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Wissen Gesundheit
08/03/2021

Was hinter dem Verlust des Geruchssinns bei Covid-19 stecken kann

Schätzungen gehen davon, dass jeder Zweite oder sogar drei Viertel aller Erkrankten von der Beeinträchtigung des Geruchssinns betroffen sind.

von Anita Kattinger

Covid-19 wird häufig mit Riechstörungen nach einer Virusinfektion in Verbindung gebracht: Die Mechanismen, durch die Sars-CoV-2 die Funktion der Nase beeinträchtigen, sind nicht bekannt.

Klinische Studien über neu auftretende olfaktorische Funktionsstörungen nach Virusinfektionen waren bisher durch kleine Stichprobengrößen in ihrer Aussagekraft begrenzt, wie eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift The Lancet zeigt.

Obwohl inzwischen Daten aus neuropathologischen Proben zur Verfügung stehen, ist die bildgebende Untersuchung des Geruchssinns in der akuten Infektionsphase aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Infektionskontrolle und kritischer Erkrankungen immer noch selten.

Wie hoch die Rate von Riechstörungen bei Patienten mit Covid-19 ist, ist nicht bekannt: Schätzungen legen nahe, dass jeder Zweite oder sogar drei Viertel aller Erkrankten von der Beeinträchtigung des Geruchssinns betroffen sind.

Schnelle Erholung

Auch warum und wie die Genesung funktioniert, ist noch nicht geklärt. In den meisten Fällen erholt sich die Riechfunktion schnell und scheinbar vollständig und tritt in der Regel parallel zum Abklingen der anderen Symptome auf.

Im Median dauert es etwa zehn Tage, bis sich Patientinnen und Patienten von einer Riechstörung erholen, manche leiden weiterhin unter Riechstörungen. Forscher betonen, dass Menschen trotz anhaltender Riechstörung nicht mehr ansteckend sind.

Bei jenen, deren Geruchsfunktion nicht wiederhergestellt ist, ist unklar, ob dies auf eine nicht umkehrbare Schädigung der im Epithel des Nasengewölbes eingebetteten Geruchsneuronen, eine Schädigung des Riechkolbens oder eine Funktionsstörung in anderen Signalwegen des Zentralen Nervensystems zurückzuführen ist.

Insgesamt deuten Daten der aktuellen Übersichtsarbeit auf eine Entzündung im Riechepithel, im Riechkolben oder in beiden Bereichen hin. Röntgen zeigen, dass die Riechspalten des oberen Nasengewölbes bei Erkrankten nicht blockiert sind.

Diese Entzündung führt bei manchen Genesenen zu anhaltenden Defiziten im Riechvermögen.

Es braucht Untersuchungen in der Akutphase der Infektion

Die Entzündungswege im Nasenepithel überschneiden sich im Wesentlichen mit den Entzündungssignalen, die bei manchen Demenzpatienten beschrieben werden.

Obwohl ein definitiver Zusammenhang zwischen chronischer oder dauerhafter Geruchsbeeinträchtigung und zukünftiger neurologischer Anfälligkeit noch nicht hergestellt werden kann, deuten einige Studien auf einen Zusammenhang hin.

"Wir vermuten, dass bei Menschen, die sich von Covid-19 erholt haben, und unter einer chronischen, wiederkehrenden oder dauerhaften Riechstörung leiden, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von neurologischen Folgeerscheinungen oder neurodegenerativen Störungen auf lange Sicht vorliegt."

Ein Entzündungsreiz vom Riechepithel (Gewebe der Nasenschleimhaut im Bereich des Nasendachs) zum Riechkolben und den damit verbundenen Hirnregionen könnte das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen beschleunigen.

Anhaltende Riechstörungen mit oder ohne Wahrnehmungsverzerrungen (Parosmien oder Phantosmien) nach einer SARS-CoV-2-Infektion könnten daher als Marker zur Identifizierung von Personen mit einem erhöhten Langzeitrisiko für neurologische Erkrankungen dienen.

MRT-Untersuchungen bei Menschen mit Geruchsverlust, die während der akuten Phase der SARS-CoV-2-Infektion durchgeführt werden, würden dazu beitragen, Wissenslücken zu schließen, so die Wissenschafter im The Lancet. Klinische Studien könnten auch nützlich sein, um festzustellen, ob bestimmte Wirkstoffe die anhaltende Störung des Geruchssinns verringern.

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