Wissen und Gesundheit
23.01.2018

Knochenbruch: Ultraschall kann Röntgen oft ersetzen

Vor allem Kinder profitieren von einer schonenderen Ultraschalldiagnostik.

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch werden derzeit meist Röntgenverfahren zur Diagnose eingesetzt. Eine Metaanalyse der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), für die Daten aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet wurden, zeigt nun, dass die schonendere Ultraschalldiagnostik in vielen Fällen gleichwertige Ergebnisse liefert.

Insbesondere bei Brüchen des Handgelenks, des Ellenbogens oder des Oberarms könnten laut Studie 80 Prozent der Röntgen eingespart werden. Auch Rippen- und Brustbeinbrüche sowie Brüche der Beinextremitäten könnten via Ultraschall ebenso sicher erkannt werden wie mit Röntgen – und zwar strahlenfrei, das heißt schonender für den Patienten.

Kinder empfindlicher

Vor allem Kinder würden profitieren. Sie reagieren etwa zehnmal empfindlicher auf Röntgenbelastung als Erwachsene. Die Studienautoren gehen davon aus, dass es bei gewissen kindlichen Brüchen sinnvoll wäre, den Ultraschall routinemäßig anzuwenden. Das setzt allerdings entsprechendes Fachwissen beim "Schallen" und Interpretieren der Befunde voraus, welches in Kursen erlernt werden müsse. "Ultraschall birgt Schwierigkeiten bei der Standardisierung. Wenn z. B. kein Knochenbruch zu sehen ist, kann das daran liegen, dass falsch geschallt wurde, was beim Röntgenbild eindeutiger ist", sagt Univ.-Prof. Franz Kainberger, Radiologe an der Wiener Uniklinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Eine Zusatzausbildung sollte allerdings ausreichen.

Zusätzliche Kosten

Mangelnde Schulung sei aber nicht der alleinige Grund, weshalb der Ultraschall derzeit in Österreich deutlich weniger eingesetzt wird als möglich wäre. "Ein flächendeckender Einsatz bei Knochenbrüchen wäre mit Kosten verbunden, die derzeit vom österreichischen Gesundheitssystem nicht getragen werden. Das betrifft die Krankenkassen, aber auch die einzelnen Träger, die etwa medizinisches Personal für Schulungen freistellen müssten", so Kainberger.

Nur in einzelnen Institutionen, in denen speziell Kinder behandelt werden, sei Ultraschall statt oder als Ergänzung zu Röntgenverfahren bei Knochenbrüchen Standard. Und auch beim heute im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Hüftultraschall von Säuglingen hätte es anfänglich Widerstand gegeben, meint Kainberger.