Wissen | Gesundheit
07.07.2018

Rückruf von Blutdrucksenkern: Es gibt ausreichend Alternativen

Wirkstoff Valsartan: 40 Prozent des Marktvolumens von Rückholung betroffen. Originalpräparate sind weiter erhältlich.

Die Aufrufe der Mediziner sind eindringlich: „Blutdruckpatienten dürfen auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt ihr Valsartan-hältiges Medikament zur Senkung des Bluthochdrucks absetzen“, sagt die Kardiologin Sabine Perl von der MedUni Graz, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (Österr. Hochdruckliga): „Es kann sonst zu gefährlichen Blutdruckentgleisungen kommen.“

54 valsartanhaltige Arzneimittel werden europaweit vorsorglichzurückgerufen – ein akutes Patientenrisiko besteht aber nicht (der KURIER berichtete). Betroffen sind ausschließlich Generika. Grund für den Rückruf ist eine mögliche produktionsbedingte Verunreinigung mit einem Lösungsmittel beim chinesischen Hersteller des Valsartan. Er lieferte den Wirkstoff für diese Präparate zu. Wie lange sie nicht erhältlich sein werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Laut einer Marktanalyse von IQVIA sind rund 40 Prozent des österreichischen Marktes mit valsartanhältigen Medikamenten vom Rückruf betroffen, so Christoph Baumgärtel vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) – auf der Homepage des Amtes (www.basg.gv.at) kann die gesamte Liste abgerufen werden. Diese Präparate können vorläufig nicht neu verordnet werden. Nicht betroffen sind die Medikamente des Generika-Herstellers TAD Pharma (Krka-Gruppe) und vor allem – vom Marktanteil deutlich größer – alle valsartanhältigen Originalpräparate der Novartis Pharma GmbH.

Die Ausweichmöglichkeiten

Laut IQVIA wurden im Vorjahr in Österreich 2,15 Millionen Packungseinheiten (Packungen verschiedener Größen) an valsartanhältigen Produkten verkauft. Der Anteil der vom Rückruf betroffenen Generika-Firmen betrug 860.000 Packungseinheiten. Rund zwei Millionen Österreicher haben Bluthochdruck, 500.000 davon sind in regelmäßiger Behandlung.

„Wir stellen alle unsere Präparate, die den Wirkstoff Valsartan enthalten – Mono- und Kombipräparate – in unserer konzerneigenen Produktion in Irland und der Schweiz her“, sagt Novartis-Sprecher Christian Thonke. „Wir arbeiten auch fieberhaft daran, unsere Produktionskapazitäten zu erhöhen.“ Denn viele Patienten werden wahrscheinlich auf eines der Novartis-Präparate umgestellt werden.

Ob Novartis europaweit alle Ausfälle kompensieren kann, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

„Es gibt aber genügend andere Ausweichprodukte“, beruhigt Kardiologin Perl. Valsartan ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Sartane: „Es gibt auch andere Sartane, die genauso gut wirken.“ Diese Substanzklasse wird als „Angiotensin-Rezeptorblocker“ bezeichnet. „Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Substanzklassen, die übereinstimmend mit den Behandlungsrichtlinien zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden können“, betont Perl. Etwa sogenannte ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten oder – in bestimmten Fällen – auch Betablocker. „Es können garantiert alle Blutdruckpatienten weiterhin optimal medikamentös versorgt werden“, betont Perl.