© dapd/Daniel Peter

Pilzsaison
08/13/2014

Giftige Schwammerl unter der Lupe

Nicht alle Pilze, die im Wald und auf Wiesen wachsen, sind, wofür sie gehalten werden.

von Elisabeth Gerstendorfer

Die Schwammerlsaison ist eröffnet. Das feucht-warme Wetter der vergangenen Wochen bot ideale Bedingungen für Eierschwammerl, Parasole und Steinpilze in den Wäldern und am Wegesrand. Nicht immer sind die Pilze, die man sammelt, aber tatsächlich, die für die man sie hält. Die Folge: ernste Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verwirrtheit bis hin zu lebensbedrohlichen Leberschäden. „Von den 8.000 Arten in Österreich sind rund 200 als giftig eingestuft, 20 bis 25 sind bei Verzehr für den Menschen tödlich“, sagt Biologin Irmgard Krisai-Greilhuber von der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft.

Eine österreichweite Statistik über die Häufigkeit der Pilzvergiftungen gibt es nicht. Während der Pilzsaison von August bis Oktober sowie bei manchen Arten auch im Frühjahr, beobachtet Krisai-Greilhuber wöchentlich aber etwa eine Vergiftung. „Die Häufigkeit ist von Jahr zu Jahr sehr verschieden, je nach Pilzvorkommen. Für mich sind nicht alle Verwechslungen nachvollziehbar, aber jeder hat ein anderes Gespür für Ähnlichkeiten“, meint Krisai-Greilhuber.

Schwammerl, Pilze, Schärding, OÖ…

gr knollenblätterpilz

Grüner Knollenblätterpilz…

Grüner Speisetäubling…

Karbol-champignon

gr knollenblätterpilz

Spitzbuckeliger Raukopf

Spitzbuckeliger Raukopf

Hallimasch

Panterpilz

Perlpilz

ARCHIV - Ein Kind trinkt am 31. Juli 2007 in Frank…

Wiesenchampignons

gr knollenblätterpilz

Pilzsammler

Viele Pilze duerfen nur in kleinen Mengen gesammel

Viele Pilze duerfen nur in kleinen Mengen gesammel

Pilze sammeln am dritten Advent

Leberschäden

Ein Pilz, der häufig am Teller und später bei Toxikologen Thomas Stimpfl vom AKH Wien unter dem Mikroskop landet, ist der Grüne Knollenblätterpilz. Aufgrund seines grün-braunen, manchmal weißen Hutes und seiner weißen Lamellen wird er immer wieder mit Champignons, dem Speisetäubling oder dem Parasol verwechselt. „Problematisch beim Grünen Knollenblätterpilz ist, dass er eine Latenzwirkung hat. Das bedeutet, es dauert einige Stunden, bis sich Symptome entwickeln, mitunter treten auch gar keine Beschwerden auf, oder sie bessern sich, obwohl es zu schweren Leberschäden kommt“, sagt Stimpfl. Ohne Behandlung führt das Pilzgift innerhalb von drei bis sieben Tagen zum Tod. Trotz Therapie kann die Leberfunktion dauerhaft geschädigt sein und eine Lebertransplantation notwendig werden.

Reste mitnehmen

Auch wenn es nur zu leichten Vergiftungserscheinungen wie Verdauungsstörungen kommt, sollte man zur Abklärung ein Spital aufsuchen. Zwar sind Pilze generell schwer verdaulich, und auch ungiftige Speisepilze können Beschwerden verursachen, dennoch empfiehlt sich die genaue Untersuchung. Stimpfl: „Am besten ist, Reste des Pilzes mitzunehmen, um im Krankenhaus feststellen zu können, welcher Pilz zu den Symptomen geführt hat. Manchmal kann es länger dauern, bis die Symptome auftreten – bis dahin kann es sein, dass die giftigen Bestandteile im Blut nicht mehr nachweisbar sind.“ Bei Bewusstlosigkeit ist für eine stabile Seitenlage und das Freihalten der Atemwege zu sorgen. Hausmittel wie Milch trinken oder Erbrechen auslösen sollte man hingegen meiden. „Selbstgesammelte Pilze sollte man nur essen, wenn man sie zu 100 Prozent kennt, nicht auf Verdacht. Wenn man nicht sicher ist, hilft es eine Beratungsstelle aufzusuchen oder die Schwammerl im Zweifelsfall stehen zu lassen“, rät Krisai-Greilhuber.

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