Sensationsfund: Verschollener Kreuzritteraltar tauchte hinter Graffitis auf

Steinplatte mit Ornamenten
Seit Jahrzehnten galt er als verschollen. Nun spielte der Zufall Regie: Österreichische Forscher entdeckten in der Grabeskirche in Jerusalem einen berühmten mittelalterlichen Kreuzritter-Altar.

Jahrzehntelang verewigten sich Touristen und Pilger auf einer unscheinbaren Steinplatte im hinteren Teil der Grabeskirche in Jerusalem mit Graffitis. Dass es sich dabei um den Teil eines lange verschollenen Kunstwerks handelt, war auch Forschern nicht bewusst. Umso größer ist nun die Sensation, als Bauarbeiten darin einen lange verschollenen, höchst kunstvollen Kreuzritter-Altar offenbarten. Ursprünglich 3,5 Meter breit, handelt es sich um den größten derzeit bekannten mittelalterlichen Altar.

Sensationsfund: Verschollener Kreuzritteraltar tauchte hinter Graffitis auf

Für die Bauarbeiten musste die tonnenschwere Steinplatte entfernt werden - und als man sie umdrehte, wurden Schleifenornamente sichtbar. Die Platte ließ sich daher rasch als die einstmals prachtvolle Frontseite des mittelalterlichen Altars identifizieren. Dessen Geschichte ist allerdings gut dokumentiert. 

Anlässlich des 50. Jahrestags der Eroberung der Heiligen Stadt durch die Kreuzritter sollte am 15. Juli 1149 ein neuer Hochaltar in der Grabeskirche geweiht werden. Und der Altar im romanischen Stil fiel dem Anlass entsprechend besonders prunkvoll und kunstvoll aus. Immerhin handelt es sich bei der Grabeskirche in Jerusalem damals wie heute um eines der größten Heiligtümer der Christenheit. 

Berichte über prächtigen Altar existieren

Der Altar hatte bei den Menschen über viele Jahrhunderte großen Eindruck hinterlassen. "Wir kennen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert Pilgerberichte über einen prächtigen Marmoraltar in Jerusalem", erzählt Ilya Berkovich. Der Historiker am Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist Co-Autor einer neu erschienenen Studie über das historische Kunstwerk. 

Allerdings verschwand das Kunstwerk dann schlagartig aus dem allgemeinen Bewusstsein. "Seit einem großen Feuer im romanischen Teil der Grabeskirche im Jahr 1808 war der Kreuzritter-Altar nicht mehr da", sagt der Historiker. "Zumindest dachte man das die längste Zeit."

Altar blieb lange unbemerkt

Dass er sich die ganze Zeit über inmitten der Grabeskirche befunden hatte - noch dazu unbemerkt in einem derart intensiv beforschten Bauwerk und täglich im Blickfeld von Tausenden Besuchern -, ist eine weitere Sensation der Entdeckung. "Dass ausgerechnet an dieser Stelle etwas so Bedeutendes so lange unerkannt herumliegen konnte, kam für alle Beteiligten völlig unerwartet", schildert Berkovich.

Seltene Technik wurde eingesetzt

Für die Forscher ermöglichte der Fund auch neue Erkenntnisse über den Hochaltar selbst. Die außergewöhnlichen Verzierungen zeigten eine spezielle Technik von Marmordekorationen namens Kosmatesk, die nur ausgewiesene Meister im päpstlichen Rom ausführten. Dabei wurde kostbarer Marmor von antiken Gebäuden abgekratzt und die kleinen Marmorsplitter mit größter Präzisionauf steinerne Flächen angebracht. Dadurch entstanden geometrische Muster und schillernde Ornamente. 

Außerhalb Roms seien nur wenige Kosmatesk-Werke bekannt, bisher nur eines überhaupt außerhalb Italiens. Es befindet sich in der britischen Westminster Abbey in London, wohin der Papst einen seiner Meister entsandte. Das sei wohl auch im Fall des nun entdeckten Altars der Fall gewesen. "Der Papst würdigte damit die Kirche der Christenheit", sagt Berkovich.

 

Kommentare