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Wissen Gesundheit
09/10/2021

Lungenkrebs: Spätere Diagnosen und schwerere Fälle als Corona-Folge

Rückgang der Neudiagnosen 2020 um mehr als 40 Prozent. Absage geplanter anderer Operationen und Untersuchungen führte auch zu weniger Lungenkrebs-Zufallsbefunden.

von Ernst Mauritz

Die Corona-Pandemie hat die Situation von Lungenkrebs-Patienten verschärft: Da die Erkrankung oft erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden verursacht, ist sie davor häufig ein Zufallsbefund bei der Abklärung anderer Erkrankungen oder Operationen. Die Verschiebung solcher Untersuchungen und Operationen aufgrund von Engpässen wegen der vielen Covid-19-Patienten könnte jetzt langfristige negative Auswirkungen für viele Patientinnen und Patienten haben, berichteten am Freitag Mediziner im Rahmen eines Pressegesprächs des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie.

"Unser Versorgungsangebot ist während der Pandemie unverändert geblieben, wurde aber deutlich weniger in Anspruch genommen", berichtete Peter Errhalt, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems in Niederösterreich. "In den vergangenen Jahren hatten wir jedes Jahr einen deutlichen Zuwachs an Neudiagnosen, aber 2020 gab es einen Knick, einen Rückgang um 42 Prozent".

Dies habe wahrscheinlich mehrere Gründe:

  • Ein großer Teil der Lungenkrebsbefunde - laut Studien rund 40 Prozent - sind Zufallsbefunde. Die Erkrankung wird also z.B. bei der Vorbereitung auf eine ganz andere Operation, etwa durch ein Lungenröntgen entdeckt. Weil 2020 aber wegen der Covid-Fälle viele geplante und nicht ganz so dringliche Operationen abgesagt werden mussten, gab es auch weniger Zufallsbefunde.
  • Eine generelle Angst vor Ansteckung mit Covid-19 bei Spitalsbesuchen.
  • Weil Lungenkrebs- und Corona-Symptome teilweise ähnlich sind (z.B. Husten), haben Patienten mit einer Abklärung oft aus diesem Grund zugewartet bzw. wurden auch angehalten, zu warten, bis sich die Symptome bessern.

Mehr Patienten in einem späteren Stadium

"Auch wir hatten in der Pandemie immer das Privileg und die Unterstützung, dass wir die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen immer fortsetzen können", berichtete Arschang Valipour, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie. "Aber es kamen weniger Patienten." Dies sei auch in anderen Ländern so gewesen, in den Niederlanden etwa gingen die Neudiagnosen um 50 Prozent zurück. Die Folge: "Die Abnahme an zugewiesenen Patienten führt im Umkehrschluss dazu, dass dann mehr Patienten in einem späteren Stadium vorstellig werden." Es scheine sich in den bisher verfügbaren Daten abzuzeichnen, "dass nach den ersten beiden Wellen der Covid-Pandemie vermehrt Patientinnen und Patienten in späteren Stadien der Erkrankung vorstelllig wurden".

Das berichtete auch Gundula Koblmiller von der Österreichischen Lungenunion, einer Patientenorganisation: "Patientinnen und Patienten sind aus Angst vor einer Ansteckung oft zuhause geblieben und haben Termine nicht wahrgenommen, bzw. sind von den Institutionen teilweise sogar darin bestärkt worden, zu Hause zu bleiben." Dies könne aber für den Krankheitsverlauf verheerende Folgen haben.

Die Mediziner und Patientenvertreterin Koblmiller appellierten, anhaltende Beschwerden (Husten, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb) unbedingt abklären zu lassen. 90 Prozent der Lungenkrebsfälle betreffen Raucherinnen und Raucher.

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