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Wissen Gesundheit
10/16/2021

Plötzlicher Herzstillstand: Warum schnelles Handeln so wichtig ist

Welt-Tag der Wiederbelebung: Der größte Fehler, nichts zu tun – denn entscheidend sind vor allem die ersten Minuten.

von Ingrid Teufl

„Völlig ohne Vorzeichen.“ – „Als ob plötzlich das Licht ausgeschaltet worden wäre.“ – „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel.“

All diese Worte fallen, wenn Horst Scherkl jene Momente beschreibt, in denen sein Herz stehen blieb. Und zwar wirklich. Aber nicht im umgangssprachlich gemeinten Sinn („Da ist mir das Herz stehen geblieben“), wenn man gedankenlos die Redewendung verwendet. Binnen 30 Sekunden lief er blau an, sank auf der Bank, auf der er saß nach vorne – und atmete nicht mehr.

Dass er heute darüber berichten kann, verdankt der Steirer seiner Frau und seinem Sohn, die während dieses Notfalls sofort die richtigen Wiederbelebungsmaßnahmen setzten. Sie riefen sofort den Notruf ( 144) – und begannen mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung, rund 10 bis 15 Minuten lang. Erst dann traf der Notarzt ein, versorgte den Notfallpatienten und versetzte ihn in Tiefschlaf, aus dem der Familienvater erst vier Tage und eine Herzoperation später wieder erwachte.

Schnell reagieren

Horst Scherkls Erfahrungen kennen Notfallmediziner gut. „Der plötzliche Herzstillstand passiert sehr häufig im Beisein von engen Angehörigen. Hier schnell mit den einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen, kann entscheidend sein, betont Notfallmediziner Gerhard Prause von der MedUni Graz. Der „Tag der Wiederbelebung“, (World Restart A Heart Day) der weltweit heute, am 16. Oktober, begangen wird, ist ein passender Anlass, um auf die Bedeutung des schnellen Handelns bei einem akuten Herz-Kreislaufstillstand hinzuweisen. Denn entscheidend für die Lebensrettung sind vor allem die ersten Minuten nach dem Auftreten.

In dieser Phase ist – im wahrsten Wortsinn – beherztes Anpacken gefragt: „Wichtiger als die Beatmung ist die ununterbrochene Herzmassage“, betont Prause im KURIER-Gespräch. Falsch machen kann man nichts – und der größte Fehler ist es, gar nichts zu tun.

Veränderung durch Covid

Doch seit der Covid-19-Pandemie ist es für Hilfsorganisationen schwieriger geworden, die wichtigsten Infos und Trainingsmöglichkeiten zu vermitteln. Die Grazer Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin AGN hat daher ein neues Angebot entwickelt, das Interessierten ein selbstständiges Training ermöglicht. In allen Grazer Bibliotheken sind seit Kurzem Wiederbelebungspuppen samt Übungsanleitungen verfügbar.

Der fachliche Leiter der AGN, Notfallmediziner Simon Orlob von der MedUni Graz, betont den Verbreitungseffekt: Jeder Interessierte übe sich nicht nur selbst in den Erste-Hilfe-Maßnahmen – sondern trage sie auch in sein engeres soziales Umfeld weiter. Wie wichtig das ist, zeigen statistische Daten: Nur zehn Prozent überleben einen plötzlichen Herzstillstand (siehe dazu Kasten).

„Auf dieses Ereignis kann man sich nicht vorbereiten“, weiß der ehemalige Patient Horst Scherkl. „Es kann jederzeit und jedem passieren.“ Verhindern lasse sich dieses Ereignis ebenso wenig – lediglich die Überlebenschancen können erhöht werden. Wenn man im Fall des Falles vorbereitet ist, schnell einzugreifen. Scherkl bittet daher, nicht aus Angst oder falscher Scheu wegzuschauen. „Es ist ein großes Glück, wenn in dieser Situation jemand um einen ist, der bemerkt, was los ist. Helft’s einfach.“

 Immerhin fast 109.000 Follower hat die Spotify-Playlist „Songs to do CPR to“ (CPR: „cardiopulmonary resuscitation“, auf deutsch: Wiederbelebung), die das New York Presbyterian Hospital zusammengestellt hat.

57 Lieder umfasst die Liste derzeit, darunter der Klassiker „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees, oder „Dancing Queen“ von Abba, „I will Survive“ von Gloria Gaynor, „Crazy in Love“ von Beyoncé und Jay-Z oder „Whenever, Wherever“ von Shakira.

Nicht dabei sind allerdings die heimischen Wiederbelebungs-Klassiker „Radetzkymarsch“ von Johann Strauss und „Life is Life“ von Opus.  

 

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