Florence rabier

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Meteorologie
10/26/2016

Ziel: 4-Wochen-Prognosen für Orkan und Hitzewelle

Wetterextreme werden häufiger. Wie Meteorologen darauf reagieren.

von Sandra Lumetsberger

Eines vorweg: Wie der kommende Winter wird, und ob es am 24.12 schneit, weiß Florence Rabier nicht. Vielmehr erklärt die Chefin des Europäischen Wettervorhersagezentrums, wie sie Sturmtiefs und Hitzewellen künftig früher vorhersagen wollen. Es ist eines der großen Ziele, die sich die Organisation bis 2025 setzt und die Rabier bei ihrem Besuch an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), nun vorstellte. Denn Extremwetter werden in Zukunft immer häufiger, berichtet die Meteorologin.

"Vergangenen Sommer konnten wir die Hitzewelle in Westeuropa eineinhalb Wochen im Vorhinein vorhersagen. In Zukunft möchten wir es schon zweieinhalb Wochen zuvor wissen." Sturmtiefs sollen ebenfalls zirka bis zu zehn Tage im Voraus bekannt sein. Hintergrund der Strategie: Wetter- und Katastrophendienst haben künftig mehr Zeit zur Vorbereitung, vor allem um Leben und Besitz der Menschen besser zu schützen.

52 Vorhersagen

In Reading, einer Stadt zwischen Oxford und London, ist man den extremen Wetterereignissen auf der Spur. Hier, am Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW), berechnet ein Computerprogramm, das mit Messdaten von Wetterstationen, Bojen und Satelliten gefüttert wird, die aktuelle Wetterlage. Zwei Mal täglich bekommen sie 52 verschiedenen Vorhersagen. Und schicken diese wiederum an die nationalen Wetterdienste der Mitgliedsstaaten, wie etwa an die ZAMG. "Wir geben ihnen das große Bild, sie verfeinern es", sagt Florence Rabier.

Hohe Warte

Die Meteorologen an der Hohen Warte, im 19. Wiener Gemeindebezirk, prüfen die Vorhersagen und verfeinern sie für einzelne Täler und Regionen, sagt Andreas Schaffhauser. Die Topografie der einzelnen Länder spielt hier eine große Rolle und soll künftig noch besser berücksichtigt werden.

Ebenso wie die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Ozean, Meereseis, Land sowie Aerosole und Ozon: "Wir wissen, dass etwa Aerosole den Monsun in Indien wesentlich beeinflussen", erklärt Florence Rabier. Die feinen Luft-Partikel entstehen etwa durch Vulkaneruptionen oder Waldbrände. In der Atmosphäre absorbieren sie Sonnenstrahlung und kurbeln so die Monsunwinde an.

El Niño

Generell ist es heute einfacher, Klimaphänomene wie etwa El Niño bis zu einem Jahr im Voraus zu berechnen, als etwa das exakte Winter-Wetter in Wien. Florence Rabier: "Der Zusammenhang zwischen Wetter und Ozean ist besonders gut erforscht. Bei uns spielt hingegen viel mehr mit."

Zurück nach Österreich. Wie es hier mit der Vorhersehbarkeit von Unwettern aussehen kann, erklärt Andreas Schaffhauser von der ZAMG: "Derzeit können wir drei bis vier Tage im Vorhinein sagen, dass eine Wetterlage mit starkem Regen zu Hochwasser führen kann." Und wenn Europas Wetterzentrale wirklich ihr Ziel erreicht und schneller und präziser Vorhersagen trifft, weiß die ZAMG bereits eine Woche im Vorfeld Bescheid. Und kann dann sofort den Zivilschutz alarmieren.

Das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts ist eine zwischenstaatliche Organisation von 34 Staaten, gegründet 1975, mit Sitz in Reading, England. Ihre Aufgaben: numerische Wettervorhersagen, wissenschaftliche und technische Forschung für bessere Vorhersagefähigkeiten und die Pflege eines Archivs sowie von meteorologischen Daten. Mit seinen Rechenkapazitäten assimiliert es durchschnittlich 40 Millionen Beobachtungen von über 70 Satellitengeräten pro Tag. Es arbeitet eng mit meteorologischen Organisationen in seinen Mitglieds- und Kooperationsstaaten und darüber hinaus zusammen.

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