Peter Klimek

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wissen Gesundheit
04/19/2021

Forscher: So können wir eine vierte Welle im Herbst verhindern

Auch bei niedrigen Fallzahlen noch regionale Maßnahmen setzen - so der Appell des Komplexitätsforschers Peter Klimek.

von Theresa Bittermann

Was sich an den Fallzahlen einzelner Bezirke schon abzeichnete, bestätigt der Komplexitätsforscher Peter Klimek nun in einer neuen Modellrechnung. Das Abriegeln von Hochinzidenzgebieten – also die sogenannten Ausreisetests – sind sehr effektiv in der Pandemiebekämpfung. Nicht nur für die betroffene Region, sondern auch für die umliegenden Gebiete und langfristig für das ganze Land gebe es deutlich positive Effekte. Im besten Fall könnte man mit dieser Strategie künftige Infektionswellen sogar im Voraus „im Keim ersticken“, schreibt Klimek in seiner Untersuchung.

Wie er zu dieser Annahme kommt?

Das hat sehr viel mit Zahlen zu tun. Prinzipiell gilt im Moment: Liegt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in einem Bezirk oder in einer Gemeinde sieben Tage lang über 400 gilt das betroffene Gebiet als Hochinzidenzregion. Seit Anfang März setzt man in diesen Fällen in Österreich verstärkt auf regionale Maßnahmen, wie eben das „Abriegeln“ solcher Gebiete. Nur mit einem negativen Schnelltest darf das Gebiet dann verlassen werden.

 

Klimek hat die Auswirkung dieser Maßnahme an Hand 14 betroffener Regionen im Durchschnitt berechnet. Mittels solcher Ausreisetests gelang es die tägliche Wachstumsrate der 7-Tage-Inzidenz im Durchschnitt um 6 Prozent zu reduzieren. Benachbarte Regionen profitieren auch, dort geht das tägliche Wachstum der Inzidenzen im Schnitt 3 Prozent zurück.

Dieser Effekt könnte laut Klimek auf mehrere Umstände zurückzuführen sein: Einerseits reduzieren sich so die Kontakte der Bewohnerinnen und Bewohner mit Menschen aus anderen Regionen mit niedrigeren Fallzahlen. Eine Region könne also eine andere „nicht anstecken“. Gleichzeitig sind die Menschen in den „abgeriegelten“ Gebieten allgemein weniger unterwegs. So würden sich auch die Kontakthäufigkeiten reduzieren, was wiederum dazu beiträgt, dass die Welle in diesem Gebiet „schneller versandet“.

Was kann man also in Zukunft besser machen?

Die Regierung kündigte vergangene Woche Öffnungsschritte für den Mai an. Um die Dynamik sinkender Fallzahlen dabei nicht einzubüßen, pocht der Komplexitätsforscher auf eine sogenannte „regionalisierte Niedriginzidenz-Strategie“. Klimek schlägt also vor, den Grenzwert für Ausreisetests auch bei weiter sinkenden Fallzahlen weiter unten anzusetzen – „ohne dabei übermäßig viele Regionen mit regionalen Maßnahmen zu belegen“. Momentan liegt die Grenze für Ausreisetests bei einer Inzidenz von 400 (wie oben beschrieben), diesen Grenzwert könnte man analog zu sinkenden Fallzahl weiter senken, auf 300, 200, 100, so der Vorschlag.

Momentan seien die Fallzahlen viel zu hoch, um alleine auf die Wirkung von Ausreisetests setzen zu können. "Jede Maßnahme ist begrenzt und sind die Zahlen einmal so hoch, dann dauert es sehr lange sie wieder nach unten zu bringen und es braucht harte Maßnahmen."

Drückt man die Zahlen aber immer weiter nach unten, auch mit Hilfe der Ausreisetests, könne diese Strategie dann sogar präventiv wirken und zum Beispiel eine neue Welle im Herbst bereits im Voraus abfangen. „Entscheidend bei dieser Strategie ist, dass die Politik schon früh genug, auch bei niedrigen Zahlen reagiert. Begrenzt man auch ein kleines Wachstum schon regional, können wir uns – auch dank dem Fortschritt der Impfung über den Sommer hinweg – dann einen harten Lockdown sparen“, sagt Klimek.

Welche Rolle spielen Virus-Varianten?

Die große Unbekannte in dieser Rechnung sind allerdings die Virus-Varianten, vor allem jene die der Impfung teilweise entkommen können, wie zum Beispiel die Südafrika-Variante. Würde sich diese ausbreiten, könnte das dem Impffortschritt entgegenwirken. Aber nicht nur das. "Wenn wir dann einen großen Teil der Bevölkerung geimpft haben und gleichzeitig aber eine hohe Zirkulation des Virus haben, dann schaffen wir damit optimale Voraussetzungen, dass Virus-Varianten entstehen oder sich verbreiten können, die dann dieser Impfung entkommen können", warnt Klimek.

Die Zahlen immer weiter nach unten zu drücken und niedrig zu halten, ist also einerseits wichtig, um so einer vierten großräumigen Welle vielleicht zur Gänze zu entkommen und damit einem harten Lockdown aus dem Weg zu gehen. "So beugen wir nicht nur einer dramatischen Situation in den Spitälern vor, sondern begrenzen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgeschäden." Niedrige Fallzahlen auch bei fortschreitender Durchimpfung ist aber auch wichtig, um "Fluchtvarianten" nicht den Weg zu ebnen. 

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