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Wissen Gesundheit
09/05/2020

Schule, Skisaison, Grippewelle: Corona-Herbst der Ungewissheiten

Die Schulen öffnen, der Kulturbetrieb wird aufgenommen, Sportveranstaltungen lassen wieder Zuschauer zu – ein Überblick über die größten Herausforderungen der kommenden Monate.

von Valerie Krb

„Der 1. September ist ein symbolischer Tag, ein Tag der Zäsur“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei seiner Pressekonferenz am Dienstag. Und meinte damit den Beginn von Phase 4, also jener der Bekämpfung der Pandemie in Österreich. Doch eigentlich ist es der 7. September, der hierzulande den Start eines neuen Alltags markiert.

Die Urlaubszeit ist vorbei, erstmals seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie probieren wir so etwas wie Normalität. Am Montag beginnt die Schule in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Und mit den großen Tankern wie Wiener Staatsoper und Burgtheater nimmt auch der Kulturbetrieb wieder volle Fahrt auf. Nicht zu vergessen der Start der Fußball-Bundesliga, bei der Zuschauer – wenn auch limitiert – wieder zugelassen sind.

Die Voraussetzungen muten nicht sonderlich günstig an, noch dazu, da im Regelfall ab November die Grippesaison erschwerend dazu kommt. In der vergangenen Woche gab es den höchsten Anstieg an Neuinfektionen seit 3. April. Die Regierung gab zunächst nur Empfehlungen ab, seit Freitag ist jedoch die Corona-Ampel scharf gestellt. Sie zeigt an, wie es mit den Infektionszahlen in den jeweiligen Bezirken sowie den Großstädten aussieht.

Gleich zu Beginn wurden Wien, Graz, Linz und der Bezirk Kufstein Gelb eingefärbt. Als Konsequenz wird in einem ersten Schritt die Maskenpflicht ausgeweitet. Welche Folgen die Farben Orange und Rot aber mittelfristig haben werden, ist ungewiss.

Große Unsicherheit

Wie wird sich das Zusammenspiel all dieser Aspekte auf den Verlauf der Pandemie und damit auf unser Leben auswirken? Der KURIER wirft mit Andreas Sönnichsen, dem Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin der Medizinischen Universität Wien, einen Blick auf die wichtigsten Themen des Herbstes.

Der Schulbeginn bereitet Eltern und Kindern derzeit große Sorgen. Am Montag ist der Startschuss in Ostösterreich. Am 13. September folgen die restlichen Bundesländer von Oberösterreich bis Vorarlberg. Von einer allgemeinen Maskenpflicht wurde zwar abgesehen, stattdessen soll auf Gurgeltests und regelmäßiges Lüften gesetzt werden. Mediziner Sönnichsen beruhigt aber: „Kinder stellen eine untergeordnete Rolle bei der Verbreitung der Pandemie dar. Es wird zwar einzelne Infektionen geben, aber ich halte es angesichts der derzeitigen Zahlen nicht für gerechtfertigt, ein Schichtsystem oder Ähnliches einzuführen.“

Die Neuinfektionen seien zwar gestiegen, ein positives Testergebnis sei jedoch nicht mit einer Erkrankung gleichzusetzen. Und noch viel wichtiger: „Es gibt keinen nennenswerten Anstieg bei Hospitalisierungen oder der Intensivbelegung.“

Die geplanten Gurgeltests würden helfen, die Situation im Auge zu behalten. Dennoch brauche es eine sinnvolle Teststrategie. „Im Winterhalbjahr machen fast hundert Prozent der Bevölkerung irgendeine Art der Erkältung durch. Aufgrund der Symptome ist es nicht möglich, diese von einer Covid-19-Erkrankung zu unterscheiden“, meint Sönnichsen. Er rät, vor allem symptomatische Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren zu testen. Also zum Beispiel jene, die Kontakt zu einem Covid-19-Patienten hatten. Sonst müsse man wohl die gesamte Bevölkerung durchtesten, und dies sei nicht durchführbar.

Am 7. September startet aber nicht nur die Schule, auch der Kulturbetrieb wird wieder intensiver aufgenommen. Den Beginn macht die Staatsoper mit „Madama Butterfly“. Im gesamten Gebäude muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, nur am Sitzplatz kann er zumindest vorerst noch abgenommen werden. Sönnichsen sieht hier kein vermehrtes Risiko einer Ansteckung. „Die Säle sind meistens sehr hoch, es gibt eine Klimaanlage, die Menschen grölen nicht herum. Das Infektionsrisiko ist sehr gering.“

Im Gegensatz zu Sportveranstaltungen. „Hier geht es sehr unkontrolliert zu. Die Besucher sind emotional, vielleicht alkoholisiert und schreien herum.“ Dennoch sind wieder 10.000 Zuschauer in den Stadien erlaubt. Am 11. September startet die Fußball-Bundesliga mit dem Spiel Rapid Wien gegen Admira Wacker. Allgemeinmediziner Andreas Sönnichsen erachtet die Limitierung der Zuschauer als sinnvoll, da dadurch ein ausreichender Abstand gewährleistet werden könne.

Schulstart: Am Montag beginnt die Schule im Osten Österreichs. Am 13.9. folgen die restlichen Bundesländer

Theater: Ebenso am Montag nimmt die Staatsoper ihren Spielbetrieb auf. Das Burgtheater beginnt am Freitag

Fußball: Am 11.9. startet die Bundesliga

Skisaison: Im November öffnen die meisten Skigebiete. Sölden etwa am 19.11.

Böse Erinnerungen

Im November öffnen dann in Österreich auch die Skigebiete. Sölden etwa hat als ersten Skitag den 19. November angesetzt, Ischgl den 26. November. Das weckt böse Erinnerungen, immerhin waren die Après-Ski-Lokale der Brennpunkt der Ausbreitung im März. Solange man aber Diskotheken, Clubs und Après-Ski-Lokale meide, sieht Sönnichsen ein geringes Risiko. „Beim Skifahren ist man ja hauptsächlich an der frischen Luft. Sich im Sessellift anzustecken, halte ich für extrem unwahrscheinlich.“

Ein großer Unsicherheitsfaktor ist jedoch die Grippewelle, die für den November erwartet wird. Auch was die Kapazitäten in den Spitälern betrifft. Sönnichsen zeigt sich dennoch optimistisch: „Meine persönliche Prognose ist, dass wir dieses Jahr eine sehr milde Grippewelle haben werden. Denn aufgrund der Covid-19-Pandemie halten wir uns sowieso an Hygiene- und Abstandsregeln und werden somit auch in Hinblick auf die Influenza die Ansteckungen reduzieren.“ Dennoch sollte jeder, der im Krankenhaus stationär wegen einer Atemwegsinfektion aufgenommen wird, nicht nur auf das Coronavirus, sondern auch auf andere Infektionen getestet werden. So könne man für die Zukunft eruieren, welche Infektion wie schwer ins Gewicht fällt.

Ganz generell gibt der Mediziner den simplen, aber effektiven Rat für den Herbst: „Wer Symptome hat, sollte Zuhause bleiben. So vermindern wir das Ansteckungsrisiko auf alle Fälle.“

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