Pandemie: Jeder siebte Patient verpasste Krebs-OP

Pandemie: Jeder siebte Patient verpasste Krebs-OP
Einer neuen Studie zufolge konnte jeder siebte Krebspatient während der Corona-Pandemie potenziell lebensrettende Operationen nicht wahrnehmen.

Die Corona-Pandemie hat die Gesundheitssysteme in vielen Ländern phasenweise an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getrieben. Unter anderem mussten geplante medizinische Eingriffe verschoben werden. Eine neue Studie deckt auf, in welchem Ausmaß Krebspatientinnen und Krebspatienten davon betroffen waren.

Demnach hat jeder siebte Krebspatient weltweit während diverser Lockdowns potenziell lebensrettende Operationen verpasst. In sozioökonomisch schwachen Ländern war das Risiko, eine Operation nicht wahrnehmen zu können, der Analyse zufolge am höchsten.

Das blieb nicht ohne Folgen: Die Verzögerungen könnten laut den Forschenden zu mehr Krebstodesfällen geführt haben. Diese hätten verhindert werden können, wären die Operationen pünktlich durchgeführt worden.

Unmenge an Daten

Es wurden Daten zu den 15 häufigsten Krebsarten (etwa Darmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, Kopf- und Halskrebs und Brustkrebs) bei 20.000 Patientinnen und Patienten in 466 Krankenhäusern in 61 Ländern analysiert. Die Forschenden verglichen die Absagen und Verzögerungen von Krebsoperationen während der Lockdowns mit jenen während leichter Einschränkungen.

Während der Lockdowns war bei einem von sieben Patienten (15 Prozent) eine geplante OP im Durchschnitt 5,3 Monate nach der Diagnose noch immer nicht durchgeführt worden. In der Zeit leichter Einschränkungen war die Ausfallrate mit 0,6 Prozent sehr niedrig.

Bei Patientinnen und Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium und Patientinnen und Patienten, die in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen auf eine Operation warteten, war die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie dringend benötigte OPs erhielten, als in reicheren Ländern.

Die Erhebung wurde unter der Leitung einer Expertengruppe der Universität Birmingham zusammen mit der COVIDSurg Collaborative durchgeführt. Beteiligt waren rund 5.000 Chirurginnen und Anästhesisten aus der ganzen Welt. Die COVIDSurg Collaborative ist ein vom britischen National Institute for Health Research finanziertes Forschungsnetzwerk, das die Auswirkungen der Pandemie auf die chirurgische Versorgung untersucht. Zwischenzeitlich waren daran über 15.000 Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Forscherinnen und Forscher aus über 100 Ländern beteiligt. Das Team hat seine Ergebnisse im The Lancet Oncology veröffentlicht.

Kapazitäten für Krebsoperationen

Die Expertinnen und Experten fordern Investitionen in Personal und Infrastruktur, um die medizinische Versorgung in Krisenzeiten sicherzustellen.

James Glasbey von der Universität Birmingham, einer der Hauptautoren der Studie, kommentierte die Ergebnisse so: "Unsere Studie zeigt, welche Auswirkungen die Schließung von Kliniken auf Patienten hat, die während der Pandemie auf eine Krebsoperation warten. Während Schließungen entscheidend sind, um Leben zu retten und die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sollte die Sicherstellung von Kapazitäten für Krebsoperationen Teil des Plans eines jeden Landes sein, um die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu gewährleisten."

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