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Wissen Gesundheit
08/05/2022

Österreichs erstes Retortenbaby feiert 40er

Im Jahr 1982 war es noch eine Sensation. Heute wird eine In-Vitro-Fertilisation häufig durchgeführt.

Runde Geburtstage sind für die meisten Menschen etwas Besonderes. Für Zlatan Jovanovic sind sie eine sichere Meldung in den Medien. Denn er war das erste Baby, das am 5. August 1982 mittels In-Vitro-Fertilisation (IVF), also im Reagenzglas, gezeugt wurde. Schon zum 30er erzählt Zlatan Jovanovic gegenüber dem KURIER: "Meine runden und halbrunden Geburtstage sind immer ein Stress. Ich bin schon gespannt, was los sein wird, wenn ich 50 bin", lachte er damals. 

Das AKH-Team um die Pioniere der Reproduktionsmedizin, Wilfried Feichtinger und Peter Kemeter, war das sechste weltweit, dem die In-Vitro-Fertilisation gelungen ist. Der mittlerweile verstorbene Pionier Wilfried Feichtinger erzählte vor zehn Jahren im KURIER-Interview, dass im Juli 1978, als das allererste IVF-Baby zur Welt kam, alle glaubten, dass die Forscher Robert Edwards und Patrick Steptoe geschwindelt hätten.

"Ich hatte damals eine Assistentenstelle an der Zweiten Frauenklinik im Wiener AKH und war immer überzeugt, dass ihre Aussagen stimmen. Und dann hat der KURIER mein Leben verändert: Im Dezember 1978 erschien ein Artikel, wonach Steptoe und Edwards im Jänner 1979 im Royal College in London erstmals alle Daten zu ihrer neuen Technik präsentieren. Daraufhin fragte ich meinen damaligen Chef, Univ.-Prof. Hugo Husslein, ob ich hinfahren darf. Er genehmigte es", erinnert sich Feichtinger im Jahr 2012. 

Erstes Retortenbaby Louise Brown

Mit der erfolgreichen Befruchtung im Reagenzglas läuteten der Physiologe Robert G. Edwards und der inzwischen verstorbene Gynäkologe Patrick Steptoe ein neues Zeitalter in der Behandlung unerwünschter Kinderlosigkeit ein. Begonnen hat Edwards mit seiner Idee bereits im Jahr 1960, 18 Jahre später am 25. Juli 1978, kurz vor Mitternacht war es dann so weit. Louise Brown kam in Manchester (Großbritannien) auf die Welt. Die heute 44-jährige wog bei der Geburt 2.600 Gramm und zog die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich.

Heute gelingen allein dem Wunschbaby Institut Feichtinger über mehr als 20.000 IVF-Geburten im Jahr, aber keines der Babys ist so berühmt wie Zlatan Jovanovic. "Ich habe vieles später über die Medien erfahren und bin in der Hauptschule erst wirklich mit meiner Entstehung konfrontiert worden, als etwa meine Lehrerin eines Tages mit einem Artikel über mich in die Klasse kam. Zuhause war meine Geburt etwas ganz Selbstverständliches und die IVF-Behandlung kein Thema", so Zlatan Jovanovic.

Fruchtbarkeit bei Frauen nimmt ab 35 ab

"Professor Feichtinger hat mir jedes Jahr zum Geburtstag gratuliert. Sein frühes Ableben im Juni 2021 hat mich sehr betroffen. Er hat auch stets betont, wie sehr er auf diese gelungene Behandlung stolz war, die am Beginn seiner so erfolgreichen Laufbahn stand“, erzählt Zlatan Jovanovic.

Michael Feichtinger ist der Sohn von Wilfried Feichtinger und leitet heute das Wunschbaby Institut Feichtinger: Er erzählt, dass die Nachfrage nach IVF immer größer wird und die Paare immer älter werden.

"Heute wünschen sich immer mehr Paare später ein Baby, da sehr oft der Beruf Vorrang hat. Obwohl wir uns ständig bemühen die Aufklärung für junge Menschen zu steigern, rechtzeitig mit der Familienplanung zu beginnen, ist in den letzten Jahren eher das Gegenteil eingetreten. Das Lebensalter der Patientinnen, die zu uns kommen, steigt kontinuierlich an. Ganz besonders auffällig ist die hohe Anzahl der 39-jährigen Frauen."

Das liegt wohl daran, dass der IVF-Fonds die Kosten für die Behandlung nur bis zum 40. Lebensjahr übernimmt. "Ich möchte auch hier nochmal darauf hinweisen, dass die Fruchtbarkeit bei Frauen ab 35 rapide abnimmt und trotz vieler und immer besser werdenden Behandlungsmethoden, der Weg zum Wunschbaby ab einem gewissen Alter immer schwieriger wird", so  Michael Feichtinger.

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