Für Betroffene ist Stresskopfweh eine Bürde, die sie einige Stunden, häufiger aber mehrere Tage oder Wochen ertragen müssen. Die Corona-Krise führt dazu, dass immer mehr Menschen darunter leiden.

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Wissen Gesundheit
09/29/2020

Quarantäne für Kontaktpersonen: Kann sie verkürzt werden?

Österreich hat Anfang August die Dauer von 14 auf 10 Tage reduziert. Jetzt ist eine Diskussion über eine weitere Verkürzung in Gang gekommen.

von Ernst Mauritz

Nur mehr vier statt zehn Tage Quarantäne für Kategorie-1-Kontaktpersonen nach zweimaligem negativem Testergebnis? Mit dieser Forderung ging der Präsident der Wirtschaftskammer NÖ, Wolfgang Ecker, Montag an die Öffentlichkeit.

 „Das halte ich für zu kurz“, sagt dazu der Infektiologe Herwig Kollaritsch. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Symptombeginn) dauere im Schnitt fünf bis sieben Tage: „Da rutschen nach vier Tage sicher einige Infizierte unerkannt durch.“

Österreich hat Anfang August – als eines der ersten Länder in Europa – die Dauer  der Quarantäne für enge Kontaktpersonen und Infizierte von 14 auf 10 Tage gesenkt. Doch angesichts steigender Zahlen von Betroffenen nimmt europaweit die Diskussion um eine weitere Verkürzung, besonders bei den Kontaktpersonen, zu. Frankreich und Luxemburg  haben die Quarantänedauer generell auf sieben  Tage verkürzt, um die Akzeptanz der  Maßnahme in der Bevölkerung zu erhöhen. „Wir sollten noch einige Wochen weitere wissenschaftliche Daten sammeln, aber wenn dann nichts publiziert wird, was wirklich dagegenspricht, könnte eine Verkürzung eine Möglichkeit sein“, sagt Kollaritsch. Er hält es „für sehr unwahrscheinlich, dass eine symptomlose Kontaktperson nach sieben Tagen noch Symptome bekommt“. 

Bei Infizierten mit mildem Krankheitsverlauf zu Hause wiederum gehe die Evidenz in die Richtung, dass eine Virusausscheidung „nach sieben Tagen  in den  allermeisten Fällen epidemiologisch nicht mehr relevant ist. Das heißt: Sollten Sie noch Viren ausscheiden, dann in der Regel in so geringen Mengen, dass es keine Infektionsgefahr mehr gibt.“

Die größte Infektiosität bestehe 24 bis 48 Stunden vor und nach Symptombeginn“ sagt Kollaritsch. „Danach fällt sie rapide ab.“ Und: „Man muss abwiegen: Auf der einen Seite das geringe Risiko, dass nach sieben Tagen noch einzelne Personen infektiös sind. Auf der anderen Seite die bessere Akzeptanz der Quarantäne und die deutlich geringere psychische Belastung. Aber vier Tage Quarantäne sind zu kurz.“
Der Mediziner Bernhard Benka vom Gesundheitsministerium sieht bei positiv Getesteten derzeit wenig Spielraum: „Sieben bis acht Tage sind die meisten Infizierten auch tatsächlich infektiös. Da sind zehn Tage Quarantäne schon wichtig für eine ausreichende Sicherheit.“

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Etwas anderes sei die Diskussion bei den Kontaktpersonen: „Wir sind hier den Schritt von 14 auf 10 Tage gegangen, weil Studien gezeigt haben, dass die allermeisten infizierten Kontaktpersonen bis dahin tatsächlich Symptome entwickelt haben. Deutschland hingegen hat noch 14 Tage Quarantäne für Kontaktpersonen, auch die europäische Gesundheitsbehörde ECDC empfiehlt weiterhin 14 Tage, die angegebene maximale Inkubationszeit. Für eine weitere Verkürzung der Quarantänezeit für Kontaktpersonen, ohne dabei infektiöse Personen zu übersehen, gibt es derzeit noch nicht ausreichend Evidenz.“ Dies gelte auch dann, wenn am Ende einer verkürzten Quarantäne ein PCR-Test durchgeführt wird und dieser negativ ist: „Ist man mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit noch infiziert? Oder zu 98 Prozent? Das wissen wir nicht.“

Angesichts der fehlenden Evidenz gehen verschiedene  Länder ganz unterschiedliche Wege. Dänemark etwa entlasse Kontaktpersonen bei negativem PCR bereits nach vier Tagen aus der Quarantäne, zwei Tage später müsse aber noch ein Test durchgeführt werden: „Das ist natürlich auch ein großer logistischer Aufwand.“

Doch Benka betont auch, dass bei weiter steigender Infektionszahl die Quarantänediskussion noch dringlicher werden wird: „Und dann kann es sein, dass abgesehen von der evidenzbasierten, infektionsepidemiologisch bewerteten Situation auch noch andere Kriterien diskutiert werden müssen.“

 

 

 

 

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