Wissen | Gesundheit
22.06.2018

Stillförderung weltweit: Nachholbedarf in Österreich

Stillförderung ermöglicht eine kostengünstige Gesundheitsvorsorge für Mutter und Kind. Ein WHO-Bericht zeigt Lücken im österreichischen System.

Muttermilch ist das Beste für Säuglinge. Nicht umsonst empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation ( WHO), neugeborene Kinder, wenn möglich, bis zum sechsten Monat zu stillen.

Wie bedeutsam die Stillzeit für Mutter und Baby ist, weiß auch Petra Welskop, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums (ÖHG): "Die Nährstoffe sind perfekt auf das Baby abgestimmt. Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich an die Entwicklungsphasen des Kindes an." Viele gesundheitliche Beeinträchtigungen, die ein Mensch im späteren Leben erleiden kann, könnten durch Stillen verhindert werden, ergänzt Anita Schoberlechner, Präsidentin des Verbandes der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs (VSLÖ).

Geprüften Still- und Laktationsberatern, auch IBCLCs (International Board Certified Lactation Consultant, Anm.) genannt, komme daher große Bedeutung zu, etwa bei der Hilfestellung beim Stillen kurz nach der Geburt, bei Problemen beim Anlegen des Säuglings oder bei besonderen Stillsituationen, so Schoberlechner.

Bericht zeigt Lücken auf

Besonders in den letzten Jahren sind viele Maßnahmen zur Stillförderung umgesetzt worden. Dass Österreich noch Aufholbedarf auf diesem Gebiet hat, zeigen die Ergebnisse der World Breastfeeding Trends Initiative (WBTi), im Zuge derer der aktuelle Stand der Dinge in 96 WHO-Mitgliedsländern erhoben wurde.

"Der WBTI-Report zeigt die Notwendigkeit auf, dass Daten erhoben werden, und dass wir in Österreich – seit der Stillstudie aus dem Jahr 2006 – keine validen Daten zum Stillverhalten haben. Mit dem internationalen Vergleich werden solche Lücken in Österreich sichtbarer, und wir hoffen, dass nun bald wieder und ab dann regelmäßig Stilldaten für Österreich erhoben werden", so Hebamme Romana Wagner, Vorstandsmitglied des ÖHG.

Schwache Platzierungen im Vergleich

Um das Stillen zu fördern, werden seit einigen Jahren gezielt Maßnahmen umgesetzt. "Gerade in Sachen Baby-Freundlichkeit im Gesundheitswesen stehen wir jedoch erst am Anfang, denn im Zuge des WBTI-Reports hat sich herauskristallisiert, dass Österreich bei Krankenhäusern mit Kreißsaal und Wochenbettstation sowie sonstigen Entbindungseinrichtungen auf diesem Gebiet europaweit auf Platz 11 von 15 sowie weltweit auf Platz 36 von 96 Ländern liegt", so Anita Schoberlechner. Wichtig wären auch umfassendere Strategien, um den Informationsfluss sowie die Aus- und Fortbildung zum Thema Säuglings- und Kleinkindernährung weiter auszubauen. Eine bessere Ausbildung aller im Gesundheitssystem Tätigen während ihrer Grundausbildung wäre wünschenswert.

Anspruch auf Hebammenbetreuung

Dass jedoch auch viele Erfolge erzielt werden können, zeigt die Tatsache, dass seit Jänner 2017 alle Frauen nach der Geburt Anspruch auf Hebammenbetreuung im Wochenbett haben. Welskop dazu: "Leider gibt es jedoch bei weitem nicht genug Hebammen für die Wochenbett-Betreuung." Die Frauen müssen sich daher sehr früh in der Schwangerschaft dafür anmelden und Hebammen mit Kassenvertrag sind oft ausgebucht.