Symbolbild

© APA/AFP/May James/MAY JAMES

Wissen Gesundheit
08/25/2020

Zwei Mal mit Corona infiziert: Was das bedeutet

Die ersten bestätigten Fälle einer zweiten Ansteckung wecken Sorgen, was das für den Verlauf der Pandemie bedeuten könnte. Viele Experten sehen aber keinen Grund zur Beunruhigung.

von Ernst Mauritz

Gibt es also doch keine längerfristige Immunität gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2? Oder darf man die jüngsten Fälle nicht voreilig in diese Richtung interpretieren? Weltweit sorgen Meldungen für Aufsehen, dass es erste bestätigte Fälle einer erneuten, zweiten Infektion mit dem Coronavirus geben soll. Und zwar bei Personen, die bereits seit einiger Zeit als genesen galten.

Der erste derartige Fall betrifft einen 33-jährigen Mann aus Hongkong. Er hatte vor vier Monaten eine erste bestätigte Coronavirus-Infektion. Jetzt war er auf der Heimreise von einem Aufenthalt in Spanien. Bei der Rückkehr wurde bei einem PCR-Test auf dem Flughafen von Hongkong die neuerliche Infektion entdeckt.

Er wurde in ein Spital gebracht, zeigte jedoch keinerlei Beschwerden. Da von seiner ersten Infektion noch Probenmaterial vorhanden war, konnte eine genaue genetische Analyse der Erbgutbausteine beider infektionsauslösenden Viren durchgeführt werden. Und da zeigten sich eindeutige Unterschiede, insgesamt sollen es 24 gewesen sein - ein Beweis dafür, dass es sich keinen späten neuerlichen Nachweis der ersten Ansteckung ist.

Gewisser Schutz offenbar gegeben

Der Mann hatte bereits bei seiner ersten Infektion nur für drei Tage eher milde Symptome - ein wenig Fieber, Husten, Halsschmerzen und Kopfweh. Nach drei Tagen war alles vorbei. Als "gute Nachricht" bezeichneten es nun Immunologen in der New York Times, dass der Patient bei der zweiten Infektion komplett ohne Symptome war - wäre er nicht getestet worden, hätte er von seiner Infektion gar nichts mitbekommen.

Er hatte also zumindest einen gewissen Schutz durch sein Immunsystem: Dieses konnte die neuerliche Infektion zwar nicht verhindern, aber er erkrankte zumindest nicht mehr. Ob er beim zweiten Mal für andere Personen infektiös war, ist noch unklar. Eine Vermutung ist, dass, falls er noch Viren ausgeschieden hatte, dies aber in einem deutlich geringeren Umfang getan hat.

"Dieser Fall belegt, dass zumindest manche Patienten keine lebenslange Immunität haben", sagte der Microbiologe Kelvin To von der Universität Hongkong dem Wissenschaftsmagazin Science. Generell gehen Experten davon aus, dass dies vor allem dann der Fall ist, wenn die erste Infektion sehr mild verlaufen ist und das Immunsystem keine oder nur niedrige Antikörperspiegel produziert hat.

In einem weiteren Statement sagte To: "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Covid-19 in der Bevölkerung dauerhaft zirkulieren könnte, so wie die Coronaviren, die Erkältungskrankheiten auslösen. Und zwar auch dann, wenn die Patienten eine Immunität durch eine natürliche Infektion entwickelt haben."

Doch was das genau bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zumal die Studie zu dem Fall in Hongkong noch nicht zur Gänze veröffentlicht ist und nur einige Daten in einer Presseaussendung publiziert wurden.

Die Studienautoren selbst ziehen zwei Schlüsse: "Es ist unwahrscheinlich, dass eine Herdenimmunität SARS-CoV-2 eliminieren kann" - weil es ja offenbar immer wieder Neuinfektionen geben kann. "Und Impfstoffe werden wahrscheinlich keinen lebenslangen Schutz bieten können."

Andere Wissenschafter halten diese Schlussfolgerungen für verfrüht und betonen den positiven Aspekt, dass der Patient zwar nicht vor einer neuerlichen Infektion, aber zumindest vor einer neuerlichen Covid-19-Erkrankung geschützt war.

Und viele Fragen bleiben offen: Wie häufig passiert das überhaupt? Hat man bei einer Zweitinfektion immer mildere oder gar keine Symptome? Können diese Personen die Infektion weitergeben?

"Nicht überraschend"

Einen Grund für eine Alarmstimmung sehen viele Forscher jedenfalls nicht. "Angesichts der weltweiten Infektionszahlen ist so ein Fall nicht überraschend", sagte etwa Jeffrey Barrett vom Wellcome Sanger Institut in der New York Times: "Das kann sehr selten sein und es kann sein, dass diese Zweitinfektionen nicht schwer verlaufen."

In einem Punkt sind sich alle weitgehend einig: Noch ist nicht klar, ob und wie infektiös Menschen bei einer zweiten Infektion sind. Derzeit versuchen Forscher, Virus von dem Patienten anzuzüchten - wenn es gelingt, wäre das ein Hinweis darauf, dass auch Zweitinfizierte infektiöses Virus weitergeben können. Deshalb sollten auch Personen nach einer durchgemachten Infektion weiterhin alle sozialen Vorsichtsmaßnahmen - Masken tragen, Abstand halten, Hygiene - einhalten. Und auch sie sollten, sobald ein Impfstoff vorhanden ist, immunisiert werden.

"Keine Sorgen machen"

Auch eine WHO-Expertin nahm zu dem Fall Stellung. "Wir wissen heute, dass es eine Antwort des Immunsystems auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus gibt" sagte WHO-Spezialistin Maria van Kerkhove in einer Pressekonferenz. "Aber wir wissen nicht, wie stark sie ist und wie lange sie anhält." Sie betonte aber, dass sich auch Menschen mit einer milden Infektion keine Sorgen machen müssen, weil auch sie eine gewisse Immunantwort ausbilden. Wichtig sei jetzt auf Bevölkerungsebene und durch Langzeitstudien herauszufinden, wie lange die Immunantwort anhält und wie häufig solche Fälle von Zweitinfektionen vorkommen.

Fälle auch in Belgien und den Niederlanden?

Auch in den Niederlanden und in Belgien soll es jetzt Medienberichten zufolge zwei genese Coronavirus-Patienten geben, die sich erneut mit dem Virus angesteckt haben. Bei dem niederländischen Patienten handelt es sich um eine ältere Person mit einem geschwächten Immunsystem, der belgische Patient habe milde Symptome.

Eine echte Neuinfektion kann nur festgestellt werden, wenn eine genetische Untersuchung des Virus durchgeführt wird. Andernfalls könnte es sein, dass - was in seltenen Fällen vorkommt - einfach auch noch nach mehreren Monaten Viruserbgut von der ersten Infektion nachweisbar ist. Dafür gibt es etliche belegte Fälle. In diesem Fall ist aber nur das Viruserbgut nachweisbar und vorhanden, diese Personen sind nicht mehr Träger es infektiösen Virus.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.