinen Club Stoke City aktiv – und erfolgreich: Er traf zum 2:0 gegen Manchester United. Heuer spielt am 26.12. Christian Fuchs mit Leicester City (gegen Everton FC).

In Australien wiederum startet am Boxing Day traditionell eine der schwierigsten Hochseerennen der Welt: Das "Sydney Hobart Race", die 628 Seemeilen (1163 km) lange Regatta von Sydney nach Hobart auf Tasmanien. Und die ist genau das Gegenteil eines beschaulichen Weihnachtsausflugs: 1998 sanken in einem schweren Sturm fĂŒnf Boote, sechs Segler starben. "Das Rennen ist ein Mythos", sagen viele der Teilnehmer.

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