„Reden Sie mit!“, heißt das Projekt der Boltzmann-Gesellschaft

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Wissen
12/19/2020

Psychotherapie ist systemrelevant

Forschungsarbeit zeigt konkrete Lösungsansätze, wie wir mit der Krise umgehen sollten.

von Yvonne Widler

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie belastet die Menschen, die Auswirkungen der Krise betreffen uns in vielfältiger Weise: Wirtschaftlicher Druck, existenzielle Sorgen, die Herausforderungen des Homeschoolings, die vielfache Doppelbelastung von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung, verringerte Sozialkontakte.

Natürlich gehen diese Themen nicht spurlos an uns vorbei. Doch entgegen der Einschätzung vieler sind nicht nur Ältere betroffen. „Ich sehe in meiner Praxis so wahnsinnig viele junge Menschen mit Depressionen und Angststörungen. Das war davor nicht so“, sagt Psychiaterin Beate Schrank, Leiterin der Ludwig-Boltzmann-Forschungsgruppe „Die offene Tür“, welche interaktive Maßnahmen zur Förderung der sozialen Verbundenheit von Kindern entwickelt.

Viele Menschen fühlen sich alleine gelassen. Die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft möchte mit ihrem Projekt „Reden Sie mit!“ nicht nur die Situation beschreiben, sondern auch konkrete, wissenschaftlich untermauerte Ansätze entwickeln, wie geholfen werden kann.

Hilfe für Betroffene

Erste Ergebnisse dieser Arbeit, die noch während des ersten Lockdowns im Frühjahr begonnen wurde, liegen nun vor. Sie zeigen Maßnahmen auf, die sowohl kurzfristig wie mittelfristig, aber auch langfristig angedacht sind, um Betroffenen zu helfen. Die Resultate werden der Öffentlichkeit, aber auch Entscheidungsträgern der Republik präsentiert.

Auf Basis der Ergebnisse aus Crowdsourcing und folglich Co-Creation-Workshops wurden neun Maßnahmen sowie sieben weitere Forschungsbereiche herausgearbeitet, auf die man künftig besonderes Augenmerk legen sollte. Als prioritäre Aufgaben wurden etwa die Ausweitung und entsprechende Finanzierung eines flächendeckenden Angebots an psychotherapeutischer Versorgung definiert. Der Beruf der Psychotherapie sei als systemrelevant anzuerkennen.

Blick in die Zukunft

In gleichem Umfang sei jedoch auch eine Thematisierung Pandemie-ausgelöster psychischer Belastungen in der Schule erforderlich. Im Bereich mittelfristig notwendiger Maßnahmen liegen all jene Themen, die mit der beruflichen Situation der Menschen zu tun haben. Hier ginge es im Sinne der Prävention und Früherkennung um die Überarbeitung der Erhebung der psychischen Belastungen in Unternehmen.

Gleichzeitig seien Peer-to-Peer Coaching für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sowie spezielle Trainings für Führungskräfte in Betracht zu ziehen. Mit Blick auf die Zukunft erkennt die Forschungsarbeit den Ausbau der Erwachsenenbildung, die Weiterentwicklung von Pandemieplänen unter Einbindung von Betroffenen sowie ein grundsätzliches Aufklärungsprogramm zum Thema Armut mit dem Ziel einer größeren Solidarisierung als wichtige und lohnende Unterfangen.

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