Leben
30.03.2018

Mütter, die nicht stillen: Spital spricht von "künstlicher" Ernährung

Wegen des Kommentars steht die medizinische Einrichtung in Großbritannien in der Kritik.

Wenn die Muttermilch nach der Geburt nicht einschießt, bereitet das Müttern oft Sorgen. Denn die verbreitete Expertenmeinung, dass Muttermilch das Beste für den Nachwuchs ist und Säuglinge nur durch Stillen optimal versorgt werden können, setzt Mamas unter Druck. Nicht selten münden die gegen sich selbst gerichteten Vorwürfe, das Gefühl der Unzulänglichkeit, Versagensängste und Verzweiflung in eine Wochenbettdepression.

Dementsprechend unpassend empfinden britische Mütter die Wortwahl einer Stiftung des Nationalen Gesundheitsdienstes in Großbritannien, die insgesamt drei Krankenhäuser im Land betreibt. In einem Brief hält die Stiftung fest, dass man Müttern, die nicht stillen, keine Säuglingsmilchnahrung mehr zur Verfügung stellen wird. Das berichtet die BBC.

Kind "künstlich" ernähren

Unter dem Titel "Was muss ich mitbringen, wenn ich mein Kind künstlich ernähren möchte?" informiert die Stiftung werdende Mütter, das ab dem 1. Mai keine Ersatzprodukte im Krankenhaus mehr zur Verfügung stehen werden. Mütter, die nicht stillen, müssten sich daher selbst mit entsprechenden Produkten versorgen. Sollte die Gabe von Säuglingsnahrung aus medizinischen Gründen notwendig sein, würde man dies mit der Mutter besprechen und die Milch bereitstellen, "wenn es notwendig ist".

Die Öffentlichkeit erfuhr von dem Brief, weil Kathryn Booth diesen auf Twitter teilte. Mit dem Nachsatz, dass Mütter "Unterstützung und Verständnis" bräuchten. Booth, die selbst Probleme hatte ihre Tochter zu stillen, schrieb weiter: "Meine Tochter und ich haben es einfach nicht hinbekommen. (...) Nachdem ich mich tagelang furchtbar gefühlt habe, gab ich ihr das Fläschchen und der Unterschied war großartig. Aber ich habe mich immer dafür geschämt."

Andere Twitter-User pflichteten Booth bei. Zwar sei die Säuglingsmilch tatsächlich "künstlich" hergestellt, die Formulierung des Briefes müsse jedoch "einfühlsamer" gestaltet werden, so der Tenor. Eine Userin twitterte, dass ihr beim Lesen des Briefes "übel" geworden sei.

Eine Sprecherin der Klinik sagte der BBC, dass die Entscheidung keine Ersatzmilch zur Verfügung zu stellen, Teil einer Kampagne zur Unterstützung des natürlichen Stillens sei. Der Entschluss stehe im Einklang mit einer Still-Initiative der UNICEF. Man werde das kritische Feedback allerdings berücksichtigen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt grundsätzlich, (wenn möglich) bis zu sechs Monate nach der Geburt des Kindes ausschließlich zu stillen. Das Teilstillen in Kombination mit Beikost könne bis zu zwei Jahren oder darüber hinaus durchgeführt werden.