Je lokaler die Kontrollzonen sind, desto größer ist der Druck, sich testen zu lassen, um das Gebiet verlassen zu können

© APA/EXPA/JOHANN GRODER

Chronik Österreich
04/12/2021

Lassen sich mit Ausreisetests Lockdowns umschiffen?

Tirol setzt in Hotspot-Gemeinden verstärkt auf die „Quarantäne light“. Die hat sich auch in anderen Regionen Österreichs bewährt

von Christian Willim

Soll Tirol isoliert werden, um die Ausbreitung der südafrikanischen Virusmutation einzudämmen? An dieser Frage entzündete sich vor zwei Monaten ein veritabler Streit zwischen der Bundes- und der Landesregierung von Günther Platter.

Das Resultat war ein typisch österreichischer Kompromiss: eine „Quarantäne light“ sozusagen. Es war die Geburtsstunde der Ausreisetestpflicht – zunächst für das Bundesland, später aber auch für den Bezirk Schwaz oder auch die dortige Gemeinde Mayrhofen im Zillertal.

Weitere Regionen in ganz Österreich sollten – ebenfalls oft von Widerständen begleitet – folgen.

Das Prinzip: Jeder darf rein oder raus – aber eben nur mit einem gültigen negativen Corona-Test. Das Modell scheint zu wirken. Im Bezirk Hermagor in Kärnten lag die Inzidenz über 600 und ist heute bei unter 130. Im Salzburger Gasteinertal wurde die Inzidenz mit mehreren Wochen Ausreistestes von über 1.000 auf knapp über 200 gedrückt.

Im Osten Österreichs gibt es ähnliche Beispiele. In der Region Wiener Neustadt und Neunkirchen gingen etwa die Zahlen deutlicher zurück als im Rest von NÖ, trotz des landesweit verschärften Lockdowns.

Hohe Testdichte auf lokaler Ebene

Es lohnt ein Blick nach Tirol, das nach dem anfänglichen Aufbegehren nun seit einigen Wochen sehr forsch Ausreisetests verordnet. Und zwar auf Gemeindeebene. „Das hat sich absolut bewährt“, sagt Tirols Corona-Einsatzleiter Elmar Rizzoli. Die Erfahrungen zeigten, dass eine sehr hohe Testdichte bei der Bevölkerung erreicht wird:

„Aus der Gemeinde muss man relativ rasch mal heraus. Beim Bezirk ist das tendenziell weniger der Fall. Beim Bundesland noch weniger“, sagt Rizzoli.

Für acht Orte verordnet

Die Strategie lautet, in Ortschaften mit hohen Fallzahlen und dynamischem Infektionsgeschehen, rasch einzugreifen und Brandherde schon auf der kleinsten Ebene zu löschen. Innerhalb eines Monats wurde in Tirol über acht Gemeinden die Ausreistestpflicht verhängt.

Die Inzidenz-Kurve des Bundeslands geht seit zwei Woche nach unten. „In Roppen hatten wir eine Inzidenz jenseits 1.000. Am 16. Tag der Maßnahme waren wir auf Inzidenz 0. Die Testquote war 83 Prozent“, nennt Rizzoli ein Fallbeispiel. Er ortet bei den Maßnahmen auf lokaler Ebene nicht zuletzt eine hohe Akzeptanz der Bevölkerung.

Auf regionaler Ebene ist das schon schwieriger. Nur zähneknirschend startete etwa am Freitag der nö. Bezirk Scheibbs Ausreisetestkontrollen. In Osttirol gilt die Ausreisetestpflicht wiederum seit Sonntag für drei Regionen des Bezirks. Im oö Bezirk Braunau liefen die Kontrollen hingegen am Montag aus.

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