Grippewelle: Wie Sie sich jetzt noch schützen können

Eine kranke Frau liegt im Bett und schläft.
Auch wenn Vierfachimpfstoff nicht mehr lieferbar ist, kann man sein Risiko senken. Die wichtigsten Maßnahmen und Tipps.

"Es ist selten, dass ein Influenza-B-Virus eine Grippesaison schon zu Beginn dominiert." Das sagt die Virologin Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien. Dieses hat Dienstag den offiziellen Beginn der Grippewelle in Österreich ausgerufen: Die Experten können mittlerweile in Schleimhautproben aus ganz Österreich Influenzaviren nachweisen: "Die Zahl der Nachweise hat sich gegenüber der vergangenen Woche verdoppelt." Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien meldet aus der Vorwoche – trotz ferienbedingter Lücken – 6800 Neuerkrankungen für Grippe und grippale Infekte.

70 Prozent der Virusnachweise im Labor sind derzeit Influenza-B-Viren der "Yamagata-Linie". Gegen diese schützen aber nur die heuer erstmals in Österreich angebotenen Vierfachimpfstoffe (siehe Grafik). Diese sind aber nicht mehr lieferbar.

"Ganz aus ist der Vierfachimpfstoff noch nicht: Es gibt noch Apotheken, die Restbestände haben – da müssen sich die Konsumenten leider durchfragen. Die Apotheken können aber nichts mehr nachbestellen", sagt Stefan Deibl von der pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer.

Größere Nachfrage als erwartet

Zwei Hersteller haben heuer erstmals einen solchen Vierfachimpfstoff angeboten. Er schützt vor zwei genetischen Linien von Influenza-B-Viren statt wie die Dreifachimpfstoffe vor nur einer. Bernhard Prager, Generalsekretär des Verbandes der Impfstoffhersteller, schätzt, dass rund ein Viertel des Angebots in dieser Saison Vierfachimpfstoffe waren. "Die Nachfrage war größer als erwartet", so Prager. "Die Firmen müssen aber das Risiko ausbalancieren, dass sie am Ende der Saison nicht zu viele Impfstoffe vernichten müssen. Das ist ein wirtschaftliches Risiko." Und die Österreicher sind bei der Influenza Impfmuffel: Nur rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung lassen sich impfen.

Grippewelle: Wie Sie sich jetzt noch schützen können
Grafik

In öffentlichen Impfstellen wie Magistraten gab es – aufgrund eines dreijährigen Liefervertrags der Firma Sanofi Pasteur mit der Bundesbeschaffungsagentur – generell nur Dreifach-Impfstoffe.

Trotzdem: Auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten, sich zu schützen. Und dazu zählt auch das Impfen – mit dem konventionellen Impfstoff.

Die wichtigsten Tipps:

  • Dreifachimpfung "Derzeit werden 30 Prozent der Infektionen durch Influenza-A-Viren verursacht, vor denen die Impfung schützt", sagt Redlberger-Fritz. Und im Laufe der Influenza-Welle – rund acht Wochen – kann es durchaus sein, dass sich auch jene Influenza-B-Viren (Linie Victoria) ausbreiten, vor denen die Dreifachimpfung ebenfalls schützt. "In Nordeuropa machen sie bereits zehn Prozent der Influenza-B-Fälle aus." Eine neue Studie zeigte außerdem: Wer sich jährlich impfen lässt, hat wahrscheinlich auch einen gewissen Schutz gegen Virensubtypen, die der aktuelle Impfstoff nicht abdeckt.
  • Händewaschen Die Erreger von bis zu 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen. Gründliches Händewaschen senkt die Anzahl an Keimen auf den Händen auf bis zu ein Tausendstel. Laut einer Studie der Rutgers University in den USA entfernt kaltes Wasser zumindest Bakterien ebenso gut wie warmes. Während die meisten Experten eine Waschdauer von mindestens 20 bis 30 Sekunden empfehlen, zeigte sich in dieser Studie bereits ab zehn Sekunden keine weitere Verringerung der Bakterienzahl – Viren wurden allerdings nicht untersucht. Wasser ohne Seife ist auf jeden Fall zu wenig.
  • Abstand halten Influenza-Viren werden per Tröpfcheninfektion übertragen, d. h., sie können auch beim Niesen, Husten, Sprechen und Küssen übertragen werden. Ungefähr eine Armlänge von anderen Menschen Abstand halten reduziert das Infektionsrisiko.
  • Auch Genesende nicht gleich küssen Grippe-Patienten sind mindestens einen Tag vor Beginn der ersten Krankheitsanzeichen und danach noch mehrere Tage lang ansteckend.
  • Weniger Stress Dieser schwächt das Immunsystem – Infektionsspezialist Christoph Wenisch vom Kaiser-Franz-Josef-Spital hat es schon im vergangenen November so formuliert: "Wenn möglich, sollte man sich nicht in der Grippe-Saison, sondern im Sommer scheiden lassen."
  • Nicht rauchen Rauchen schwächt das Immunsystem ebenfalls, ebenso zu viel Alkohol und zu wenig Schlaf. Eine Schlafdauer von weniger als sieben Stunden erhöht zumindest das Erkältungsrisiko, zeigte eine US-Studie.
  • Anti-Virus-Mittel Über den Nutzen der sogenannten Neuraminidasehemmer wie Tamiflu wird seit Jahren diskutiert. Redlberger: "Nimmt man sie innerhalb von 24, maximal 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Grippe-Symptome, kann man die Krankheitsdauer um rund einen Tag verkürzen sowie schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen reduzieren."

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