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Wissen Gesundheit
02/14/2020

Studie: THC-Cannabisarzneimittel helfen älteren Schmerzpatienten

Schmerzgesellschaft fordert Überdenken der restriktiven Bewilligung, besonders für Schmerzpatienten.

THC-Cannabisarzneimittel wie Dronabinol könnten die Lebensqualität von Senioren mit chronischen Schmerzen wesentlich verbessern, berichtete die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖGS) unter Verweis auf eine neue Studie. Diese Therapieoption solle daher gleichermaßen für geriatrische Schmerz- wie für Palliativpatienten "frühzeitig erwogen" und weniger restriktiv als bisher bewilligt werden.

Dronabinol bezeichnet den Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Das psychoaktive Cannabinoid wird üblicherweise gegen Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit eingesetzt, etwa bei Menschen, die an Krebs oder HIV/Aids erkrankt sind, sowie bei schmerzhafter Spastik infolge Multipler Sklerose und Querschnittsyndrom. Zur Schmerzlinderung kann das Mittel seit 2004 verschrieben werden.

Zusätzliche Schmerzlinderung

Deutsche Forscher analysierten bei 93 Schmerzpatienten ab dem 80. Lebensjahr (davon rund 45 Prozent Palliativpatienten) Dosierung, Schmerzstärke, Effekte und Nebenwirkungen einer Therapie mit Dronabinol. Dabei wurde in beiden Gruppen eine zusätzliche Schmerzlinderung nachgewiesen.

52,5 Prozent der nicht-palliativen Patienten verzeichneten eine Verbesserung von mehr als 30 Prozent, bei zehn Prozent betrug sie sogar über 50 Prozent. Im Durchschnitt wurden vier Symptome oder unangenehme Nebenwirkungen der Vortherapie positiv beeinflusst. 26 Prozent der Behandelten gaben Nebenwirkungen an. Die Ablehnungsquote durch die Krankenversicherungen betrug bei den nicht-palliativen Schmerzpatienten 39 Prozent und zehn Prozent bei geriatrischen Palliativpatienten. (Palliativmedizin meint die Versorgung schwerkranker Menschen mit einer nicht heilbaren Grunderkrankung durch Schmerzlinderung, Anm.).

Neuer Beweis für diese Therapieoption

"Die aktuelle Studie liefert den Nachweis, dass Dronabinol eine effektive, risikoarme Therapieoption für geriatrische Schmerzpatienten und geriatrische Palliativpatienten darstellt und frühzeitig erwogen werden sollte", sagte ÖSG-Vorstandsmitglied Hans Georg Kress, Vorstand der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerzmedizin, Medizinische Universität/AKH Wien. Für geriatrische nicht-palliative Patienten werde es aber "in Österreich noch häufiger als in Deutschland von den Kassen nur sehr restriktiv bewilligt. Das sollte im Lichte der neuen Forschungsergebnisse überdacht und geändert werden".