Pressekonferenz: von links Paul Sevelda (Präsident Krebshilfe), Ruth Ladenstein (St. Anna-Kinderspital), Rudolf Anschober (Gesundheitsminister)

© Kurier/Gilbert Novy

Wissen Gesundheit
02/04/2020

Welt-Krebstag: Neue Maßnahmen im Kampf gegen Krebs

Erster Schritt: Screeningprogramm für Dickdarmkrebs. Unterstützung für ehemalige Kinderkrebspatienten mit "Survivorship Passport".

"Rund 400.000 Personen leben in Österreich mit einer Krebsdiagnose. Wir wollen und werden uns diesem Thema offensiv stellen", kündigte der Gesundheitsminister bei einer Pressekonferenz in Wien an. Dafür sei es nötig, die Krebsfrüherkennung zu stärken und weiterzuentwickeln.

Deshalb habe er bereits den Auftrag an die Gesundheit Österreich GmbH erteilt, ein Konzept zur Einrichtung eines nationalen Komitees für Screening auf Krebserkrankungen zu erstellen, sagte Anschober.Dieses Komitee hätte künftig zur Aufgabe, dem Gesundheitsminister Empfehlungen für die Implementierung neuer Screening-Programme zu liefern, aber auch bestehende Programme auf Basis von Evaluierungen weiterzuentwickeln. Das Komitee soll sich aus rund zehn ehrenamtlichen Experten zusammensetzen.

Vorbild Brustkrebs-Früherkennungsprogamm

Seit 2014 gibt es in Österreich ein organisiertes Brustkrebs-Früherkennungsprogramm. "Derzeit werden davon 50 Prozent der Frauen erfasst. Ziel wäre es, zumindest 70 Prozent zu erreichen", sagte Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe.

Er hofft, dass ein ähnlich organisiertes Früherkennungsprogramm für Dickdarmkrebs noch in dieser Regierungsperiode eingerichtet werde. Schließlich stehe Dickdarmkrebs an vierter Stelle der häufigsten Krebserkrankungen.

Mit einer vorsorglichen Dickdarmspiegelung um das 50. Lebensjahr konnten in den vergangenen zwölf Jahren 12.000 neue Erkrankungen verhindert werden. Der Grund: Dickdarmkrebs entwickelt sich aus Polypen und Adenomen. "Durch die Entfernung kann man die Entstehung von Dickdarmkrebs verhindern", betont Sevelda

"Suvivorship Passport" für Kinder mit Krebs

Für an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche wird ein "Survivorship Passport" (SUPA) eingeführt. "Das Ziel ist, relevante Informationen darauf gebündelt zusammenzuführen", sagte der Gesundheitsminister. Konkret werden Diagnosen, Therapien und individuelle Nachsorge-Empfehlungen in dem Pass inkludiert.

"Dadurch kann künftig der Arzt gewechselt werden, ohne ständig die gleiche Vorgeschichte erzählen zu müssen", zeigte sich Carina Schneider von der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe erfreut.  Die Psychologin erkrankte selbst als 17-Jährige an Knochenkrebs. Auch Ruth Ladenstein, Kinderkrebsforscherin am St. Anna Kinderspital, gewann SUPA nur Gutes ab. Schließlich sei "die Komplexität einer Krebserkrankung für Behandler derzeit oft nicht leicht zu erfassen".

HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs wünscht sich Sevelda, dass alle Viertklässler gegen HPV geimpft werden, außer deren Eltern würden dies aktiv ablehnen. Eine derartige Impfung wäre "extrem wirksam", da Gebärmutterhalskrebs nahezu ausschließlich durch HPV-Viren verursacht werde, erklärte der Krebshilfe-Präsident. Die Impfung gibt es seit ungefähr 15 Jahren, seit 2014 ist sie auch Bestandteil des kostenlosen Schulimpfprogrammes für Kinder zwischen dem neunten und zwölften Geburtstag. Es könne aber aufgrund von Umfragen davon ausgegangen werden, dass weniger als die Hälfte der Kinder auch dagegen geimpft sei, sagte Sevelda.

Die NEOS schlossen sich in einer Aussendung der Forderung nach einer HPV-Impfung mit "Opt-Out"-Funktion an. "Das wäre ein signifikanter Beitrag zur allgemeinen Gesundheit in Österreich", sagte Gerald Loacker, Gesundheitssprecher der NEOS, und kündigte einen entsprechenden Antrag im nächsten Plenum des Nationalrats an.

Psychoonkologische Betreuung

Schließlich kündigte der Gesundheitsminister noch die Verbesserung der psychoonkologischen Betreuung und Versorgung von Krebspatienten an. "Psychoonkologische Unterstützung ist wahnsinnig wichtig", erklärte Promi-Friseurin Barbara Reichard, die kürzlich an Lungenkrebs erkrankte und bei der Pressekonferenz somit aus Erfahrung sprach. "Mit den Folgen einer Krebsdiagnose und einer Chemotherapie kommt man alleine kaum zurecht", betonte Reichard.

Wesentlich sei aber auch die Vorsorge. "Wir wissen als Menschen, als Gesellschaft: Wir können etwas beitragen."

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