Wissen
09.04.2018

Rauchen: Eine Frage der Bildung?

Je besser die Deutschen gebildet sind, umso geringer der Anteil der Raucher unter ihnen. Das zeigt eine Studie aus der Bundesrepublik.

Fast jeder dritte Mann und jede vierte Frau (28 Prozent der Gesamtbevölkerung) in Deutschland rauchen – im Schnitt 14 Zigaretten täglich. Den ersten Zug kann der Großteil kaum erwarten: Drei von vier Rauchern zünden sich innerhalb der ersten Stunde nach dem Aufstehen eine Zigarette an. Angefangen wird keineswegs erst im Alter, schon zwölf von 100 Jugendlichen rauchen. Die Zahl der Raucher steigert sich proportional zum Alter. Erst bei den Senioren sinkt die Quote.

Das sind eine Handvoll Kernergebnisse einer repräsentativen Umfrage aus Deutschland, die kürzlich veröffentlicht wurde. Im Zuge der Studie haben die Suchtforscher Daniel Kotz, Melanie Böckmann und Sabrina Kastaun von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Spannendes über den deutschen Raucher herausgefunden, auch was den Zusammenhang zwischen sozialem Status und Rauchen betrifft.

Sucht und sozialer Status

Es zeigten sich zwei deutliche Verbindungen. Je besser die Deutschen gebildet sind, desto geringer ist der Anteil der Raucher unter ihnen. Ähnlich verhält es sich beim Einkommen: Die Raucherquote in Haushalten sinkt mit steigendem Budget. Bildungsunterschiede wirken sich dabei stärker aus als Einkommensunterschiede. 42 Prozent der Deutschen, die (noch) keinen Schulabschluss haben, rauchen. Unter den Hauptschul- und den Realschulabsolventen ist es jeder dritte. Unter denen, die die Matura bestanden haben, raucht jeder fünfte.

Daniel Kotz ortet die Gründe dafür im sozialen Umfeld. Kinder, die unter Rauchern aufwachsen, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst zur Zigarette greifen, sagte der Suchtexperte der Online-Ausgabe der Rheinischen Post. Auch mangelhafte Aufklärung sieht er als wesentlichen Faktor.

Scheitern beim Rauchstopp

Immerhin: 28 Prozent der befragten Raucher haben im Jahr vor der Erhebung mindestens einmal versucht aufzuhören. Das Gespräch mit Ärzten suchen dabei die wenigsten: Nur sechs Prozent der Aufhörwilligen gaben an, einen Mediziner konsultiert zu haben. Fünf Prozent griffen zu dem bekannten Ratgeberbuch "Endlich Nichtraucher" von Allen Carr. Die allermeisten gaben an, auf eine andere Methode gesetzt zu haben: "eigene Willenskraft". Vergeblich, wohlgemerkt.

Nicht nur in Deutschland rauchen besonders viele Menschen. Auch in Österreich ist der Anteil der Raucher mit 24 Prozent laut OECD hoch (Stand 2015). Der OECD-Schnitt liegt bei 18 Prozent (14 Prozent der Frauen, 23 Prozent der Männer). Österreich gehört außerdem zu den Ländern mit der höchsten Rate an rauchenden Frauen (über 20 Prozent).