Long Covid: Diese Faktoren beeinflussen das Risiko

Eine Illustration einer Frau mit Kopfweh.
Eine deutsche Studie mit knapp 110.000 Teilnehmenden zeigt, wann es nach einer Covid-Infektion eher zu anhaltenden Symptomen kommt.

Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Kurzatmigkeit – die Symptome von Long Covid sind vielfältig. Schätzungen zufolge sind in Österreich rund 60.000 Menschen nach einer Covid-Infektion auch Monate später noch von langanhaltenden Beschwerden betroffen. Die WHO bezeichnet Folgesymptome einer Covid-Infektion, die zwölf Wochen danach neu auftreten oder anhalten und die nicht durch andere Ursachen erklärt werden können, als Post-Covid-Zustand

In einer aktuellen deutschen Studie der Universtätsmedizin Halle wurden rund 110.000 Teilnehmende einer Gesundheitsstudie zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Die Befragung fand im Herbst 2022 rückblickend auf die Pandemie statt. 

Mehr als 80 Prozent der Befragten hatten drei oder mehr Covid-Impfungen erhalten. 60 Prozent gaben an, bereits eine Covid-Infektion durchgemacht zu haben. Die Teilnehmenden konnten im Online-Fragebogen maximal 21 mögliche Post-Covid-Symptome von körperlicher Erschöpfung über Kreislaufprobleme bis hin zu Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen angeben. 35 Prozent berichteten über mindestens ein anhaltendes Post-Covid-Symptom vier bis zwölf Monate nach der Infektion. Von Personen, die Post-Covid-Symptome berichtet haben, gab ein Viertel neun oder mehr der abgefragten Symptome an. 

Faktoren, die Einfluss auf das Auftreten von Post-Covid-Symptomen haben

Die Wissenschafter konnten einzelne Faktoren identifizieren, die Einfluss auf das Post-Covid-Risiko haben. Das Risiko war in der Studie geringer

  • nach einer Omikron-Infektion
  • nach einer vierten Impfung
  • wenn man eine Infektion bereits gut überstanden hat 

Virusvariante spielt eine Rolle

"Wie unsere Auswertung zeigt, hat die Virusvariante einen Einfluss auf das Risiko für Post-Covid, wobei das Risiko bei den neuen Virusvarianten zu sinken scheint. Eine Omikron-Infektion war deutlich seltener mit Post-Covid-Symptomen verbunden", wird Rafael Mikolajczyk von der Universitätsmedizin Halle in einer Aussendung zitiert.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler klassifizierten die Virusvarianten, die für eine bestimmte Infektion verantwortlich sind, nach den Zeiträumen der Dominanz in den nationalen Überwachungsdaten in Deutschland. Infektionen bis Dezember 2020 wurden als Wildtyp eingeordnet, zwischen Januar und Juni 2021 als Alpha-Variante, zwischen Juli und Dezember 2021 als Delta-Variante und ab Januar 2022 als Omikron-Variante. 

Wiederholte Infektionen reduzierten das Risiko

"Bei wiederholten Corona-Infektionen stellten wir ebenfalls einen Unterschied fest. Wer nach einer Infektion kein Post-Covid entwickelt hat und nochmals erkrankte, hatte ein geringeres Risiko für Post-Covid, als Personen, die sich erstmalig infizierten", ergänzt Mikolajczyk. 

Zudem verringerte eine vierte Impfung das Risiko für langanhaltende Symptome. Für die Phasen, in denen frühere Virusvarianten dominierten, schien die Anzahl der Impfungen keinen direkten Einfluss auf die Entstehung von Post-COVID zu haben, wenn man Vergleiche innerhalb der jeweiligen Virusvariante anstellte. "Auch wenn das bedeutet, dass die vorangegangenen Impfungen nicht direkt vor Post-Covid schützten, ist doch von einem indirekten Schutz auszugehen. Denn die Geimpften hatten laut derzeitiger Studienlage eine geringere Wahrscheinlichkeit, an symptomatischen Corona-Infektionen zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu erleiden, die wiederum mit einem höheren Risiko für Post-Covid verbunden waren", so Mikolajczyk. 

Abstand zur Impfung spielt eine Rolle

Wenn im Zeitfenster von drei Monaten nach der Impfung eine Corona-Infektion auftrat, berichteten die Teilnehmenden etwas häufiger von Symptomen als Personen, bei denen die Infektion in einem größeren Abstand zur Impfung eingetreten ist. Hier bräuchte es laut den Forschenden zusätzliche Studien, insbesondere solche, die das immunologische Repertoire vor der Infektion erforschen, um diesen Effekt weiter zu untersuchen. 

"Unabhängig von der weiterhin nicht komplett geklärten Ursache von Post-Covid gibt es Hoffnung für alle, die bislang kein Post-Covid entwickelt haben. Personen, die nach einer früheren Infektion kein Post-Covid hatten, hatten laut unserer Auswertung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch bei der nächsten Infektion keine Folgebeschwerden", berichtet André Karch von der Universität Münster und Letztautor der Studie. "Unsere Erkenntnisse geben Zuversicht, dass das Auftreten von Post-Covid, wie schon im letzten Winter beobachtet, deutlich rückläufig ist."

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