Neue Studie: Kindersterblichkeit bei über 80 Prozent vermeidbar

Neue Studie: Kindersterblichkeit bei über 80 Prozent vermeidbar
Pro Jahr sterben über fünf Millionen Kinder noch vor ihrem fünften Geburtstag - die meisten in armen Ländern.

Wie aus einer neuen Studie des Institute for Global Health in Barcelona hervorgeht, wäre ein Großteil der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren vermeidbar. Das Team um Quique Bassat schrieb in einer kürzlich im Fachmagazin Jama Network Open veröffentlichten Untersuchung, dass es in den vergangenen Jahren große Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit gegeben habe. So sank die Rate der verstorbenen Kinder von jährlich 17 Millionen unter fünf Jahren in den 1970er Jahren bis 2019 auf 5,3 Millionen.

➤ Mehr lesen: Sechster Fall weltweit: Schweizer Patient gilt als von HIV geheilt

Aber: 99 Prozent dieser Todesfälle treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf, heißt es in der Studie weiter. "Wenn wir diese Todesfälle verhindern wollen, müssen wir die Ursachen kennen, aber das Problem ist, dass uns verlässliche Daten fehlen", so Bassat in einer Aussendung zu der aktuellen Problematik. Oftmals werden laut Bassat klinische Daten und Zeugenaussagen von Angehörigen oder Betreuern verwendet, um die Todesursachen in ärmeren Gebieten zu ermitteln - diese seien aber nicht detailliert genug. Darüber hinaus sei es außerdem wichtig, zwischen Ursachen und der unmittelbaren Todesursache zu unterscheiden.

Neue Ansätze und die 6 häufigsten Todesursachen

Für die neue Studie haben die Forscher um Bassat nun eine minimalinvasive Technik entwickelt, die Biopsien aus verschiedenen Organen ermöglicht und so einen Schluss auf Todesursachen ziehen lässt. Insgesamt untersuchte das Team 636 Todesfälle von Kindern im Alter von einem Monat bis fünf Jahren in sieben Ländern Subsahara-Afrikas und Südostasiens - in Mosambik, Sierra Leone, Kenia, Mali, Äthiopien, Südafrika und Bangladesch.

Die sechs meist aufgetreten Todesursachen waren demnach Mangelernährung (16,5 Prozent), das HI-Virus (11,9 Prozent), Malaria (11,2 Prozent), angeborene Defekte (10,1 Prozent), Atemwegsinfektionen (8,4 Prozent) und Durchfall (7,2 Prozent). Häufigste unmittelbare Todesursache waren eine Sepsis (37 Prozent) und eine Erkrankung der Atemwege (27 Prozent).

In 87 Prozent der Fälle fanden die Forscher dementsprechend einen infektiösen Erreger. Am häufigsten waren die Bakterien Klebsiella pneumoniae, die hauptsächlich mit Krankenhausinfektionen in Verbindung gebracht werden, die Malariaparasiten P. falciparum sowie Pneumokokken, die zu Lungenentzündungen führen können.

Jedoch waren laut Bassat ein Viertel der Todesfälle "auf eine einzige Ursache zurückzuführen; alle anderen auf ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren". Es sei daher wichtig, die gesamten Ereignissen, die zum Tod führen, zu berücksichtigen, um schließlich wirksamere Präventionsstrategien zu entwickeln.

Weitere Erkenntnisse

Zudem kam die Studie zu dem Ergebnis, dass 82 Prozent der analysierten Todesfälle hätten verhindert werden können. Etwa durch eine bessere Ernährungssituation und eine bessere medizinische Versorgung.

"Die sozioökonomischen Umstände der Haushalte mit Kindern zu verbessern, muss im Zentrum der Bekämpfung von Kindersterblichkeit stehen“, so Bevölkerungsmediziner S.V. Subramanian von der Universität Harvard in einem Kommentar zur Studie. Der konkrete Lösungsansatz demnach: Armut und Mangelernährung bekämpfen, Zugang zu sauberem Wasser sowie hygienischen Sanitärverhältnissen sichern und das Gesundheitssystem in ärmeren Ländern ausbauen.

Kommentare