Antikörper attackieren das neue Coronvirus.

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Wissen Gesundheit
11/06/2020

Nach Covid-19: Doch Hoffnung auf längerfristige und starke Immunabwehr?

US-Forscher stellten zwar einen Rückgang von Antikörpern fest. Die verbleibenden Abwehrstoffe wurden allerdings wirkungsvoller in der Virusbekämpfung, und ein effektiver Schutz könnte viel rascher aufgebaut werden.

Manche Forscher sehen diese Ergebnisse als den bisher deutlichsten Hinweis darauf, dass Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung doch einen anhaltenden Schutz vor einer neuerlichen Infektion haben könnten: Immunologen haben in einer US-Studie zwar auch einen deutlichen Abfall von Antikörpern, Abwehrstoffen, innerhalb von sechs Monaten, nachgewiesen - was bisher zu der Sorge führte, dass es keinen langfristigen Schutz geben könnte.

Doch die US-Forscher sehen in diesem Rückgang keine große Gefahr: Denn die verbleibenden Antikörper seien wirkungsvoller als jene von zu Beginn der Infektion, könnten die Virusvermehrung blockieren und auch rascher in ausreichender Menge vom Immunsystem produziert werden als bei einer Erstinfektion.

Die Studie wurde von der Rockefeller University in New York durchgeführt und ist vorerst nur als Vorabdruck veröffentlicht worden. "Unsere Ergebnisse sind eine sehr gute Nachricht", wird  einer der Autoren, Michael Nussenzweig, im The Guardian zitiert. "Die Erwartung ist, dass Menschen in der Lage sein sollten, bei einer Zweitinfektion eine rasche Antikörper-Antwort zu produzieren und in vielen Fällen eine Infektion abzuwehren."

Zwar sei unklar, wie lange das Immungedächtnis anhält, aber möglicherweise könnte es einen gewissen potenziellen Schutz für einige Jahre geben. Das könnte erklären, warum bestätigte Re-Infektionen mit dem Virus bisher so selten berichtet wurden.

Was bei einer Infektion passiert

Bei einer Infektion startet das Immunsystem einen mehrfachen Angriff. Eine Form des Schutzes kommt von T-Zellen, die mit dem Virus infizierte Zellen aufsuchen und zerstören. Eine zweite Abwehrlinie geht von B-Zellen aus, die Antikörper bilden und ins Blut abgeben. Diese binden im Optimalfall an das Virus und verhindern, dass es überhaupt in Zellen eindringen kann.

Ist die Infektion vorbei, speichert das Immunsystem die Erinnerung an die Infektion in sogenannten Memory-T- und Memory-B-Zellen. Bei einer neuerlichen Infektion werde diese sofort aktiviert.

Viele Studien bisher haben gezeigt, dass die ersten Antikörper nach einigen Monaten verschwinden - was zu der Sorge führte, dass die Immunität nur von kurzer Dauer sein könnte.

Auch die US-Forscher beobachteten in ihrer Studie mit 87 Patienten diesen Effekt: Sechs Monate nach der Infektion betrug der Antikörperspiegel nur noch ein Fünftel des ursprünglichen Höchstwertes.

Doch dies hat aus ihrer Sicht keine große Bedeutung. Denn sie machten eine andere Entdeckung: Sie konnten feststellen, dass die vorhandenen Antikörper, die von Memory-B-Zellen produziert wurden, insofern potenter geworden sind, als sie gezielt die Virusvermehrung stoppen ("neutralisieren") können: Und sie könnten innerhalb weniger Tage nach einer Re-Infektion in ausreichender Menge produziert werden, und nicht - wie bei einer Erstinfektion - erst nach mehreren Wochen.

Möglicher Grund für diesen Schutz: Die Forscher fanden auch ganz geringe Mengen ungefährlicher Eiweißfragmente von Coronaviren im Darm: Möglicherweise sind sie es, die das Immungedächtnis wach halten.

"Die Aussage unserer Studie ist: Infizierte haben sechs Monate nach der Infektion eine dauerhafte Immunantwort von Memory-B-Zellen mit Antikörpern, die das Virus sehr gut neutralisieren (an der Vermehrung hindern, Anm.) können", sagt Nussenzweig. "Das könnte bedeuten, dass das Virus ausgelöscht wird, bevor es sich im Körper festsetzt."

Wie lange dieser Schutz anhält wisse man nicht: "Aber es könnte eine lange Zeit, möglicherweise Jahre, sein."

Wissenschaftler, die an dieser Studie nicht beteiligt waren, erklärten in ersten Reaktionen, dass diese vorläufigen Ergebnisse noch überprüft werden müssten (sie sind noch nicht in einem Fachjournal publiziert worden), aber "die Arbeit deutet daraufhin, dass es bei einer  Re-Infektion eine schnellere Antwort des Immunsystems gibt", sagte etwa der Immunologe Charles Banham vom Imperial College London.

Und der Immunologe Arne Akbar, University College London, ergänzte: "Das sind gute Nachrichten für alle, die eine Infektion mit dem Coronavirus hinter sich haben." Das Immunsystem sei wie eine Armee, die nach einem Angriff wachsam bleibt, um eine künftige Invasion abwehren zu können: "Ist dieser Angriff da, sollte die Armee schnell formiert und aufgebaut sein - und genau das haben diese Forscher herausgefunden."

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