Ein See zwischen Eisbergen in der Antarktis

© REUTERS/STAFF

Offizieller Beschluss
10/28/2016

Vor Antarktis entsteht größte Meeresschutzzone der Welt

Das Schutzgebiet im ökologisch bedeutsamen Rossmeer soll 1,55 Millionen Quadratkilometer umfassen.

In einem historischen Deal haben sich 24 Staaten und die Europäische Union auf eine riesige Meeresschutzzone in der Antarktis geeinigt. Der Durchbruch kam am Freitag nach jahrelangen Verhandlungen und gegen den anfänglichen Widerstand von Russland beim Treffen der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) in Hobart auf Tasmanien.

Das Gebiet im Rossmeer ist mit 1,55 Millionen Quadratkilometern 18,5 Mal mal so groß wie Österreich. Dort ist damit mindestens für die nächsten 35 Jahre das kommerzielle Fischen verboten.

Im größten Teil des neuen Schutzgebiets - 1,12 Millionen Quadratkilometern - soll jegliche Fischerei verboten werden. Das Ausmaß des neuen Meeresschutzgebiets entspricht der kombinierten Fläche von Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Die Verhandlungen hatten 2012 begonnen. Zuletzt hatte sich nur noch Russland gegen die Ausweisung des Schutzgebiets gewandt, weil es Nachteile für seine Fischereiflotte fürchtete. Der nun gefundene Kompromiss bringe "den Schutz des Meeres, nachhaltige Fischerei und die Interessen der Forschung in ein Gleichgewicht", sagte der neuseeländische Außenminister Murray McCully in Hobart.
Geführt wurden die Verhandlungen im Rahmen der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR), der 24 Staaten sowie die EU angehören. Die Beschlüsse der Kommission erfordern Einstimmigkeit der Mitglieder.
Das antarktische Rossmeer gilt als eines der letzten unberührten maritimen Ökosysteme. Dort leben Wale, Pinguine und Seehunde. Wissenschafter erforschen dort unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels.

Ein Verbund von Umweltschutzorganisationen, die Antarctic Ocean Alliance, lobte die Entscheidung als bahnbrechend. Es sei die erste Schutzzone dieser Art in internationalen Gewässern. "Es ist überhaupt die größte Meeresschutzzone", sagte Sprecherin Elsa Evers. In den Gewässern rund um den eisigen Kontinent leben Pinguine, Robben und unzählige Arten von Fischen.

"Schatzkammer des Meeres"

Weil das Gebiet so abgelegen und so unwirtlich ist, dass kaum Schiffe dorthin fahren, ist das Ökosystem nach Angaben von Wissenschaftern noch weitgehend intakt. Es gilt als Schatzkammer des Meeres, mit zahlreichen einzigartigen Lebewesen sowie Krill und kleinen Fischarten, die Meeressäugern als Lebensgrundlage dienen. Durch die Erwärmung der Meere dürften viele Arten zum Überleben in die kälteren Gefilde rund um die Antarktis wandern, glauben Wissenschafter.

In der Antarktis gibt es einige Dutzend Forschungsstationen. Dort werden unter anderem die Folgen des Klimawandels auf die Meere untersucht. "Hier ist heute Geschichte geschrieben worden" meinte Verbund-Sprecher Mike Walker. "Hier wird das gesündeste Ozeangebiet der Welt geschützt." Der Kontinent selbst war bereits geschütztes Gebiet, nicht aber große Teile der Meere rundum.

Die Umweltstiftung WWF kritisierte, dass die Einigung zunächst nur für 35 Jahre gilt. "Meeresschutzzonen müssen auf Dauer eingerichtet werden"; sagte Chris Johnson vom WWF Australien.

Die Antarktis

Die Antarktis ist abgesehen von ein paar Dutzend Forschungsstationen ein unbewohnter Kontinent rund um den Südpol. Er ist fast vollständig von Eis bedeckt.

Es ist die größte Eismasse der Erde, teils mehr als 4.000 Meter dick. Dort leben Pinguine und Robben. In den Wintermonaten von März bis September geht die Sonne nie auf, in den Sommermonaten nie unter.

Die Antarktis ist etwas größer als Europa und hat die kältesten Temperaturen der Welt: teils minus 90 Grad. Der internationale Antarktis-Vertrag von 1959 legt fest, dass der Kontinent von Wissenschaftern verschiedener Nationen ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt werden kann.

Scharfe Kritik an wissenschaftlich deklarierter Waljagd Japans

Mehrere Länder haben Japan wegen seines umstrittenen Walfangs zu wissenschaftlichen Zwecken scharf kritisiert. Japan habe im Zuge seiner Waljagd keine relevanten wissenschaftliche Ergebnisse vorgelegt, erklärte der Vertreter Australiens auf der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) am Donnerstag im slowenischen Adria-Badeort Portoroz.

Kritisch äußerten sich auch die Repräsentanten der Europäischen Union (EU), Neuseelands und Argentiniens. Der Vertreter Japans bestritt die Vorwürfe. Australien und Neuseeland reichten eine Resolution ein, die darauf abzielt, den Wissenschaftswalfang stärker der Kontrolle der Kommission zu unterwerfen. Sie sollte am Donnerstagnachmittag verhandelt werden.

Seit 1986 gilt ein Moratorium für den kommerziellen Walfang. Dieses lässt aber Ausnahmen zu, wie etwa den Walfang zu Wissenschaftszwecken. Das entsprechende japanische Programm hatte der Internationale Gerichtshof (IGH) in einem Urteil 2014 als nicht vereinbar mit den Moratoriumsregeln befunden. Japan legte 2015 dennoch ein neues Walfang-Programm auf. In der Saison 2015/16 tötete der Inselstaat nach Angaben der Organisation Pro Wildlife in der Antarktis 333 Zwergwale.

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