Wissen | Gesundheit
22.06.2018

Studie zu Scheidentrockenheit: Das tabuisierte Intimproblem

Forscher appellieren an betroffene Frauen, ihre Beschwerden mit ihrem Arzt zu besprechen.

Über Scheidentrockenheit wird nicht gerne gesprochen – auch nicht mit dem zuständigen Facharzt, wie eine neue Studie zeigt.

Trockenheit im Vaginalbereich macht sich durch Brennen, Jucken und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Wasserlassen bemerkbar. Ursachen für das Intimproblem gibt es viele (medikamentöse Behandlung, Chemotherapie, Geburt, Stillzeit, etc.), besonders häufig ist der sinkende Östrogenspiegel während der Menopause dafür verantwortlich.

Forscher der North American Menopause Society (NAMS) haben sich im Zuge einer Erhebung angesehen, wie verbreitet das Problem unter Frauen in den Wechseljahren ist – und wie Betroffene damit umgehen.

Tabuthema

Analysiert wurden Daten der großangelegen Langzeiterhebung "Study of Women Across the Nation", die über 2.400 Frauen über einen Zeitraum von 17 Jahren untersucht hat. Es zeigte sich, dass 19 Prozent aller Frauen zwischen 42 und 53 Jahren an Scheidentrockenheit leiden. Zu einem späteren Analysezeitpunkt – die Frauen waren hier zwischen 57 und 69 Jahren alt – stieg der Anteil auf 34 Prozent.

Obwohl Scheidentrockenheit bei Frauen in den Wechseljahren weit verbreitet ist, sucht nur ein Bruchteil Rat beim Facharzt. Der Erhebung zufolge sprechen über 50 Prozent der Frauen nicht mit einem Experten über die Problematik, weniger als vier Prozent der Betroffenen lassen sich diesbezüglich behandeln. Therapiemöglichkeiten umfassen unter anderem östrogenhaltige Cremes oder Vaginalzäpfchen, die lokal angewandt werden.

Nach der letzten Regelblutung sinkt der Östrogenspiegel im Körper der Frau. Ist zu wenig Östrogen vorhanden, werden Haut und Schleimhäute der Vagina dünner, was eine trockene Scheide begünstigt. Zudem ist die Schleimhaut der Vagina mit zunehmendem Alter schlechter durchblutet, was eine Scheidentrockenheit ebenfalls fördert. Das Risiko für Infektionen mit Pilzen oder Bakterien ist erhöht, auch können Blasenentzündungen häufiger vorkommen.

Behandlungsoptionen aufzeigen

"Studien haben bestätigt, dass obwohl über die Hälfte aller Frauen in den Wechseljahren Scheidentrockenheit entwickelt, der Großteil das Problem nicht anspricht", erklärt JoAnn Pinkterton, Leiterin der North American Menopause Society. Es sei schockierend, dass weniger als vier Prozent der betroffenen Frauen Therapiemöglichkeiten in Anspruch nehmen. An Frauen appelliert Pinkerton, ihre Beschwerden mit ihrem Arzt zu besprechen. Die verantwortlichen Akteure im Gesundheitswesen fordert sie dazu auf, effektive und für die Anwenderinnen sichere Behandlungen anzubieten.