Warum Liebe im Gehirn beginnt

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Foto: Getty Images/iStockphoto/Aquir/iStockphoto   

Ob rosarote Brille oder Schmetterlinge im Bauch – verantwortlich ist ein Hormoncocktail.


Die Liebe ist eine Himmelsmacht? Eher nicht. Betrachten wir das Phänomen, dass zwei Menschen die Welt füreinander sind, doch ganz pragmatisch: Bei Verliebtheit handelt es sich um nichts anderes als Biochemie. In der sich hochkomplexe Vorgänge verbergen, die vom Gehirn ausgelöst werden. Dort wird ein Hormoncocktail gemixt, der es in sich hat.

Ausnahmezustand

Was die Betroffenen in einen Ausnahmezustand aus Glück, Euphorie und Begeisterung versetzt, bezeichnen Wissenschaftler wie der Neurologe Antonio Damasio von der US-Universität Iowa sogar als einen "kurzfristigen Hirnschaden". Wenn diese Phase ausgelöst wird, spielt besonders der Neurotransmitter Dopamin eine Rolle. "Er wird in großen Mengen ausgeschüttet", erklärt die klinische Psychologin Birgit Maurer (www.liebeskummerpraxis.at). Auch Hormone und Botenstoffe wie Serotonin, Oxytocin oder das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin (PEA) sind an diesem "glückspsychotischen Zustand" beteiligt. "Man macht Dinge, die man sonst nicht machen würde."

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Julynxa/iStockphoto v. 08.02.2018, … Foto: /Grafik,istockphoto Dass sich Verliebtheit sogar in bestimmten Gehirnarealen zeigt, konnte die US-Anthropologin Helen Fisher zeigen. Sie schob Verliebte in eine MRT-Röhre und legte ihnen Bilder ihrer Partner vor. Unter anderem war dabei das Belohnungszentrum aktiv, während der präfrontale Cortex, wo sonst rationale Entscheidungen getroffen werden, ruhig blieb.

Dauernde Beziehung

Wen dieser "glückspsychotischer Zustand" (Maurer), bei dem die Hormone wahrlich verrückt spielen, beunruhigt, kann sich entspannen: Die Phase der extremen Verliebtheit hält maximal 30 Wochen an, im Normalfall ist sie nach einigen Wochen überstanden. Dann werden im Körper andere Substanzen stärker. Im Hypothalamus wird etwa das "Bindungshormon" Oxytocin ausgeschüttet. Es steigt nach einem Orgasmus ebenso, wie durch Streicheleinheiten, aber auch nach der Entbindung und beim Stillen.

Wie wichtig Oxytocin für die Bindung ist, zeigten Studien mit Prärie-Wühlmäusen. Die kleinen Nager leben an sich monogam. Blockiert man aber die Oxytocin-Ausschüttung, wechseln sie ihre Partner häufiger. Ein weiterer wichtiger Player im Hormoncocktail der Liebe ist das "Treue-Hormon" Vasopressin. Es stärkt soziale Gefühle, etwa Zusammengehörigkeit und Solidarität.

Serontin sinkt bei Liebeskummer

Das Glückshormon Serotonin hat übrigens nicht nur in der Phase der Verliebtheit eine tragende Rolle – sondern auch dann, wenn eine Liebe vorbei ist. In beiden Fällen wird die Ausschüttung von Serotonin gedrosselt. Man verspürt große Sehnsucht nach dem geliebten Menschen. Doch im Trennungsfall ist das meist mit seelischen Schmerzen und Niedergeschlagenheit verbunden. Experten wie Birgit Maurer vergleichen Liebeskummer daher mit einer Zwangserkrankung: "Man beschäftigt sich praktisch ausschließlich mit dem betreffenden Menschen. Es sind ähnliche Gehirnregionen aktiv wie bei einem Drogenentzug." Auch in diesem Fall "geraten die Botenstoffe durcheinander".

So hält die Liebe

Das ist übrigens keine Frage des Alters, die Biochemie der Liebe bleibt immer gleich. "Genauso, wie wir uns ein Leben lang verlieben können, können wir auch bis ins hohe Alter Liebeskummer haben." Gefeit davor sei niemand. Wenn aus Verliebtheit Liebe wird, sollte man Partnerschaft und Zuneigung allerdings nicht als Selbstläufer betrachten. Gibt es Strategien, um den positiven Hormoncocktail aufrecht zu erhalten? Ja, sagt Maurer: "Sich regelmäßig Zeit füreinander nehmen, über Wünsche und Pläne reden und sich gegenseitig annehmen."

(kurier) Erstellt am
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