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Wissen Gesundheit
08/17/2021

Osteoporose wird in Österreich immer "männlicher"

Eine Grazer Studie belegt Abnahme der Oberschenkelhalsbrüche bei Frauen, während die Zahl der Männer mit Hüftfrakturen steigt.

Die Häufigkeit von Osteoporose-Knochenbrüchen in Österreich nimmt besonders bei Frauen ab. Die Absolutzahlen bei Männern haben sich in den vergangenen 30 Jahren hingegen konstant erhöht und mehr als verdoppelt, zeigt eine neue Studie der MedUni Graz.

Die Forscher verwendeten dafür Daten einer vorliegenden Untersuchung für den Zeitraum 1989 bis 2008 und ergänzten Informationen für die Jahre bis 2018. Bei der Zahl der Oberschenkelhalsbrüche würde man im internationalen Vergleich schlecht abschneiden: Etwa 370.000 Frauen und 90.000 Männer dürften an krankhaftem Knochenschwund leiden, laut Experten werden aber nur 20 Prozent aller Fälle diagnostiziert. Die Kosten durch Osteoporose wurden für Österreich auf mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Verbesserung

Allerdings könnte sich zuletzt eine Verbesserung der Situation abzeichnen. "Die Gesamtzahl der Hüftfrakturen erhöhte sich von 13.984 (2009) auf 14.640 (2015) und fiel dann auf 14.457 im Jahr 2018 - dies trotz einen ständigen Anstiegs bei den Männern", schreiben Hans Peter Dimai (Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der MedUni Graz) und die Co-Autoren. 2010 sei es mit 476 Fällen von Oberschenkelhalsbrüchen pro 100.000 Einwohnern über 50 Jahren zum Höchststand der vorläufigen Entwicklung gekommen. Bis 2018 ist dieser Inzidenzwert auf 408 pro 100.000 Personen in der Altersgruppe über 50 gefallen. Das ist laut den Wissenschaftern vor allem auf die Entwicklung bei den Frauen zurückzuführen.

Die Spitalsdaten zeigen die unterschiedliche Entwicklung von Frauen und Männern. Die Zahl der jährlichen Krankenhausentlassungen nach Hüftfraktur betrug für Frauen im Jahr 1989 etwas unter 8.000, um bis 2018 auf etwas mehr als 11.000 anzusteigen. Bei Frauen lässt sich eine Abnahme ab 2005 beobachten. Die Zahl der Männer, die wegen einer Hüftfraktur versorgt werden müssen, stieg von 1989 (rund 2.000) kontinuierlich an. Osteoporose werde derzeit offenbar "männlicher" und reduziere in der Gesamtsicht die positive Entwicklung bei den Frauen.

Mögliche Gründe

Ein Faktor könnte die Zunahme der Zahl der Übergewichtigen sein, denn ein höherer Body-Mass-Index (BMI) wird mit weniger Osteoporose in Verbindung gebracht. Bei den Frauen könnte auch die in den vergangenen Jahrzehnten häufiger verwendete Hormonersatztherapie nach der Menopause eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus dürfte sich die Ernährung langfristig verbessert, die Raucherquote in der älteren Bevölkerung reduziert haben. Seit rund 20 Jahren gibt es auch wirksame Osteoporosemedikamente, die eingesetzt werden. Dazu ist aber die Diagnose eines krankhaften Knochenschwundes notwendig.

Knochenbrüche durch Osteoporose verursachen nicht nur Schmerzen und potenziell chronische Invalidität, sondern bedeuten für die Betroffenen auch ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Die Mortalität von Frauen mit einem Wirbelkörpereinbruch steigt auf das Fünffache, nach Hüftfrakturen verdoppelt sie sich. Nach Oberschenkelhalsbrüchen ist die Sterblichkeit innerhalb der ersten drei bis sechs Monate am größten. 20 bis 30 Prozent der Sterbefälle sind direkt mit den Komplikationen durch eine Hüftfraktur verbunden. So enden Stürze Hochbetagter durch diese Verletzung oft tödlich.

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