© EPA/FEHIM DEMIR

Wissen Gesundheit
04/23/2021

Nutzen von Astra Zeneca in allen Altersgruppen größer als die Risiken

Neue Analyse der Europäischen Arzneimittelagentur: Der Nutzen nimmt mit steigendem Alter und steigenden Infektionszahlen zu.

von Theresa Bittermann, Ernst Mauritz

54 Spitalsaufenthalte pro 100.000 Menschen im Alter von 30 bis 39 Jahren kann der Impfstoff von Astra Zeneca verhindern – bei einer mittelhohen Inzidenz von 401 auf 100.000 Einwohner. Das Risiko für ungewöhnliche Thrombosen  etwa im Gehirn liegt dann bei 1,8 Fällen bei dieser Einwohnerzahl. Bei den 40- bis 49-Jährigen werden bereits 81 Hospitalisierungen  unter Geimpften vermieden – das Thromboserisiko liegt bei knapp über zwei Fällen. Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es dann schon 114 verhinderte Spitalsaufenthalte. Thromboserisiko: Ein Fall.

Eine Freitagnachmittag von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA präsentierte neue Analyse zum Impfstoff Vakzevria von Astra Zeneca ergab: Der Nutzen des Impfstoffs übersteigt in allen Altersgruppen das seltene Risiko von ungewöhnlichen Thromboseformen.  „Der Impfstoff ist effektiv im Verhindern von Spitalsaufnahmen insgesamt, Aufnahmen in Intensivstationen und Todesfällen“, sagte Noël Wathion, stv. Direktor  der  EMA.   Damit kann der Impfstoff weiterhin uneingeschränkt eingesetzt werden.

Analyse nach Szenarien

Die Analyse soll den EU-Ländern vor allem dabei helfen, ihre Impfstrategien anzupassen, die eben auch immer von den aktuellen Infektionszahlen und dem Alter der Leute, die noch geimpft werden müssen, abhängen können. „Covid-19 betrifft alle Länder, aber es betrifft sie eben alle anders, zum Beispiel, weil sie unterschiedliche Infektionsraten haben können“, sagte Wathion.

Im Detail untersuchte die EMA den Nutzen von Vakzevria für drei Situationen in Europa: September 2020 (niedriges Infektionsrisiko), Jänner 2021 (hohes Infektionsrisiko und März 2021 (mittleres Infektionsrisiko). Eine Analyse von nach Geschlechtern aufgeschlüsselten Daten sei in diesem Umfang nicht möglich gewesen, da  geschlechterbasierte Daten nicht von allen Ländern an die EMA geliefert wurden.

Die Zahl verhinderter Spitalsaufenthalte übersteigt jene von Thrombosefällen aber in allen Altersgruppen und allen Kategorien des Infektionsrisikos (niedrig, mittel, hoch) und zeigt damit, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung zugunsten der Impfung ausfällt, denn „ein Spitalsaufenthalt aufgrund von Covid-19 ist sehr ernst zu nehmen“, betonte EMA-Experte Peter Arlett. „Der Impfstoff rettet Leben.“

Bei solchen mittelhohen Infektionszahlen  können sogar in der jüngsten Gruppe der 20- bis 29-Jährigen 37 Hospitalisierungen aufgrund einer Corona-Infektion pro 100.000 Menschen verhindert werden. Im Vergleich dazu liegt das Risiko, nach der Impfung eine seltene Thrombose zu bekommen, bei 1,9 aus 100.000 – ist also deutlich niedriger.

Die EMA befürwortet auch weiterhin die Gabe  einer zweiten Dosis Vakzevria vier bis zwölf Wochen nach der ersten. „Die Daten unterstützen es nicht, die zweite Dosis länger zu verschieben oder ganz darauf zu verzichten.“ Auch für das Mischen von Impfstoffen (mRNA-Impfstoff als zweite Dosis statt Astra Zeneca) gebe es keine Datengrundlage. Allerdings wisse man noch nichts über das Thromboserisiko nach der zweiten Dosis. 

Was man bisher wusste

Hintergrund der Untersuchungen sind seltene Thrombosen etwa im Gehirn oder auch im Bauchraum in Kombination mit einem Blutplättchenmangel nach einer Impfung mit dem Vakzin von Astra Zeneca. Jenes Krankheitsbild wird mittlerweile als sehr seltene Nebenwirkung in der Produktinformation des Impfstoffes geführt.

Es gebe eine "mögliche Verbindung" zwischen Impfstoff und Thrombosen. Änderungen in der Anwendung des Impfstoffes wurden bisher keine empfohlen. Der Nutzen würde jedoch die Risiken überwiegen, so die bisherige Auskunft.

62 Fälle

Bis 7. April hatte die EMA  62 Fälle von zerebralen Sinusvenenthrombosen (CVST)  sowie von 24 Fällen von Venen im Bauchraum gezählt. In Deutschland wurden bis zum 2. April 42  Vorfälle gemeldet,in 23 Fällen wurde auch ein Blutplättchenmangel registriert.

In Österreich gab es bisher acht solcher Fälle. 

Wichtig sei es vor allem die Symptome jener Nebenwirkung zu kennen und so rasch wie möglich professionelle, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Achten sollte man in den zwei Wochen nach der Impfung auf Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Schwellungen in den Beinen, anhaltende Bauch- oder Kopfschmerzen, verschwommene Sicht oder Hämatome rund um die Einstichstelle. 

168 Fälle unter 21,2 Mio. Geimpften in Großbritannien 

Erst am Freitag erschienen auch neue Daten aus Großbritannien zu Thrombosefällen unter AZ-Geimpften. Vorläufigen Erkenntnissen nach sind bisher 168 Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit der Corona-Impfung des britisch-schwedischen Herstellers aufgetreten. 32 der Fälle seien tödlich verlaufen, teilte die britische Arzneimittelbehörde MHRA am Donnerstag nach einer Auswertung von Daten bis einschließlich 14. April mit.

Die Behörde blieb jedoch bei ihrer bisherigen Empfehlung für das Impfen mit Astra Zeneca. Die Risiken durch das Vakzin seien geringer als sein Nutzen, hieß es. Laut MHRA waren bis 14. April 21,2 Millionen Menschen in Großbritannien mit dem Astra Zeneca-Vakzin geimpft worden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.