Eine Zelle (blau), die mit dem Coronavirus (rot) infiziert ist: Die Variante BA.2 scheint  infektiöser zu sein.

© APA/AFP/National Institute of Allergy an/-

Wissen Gesundheit
01/24/2022

Variante BA.2: Omikrons kleine Schwester in Österreich angekommen

In Dänemark steigen durch die Untervariante weiterhin die Zahlen. Auch in Österreich wurde BA.2 bereits nachgewiesen.

von Elisabeth Gerstendorfer

Omikron sorgt derzeit in Österreich für steigende Fallzahlen. Mit der Untervariante BA.2 könnte das noch länger so bleiben. Denn während in Ländern wie Großbritannien und Südafrika die Welle langsam wieder abflacht, zeigt sich in Dänemark ein anderes Bild: Dort breitet sich derzeit ein Omikron-Abspalter, die Variante BA.2, aus und sorgt dafür, dass das Sechs-Millionen-Einwohner-Land weiterhin mit neuen Höchstständen von mehr als 40.000 Neuinfektionen pro Tag konfrontiert ist. Die Infektionen mit BA.1 gehen zurück, ein Abflachen der Omikron-Welle ist aber noch nicht zu sehen. Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei rund 4.500 Fällen je 100.000 Einwohner.

BA.2 ist bereits für mehr als die Hälfte davon verantwortlich. Im Dezember war der Anteil der Subvariante noch zwei Prozent. Auch hierzulande wurde die Variante bereits nachgewiesen. Wie ist BA.2 im Unterschied zu BA.1 charakterisiert und was ist für Österreich zu erwarten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Wie unterscheiden sich BA.1 und BA.2?

"Während Omikron BA.1 das Rennen anführt, holt die kleine Schwester BA.2 zahlenmäßig auf. Sie sind recht unterschiedlich, was sich wahrscheinlich auf die Funktion auswirkt", schreibt Genetiker Ullrich Elling auf Twitter. Bisher bekannt ist, dass sich das Spike-Protein der beiden Subtypen in 18 Mutationen unterscheidet. Elling geht davon aus, dass BA.2 dadurch einem aufgebauten Immunschutz noch besser entkommen kann. Das heißt: Menschen, deren Immunität eine Infektion mit BA.1 noch abwehren konnten, sind vielleicht vor BA.2 weniger gefeit.

Das sei plausibel, da BA.2 in der rezeptorbindenden Domäne – jenem Teil des Spike-Proteins, mit dem der Erreger an den Zellen andockt und auf den viele Antikörper abzielen – relativ viele Mutationen aufweist, so Elling.

BA.2 scheint zudem infektiöser zu sein und sich schneller zu vermehren. Britische Forscher gehen davon aus, dass sich BA.2 zweimal so schnell verbreitet wie BA.1. Die Subvariante weist an jenen Stellen des Spike-Proteins, die für das Verschmelzen von Virus und menschlicher Zelle verantwortlich sind, weniger Mutationen auf als BA.1. Das könne laut Elling der Grund dafür sein, dass ein schnelleres Vermehren möglich ist.

Ist BA.2 milder als BA.1?

Wie sich die Unterschiede der beiden Untervarianten auf den Krankheitsverlauf auswirken, darüber ist bisher wenig bekannt. In Dänemark zeigt sich, dass BA.2 nicht gefährlicher sein dürfte als BA.1. Es gibt in den bisherigen Daten keinen Unterschied zwischen den beiden Varianten hinsichtlich der Hospitalisierung, verkündete das Staten-Serum-Institut (SSI), das für das Corona-Monitoring zuständig ist.

Trotz hoher Infektionsraten sinken die Spitalseinweisungen, ebenso die Zahl der Menschen, die beatmet werden müssen. Grundsätzlich sind durch Impfung oder durchgemachte Erkrankung schon sehr viele Menschen zumindest vor schweren Verläufen mit allen SARS-CoV-2-Varianten inklusive Omikron geschützt. Ellling: "Omikron verläuft im Schnitt milder, weil es großteils geschützte Personen infiziert." Das werde voraussichtlich bei Omikron-BA.2 nicht viel anders sein. Es ist aber unklar, ob der Subtyp selbst "für Ungeimpfte nicht wieder ein Schritt in die falsche Richtung ist. Wir wissen es bisher nicht."

Wie wirken die Impfstoffe gegen BA.2?

"Wir erwarten, dass die Impfungen bei BA.2 denselben Effekt gegen schwere Erkrankungen hat. Die Impfstoffe wirken immer noch gegen schwere Krankheiten und Todesfälle", sagte der dänische Virologe Anders Fomsgaard vom SSI. Gleichzeitig könnte die sehr hohe Durchimpfungsrate Einfluss auf die sinkende Hospitalisierung haben. Dänemark hat mit 82 Prozent eine der weltweit höchsten Impfraten und liegt auch bei den Booster-Impfungen mit 58 Prozent weit vorne. Zum Vergleich: In Österreich sind 74 Prozent der Menschen zweimal geimpft, die Booster-Rate beträgt 48 Prozent.

Ist eine Erkrankung durch BA.2 nach einer Infektion mit BA.1 möglich?

"Es ist möglich, dass Sie sich zuerst mit BA.1 infizieren und kurz darauf mit BA.2", berichtet Experte Fomsgaard. Solche Fälle seien etwa in Norwegen dokumentiert worden und müssten im Auge behalten werden. Gleichzeitig warnte er aber vor übertriebener Sorge. "Wir können bei Omikron BA.2 keinen Unterschied bei den Krankenhauseinweisungen und Todesraten feststellen, also ist es nichts, was uns als solches beunruhigt. Aber wir sind uns auch bewusst, dass wir eine sehr kurze Beobachtungszeit haben", so Fomsgaard.

Dass sich eine Vielzahl von Menschen in kurzer Zeit erneut infizieren, halte er eher für eine theoretische Möglichkeit – auch, wenn dies beobachtet werden müsse.

Genetiker Elling geht davon aus, dass wer an der ersten Variante erkrankt ist, sich eher nicht mit BA.2 infizieren werde. Mit jeder Konfrontation durch Impfung oder Infektion baue das Immunsystem eine breitere Antwort auf, wodurch die Wahrscheinlichkeit für mildere Verläufe steigt.

Wird BA.1 durch BA.2 abgelöst werden?

Laut Elling müsse man damit rechnen, dass BA.2 die Führung übernehmen wird. In Dänemark ist die Variante bereits für mehr als die Hälfte der Infektionsfälle verantwortlich. Als die Omikron-Welle im Dezember begann, machte BA.2 noch etwa zwei Prozent der Infektionsfälle aus. "Die Augen der Welt ruhen auf uns, um herauszufinden, was mit BA.2 passiert. Es gibt keine Erklärung dafür, warum es nach Dänemark gekommen ist, und sich gerade hier so stark ausbreitet", meint Fomsgaard.

Wie verbreitet ist BA.2 in Österreich?

BA.2 wurden in systematischen Analysen von Proben aus Kläranlagen bereits nachgewiesen. Von einer Verdrängung der großen Schwester BA.1 kann derzeit noch nicht ausgegangen werden. Unklar ist, wo BA.2 das erste Mal aufgetreten ist. Bekannt sind Fälle aus Norwegen, Schweden, Großbritannien, Singapur und Indien. Dass Dänemark die Variante früh entdeckt hat, liegt auch daran, dass das Land so viel sequenziert, also in Proben nach Mutationen sucht, wie kaum ein anderes. Die WHO stufte BA.2 einstweilen als "zu beobachtende Variante" ein, noch nicht als "besorgniserregende Variante".

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